Der Bentley Bacalar gibt Extravaganz eine neue Bedeutung

Letztes Jahr präsentierte Bentley mit der Studie EXP 100 GT die Zukunftsvision der Marke. Das Design des Konzepts hat es nun in das Serienmodell Bacalar geschafft. Ganz im Gegenteil zum elektrischen Antriebskonzept: der fette 6-Liter-W12 werkelt im neuen Briten.

Text: Maximilian Barcelli

Stichwort „Serienmodell“: Ein solches ist der Bentley Bacalar ja nicht wirklich. Nur zwölf Fahrzeuge werden gebaut, ein jedes stimmt Mulliner auf die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Kunden ab. Wer zuletzt kommt, den bestraft das Leben: selbst wenn alle finanziellen Voraussetzungen erfüllt wären – und das dürften wohl echt einige sein: die zwölf Stück sind bereits vergeben.

Besonders schade, denn der Bacalar ist nicht nur einfach ein aufgehübschter Continental GTC. Aus einer Basis das Letzte rausholen: darin ist der VW-Konzern ja eigentlich Profi

Bentley stimmt nur bedingt in diesen Recycling-Reigen ein: zwar baut der Bacalar auf der Plattform des Continental GT auf, mit Ausnahme der Türgriffe ist aber jedes Karosserieteil am Fahrzeug komplett neu. Und die wurden auch nur übernommen, weil sie die Keyless-Entry-Funktion enthalten. Aber was schreibe ich hier bitte? Wen zum Teufel interessiert das Keyless-Entry-System?

Sechs Liter Brennraum, zwei Turbolader, zwölf Zylinder in W-Anordnung – darauf kommt’s an. Gut, der W12 ist ein altbekannter Freund, für den Bacalar kitzeln die Briten allerdings einige Zusatz-PS aus dem Triebwerk: Wurde der Leistungssack bei Bentayga, Flying Spur und Co. bei 635 PS zugemacht, so darf man sich beim Bacalar an 659 Pferdchen und einem Drehmomenthammer von 900 Nm erfreuen.

Das Scheinwerfer-Design ist bereits aus der Studie EXP 100 GT bekannt.

Am spektakulärsten aber ist wohl das Design: die Front orientiert sich insbesondere punkto Scheinwerfer an den EXP 100 GT. Die Motorhaube tritt mit den zwei gigantischen Lufteinlässen überaus athletisch auf. Nicht minder pompös gibt sich das aus Aluminium gefertigte Heck: die Leuchten dort sind extrem schmal, die Flanken extrem breit und die beiden Höcker verleihen dem Bacalar das gewisse Etwas. Also: das gewisse etwas Brutalität.

Noch extravaganter (ja, NOCH extravaganter) geht’s im Innenraum zu: dort nehmen – anders als im Continental GTC – maximal zwei Personen Platz: anstelle der hinteren Sitzbank gibt es einen halbgeschlossenen Gepäckraum, in dem selbstverständlich eigens von Schedoni für den Bacalar entworfene Taschen residieren. Achtung: nur optional!

Neben einigen Elementen in Alcantara trifft man im Innenraum immer wieder ein neu entworfenes Rändelmuster an. Schon aus anderen Fahrzeugen von Bentley bekannt: das Touchdisplay, das sich in der Mittelkonsole verstecken kann, was dem Ganzen eine herrlich analoge Note verleiht. Wie extravagant der Bentley Bacalar aber tatsächlich ist, zeigen zwei Zahlen: 5.000 und 148.199.

Obacht: die Taschen hinter den Sitzen sind nicht im Preis inkludiert.

Die erste zeugt von den Jahren, in denen das Holz, das bei der Armaturentafel zum Einsatz kommt, in Mooren, Seen und Flüssen in den Marschlanden von East Anglia in England konserviert war. Freilich sind sämtliche Bäume natürlich umgestürzt, wurden also nicht gefällt. Und 148.199? So viele Einzelstiche waren für die Bestickung an den Sitzen notwendig.

Bleibt letztendlich nur noch zu hoffen, dass der Gros der zwölf Kunden in Kalifornien und nicht in Großbritannien lebt: ein Verdeck gibt’s nämlich auch für alles Geld der Welt nicht. Einen beträchtlichen Teil von diesem dürften die Kunden sogar besitzen: zwar bewahrt Bentley über den Preis stillschweigen, frühere Berichte gingen aber von einem Kaufpreis von 1,8 Millionen Euro aus.