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Bentley Continental GTC V8: Luxus light?

Dieses Auto ist ein bisschen so wie Torte mit Süßstoff. Denn auch wenn Bentley prächtig vom automobilen Überfluss lebt, hilft die britische VW-Tochter ihren betuchten Kunden jetzt dabei, den Gürtel etwas enger zu schnallen und ihr CO2-Gewissen zu entlasten. Denn zwei Jahre nach dem Start der dritten Continental-Generation gibt es den GT nun auch wieder mit acht statt Zwölf Zylindern.

Von Thomas Geiger / Fotos: Hersteller

Den Motor hat Bentley freilich nicht selbst entwickelt. Sondern während die Briten mittlerweile für den gesamten VW-Konzern den W12-Motor verantworten, kommt der V8 aus Ingolstadt. In seiner jüngsten Ausbaustufe hat er 550 PS und 770 Nm, die den Verzicht auf den Zwölfzylinder ziemlich leichtmachen. Denn schon auf dem Papier fehlen nur 85 PS und 130 Nm und in der Praxis erweist sich der Achtzylinder als absolut ebenbürtig – selbst wenn im Sprint von 0 auf 100 zwei Zehntelsekunden fehlen und ihm bei Vollgas 15 km/h früher die Puste ausgeht. Aber hey: Mit bestenfalls 3,9 Sekunden und maximal 318 km/h taugt auch der V8 im Sportwagen-Quartett noch immer als Spitzentrumpf. Und was dem V8 an Speed fehlt, macht er mit seiner Straßenlage wieder wett. Denn selbst bei einem Gesamtgewicht von mehr als zwei Tonnen machen sich die vier Zentner in jeder Kurve bemerkbar, die beim Achtzylinder weniger auf der Vorderachse lasten und weniger nach außen schieben. Zwar wird der Continental damit noch immer kein Leichtgewicht und tut sich mit engen Radien entsprechend schwer, doch während der Motor vielleicht ein bisschen mehr arbeiten muss, tut sich der Fahrer nun spürbar leichter.

Dabei hat der Continental zwei sehr unterschiedliche Gesichter, zwischen denen man mit dem kleinen Drehschalter auf der liebevoll eingerichteten Mittelkonsole wechselt. Denn im „Bentley“-Modus gibt er den potenten Cruiser, der mit sonorem aber gedämpftem Sound zur großen Tour auf breiten Straßen lockt. Und im Dynamic-Betrieb wird der Nobel-Hobel zum schnellen Spielzeug für den Earl in Eile, das alle Noblesse fahren lässt. Der Sound wird deutlich lauter, die Luftfeder versteift sich spürbar und der Adel fährt plötzlich eine vehemente Attacke, bei der bürgerliche Konkurrenten wie ein BMW M8 Cabrio oder ein offener S 63 von AMG verängstigt die linke Spur räumen.

Er sieht genauso gut aus, fährt auf der Geraden ähnlich schnell und in Kurven sogar ein wenig dynamischer – und wer die Plaketten an den Kotflügeln abbestellt, ist kaum als Knauser zu erkennen. So wird der V8 zum Continental für Smart-Shopper ohne Spaßverzicht. Doch Vorsicht: Zwar fällt der Preis mit dem kleineren Motor um rund 15.000 Euro und der Verbrauch geht zumindest auf dem Papier um etwa drei Liter zurück. Doch stehen am Ende für das Coupé trotzdem 195.517 Euro und für das Cabrio sogar 216.461 Euro (D) sowie Normwerte jenseits der elf Liter in der Liste. Aber nur weil man Süßstoff statt Zucker verwendet, wird eine Torte eben noch lange nicht zum Diät-Essen.

Galerie: Der Bentley Bacalar in sechs Versionen

Der Bacalar ist nicht nur ein typisch kolossaler Bentley, sondern wurde von der Spezialabteilung Mulliner auch noch aufgehübscht. Einige Wochen nach der Enthüllung zeigen die Briten uns ihr neues Ultraluxuscabrio in sechs verschiedenen Varianten.

Text: Jakob Stantejsky

Das Knallgelb, in das sich der Bacalar bei seinem Reveal hüllte, war definitiv mal was Anderes. Vor allem für ein Auto der Oberluxusklasse. Jetzt zeigt Bentley uns den Bacalar in sechs weiteren Trimms. Bei lediglich zwölf geplanten Exemplaren bliebe da gar nicht mehr so viel übrig an frei gestaltbaren Vehikeln. Damit die betuchte Kundschaft also weiterhin die Qual der Wahl hat, handelt es sich hierbei lediglich um Renderings. Wir können uns allerdings sicher sein, dass Bentley Mulliner für die 1,8 Millionen Euro jeden Kundenwunsch in puncto Design erfüllt, der sich nur denken lässt. Die sechs Beispiele, die allesamt mit herrlich britischen Namen bedacht wurden, sind also eher als Inspirationsquellen zu betrachten. Erzählt uns dann, wie ihr euren persönlichen Bacalar designt habt …

Am Flying Spur von Mansory ist nichts schwabbelig – außer das Lenkrad!

Wenn das Tuningunternehmen Mansory mit dem Bentley Flying Spur fertig ist, dann ist er keine seriöse Edel-Limousine mehr, sondern ein durchtrainiertes Monstrum . Allerdings nicht komplett …

Text: Maximilian Barcelli / Bilder: Mansory

Mansory ist für Modifikationen bekannt, die jeglicher Dezenz entbehren – und das zusätzlich bei Fahrzeugen, die ohnehin schon eher auf der opulenten Seite des Lebens tanzen. So kamen den Tunern aus Deutschland schon Bugatti Veyron, Ferrari 812 Superfast oder Rolls-Royce Phantom auf den Tisch.

Im Zuge des abgesagten Genfer Autosalons bat Mansory nun den brandneuen Bentley Flying Spur zur Herz-OP samt Lidstraffung. Weil 635 PS, die das 2,5 Tonnen schwere Schiff in 3,8 Sekunden auf Landstraßentempo katapultieren, einfach nicht reichen, kitzeln die Tuner noch 75 Zusatz-PS aus dem W12. Macht nach Adam Riese 710 PS, die den Flying Spur 340 km/h rennen lassen – 10 km/h schneller als der neue Porsche 911 Turbo S.

Optisch stellt der Flying Spur von Mansory seine Potenz großzügig zur Schau. Das Design hat nichts mehr mit dem vornehmen Charakter eines Lords zu tun; der Bentley ist zum durchtrainierten Bodybuilder mutiert. Mit einer großen Ausnahme: dem Lenkrad. Das sieht ein bisserl so aus, als würde man dem Verfasser dieser Zeilen auf den Wohlstandsbauch klatschen und sich die daraus resultierenden Wellen des Fetts vom Epizentrum wegbewegen.

Der Bentley Bacalar gibt Extravaganz eine neue Bedeutung

Letztes Jahr präsentierte Bentley mit der Studie EXP 100 GT die Zukunftsvision der Marke. Das Design des Konzepts hat es nun in das Serienmodell Bacalar geschafft. Ganz im Gegenteil zum elektrischen Antriebskonzept: der fette 6-Liter-W12 werkelt im neuen Briten.

Text: Maximilian Barcelli

Stichwort „Serienmodell“: Ein solches ist der Bentley Bacalar ja nicht wirklich. Nur zwölf Fahrzeuge werden gebaut, ein jedes stimmt Mulliner auf die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Kunden ab. Wer zuletzt kommt, den bestraft das Leben: selbst wenn alle finanziellen Voraussetzungen erfüllt wären – und das dürften wohl echt einige sein: die zwölf Stück sind bereits vergeben.

Besonders schade, denn der Bacalar ist nicht nur einfach ein aufgehübschter Continental GTC. Aus einer Basis das Letzte rausholen: darin ist der VW-Konzern ja eigentlich Profi

Bentley stimmt nur bedingt in diesen Recycling-Reigen ein: zwar baut der Bacalar auf der Plattform des Continental GT auf, mit Ausnahme der Türgriffe ist aber jedes Karosserieteil am Fahrzeug komplett neu. Und die wurden auch nur übernommen, weil sie die Keyless-Entry-Funktion enthalten. Aber was schreibe ich hier bitte? Wen zum Teufel interessiert das Keyless-Entry-System?

Sechs Liter Brennraum, zwei Turbolader, zwölf Zylinder in W-Anordnung – darauf kommt’s an. Gut, der W12 ist ein altbekannter Freund, für den Bacalar kitzeln die Briten allerdings einige Zusatz-PS aus dem Triebwerk: Wurde der Leistungssack bei Bentayga, Flying Spur und Co. bei 635 PS zugemacht, so darf man sich beim Bacalar an 659 Pferdchen und einem Drehmomenthammer von 900 Nm erfreuen.

Das Scheinwerfer-Design ist bereits aus der Studie EXP 100 GT bekannt.

Am spektakulärsten aber ist wohl das Design: die Front orientiert sich insbesondere punkto Scheinwerfer an den EXP 100 GT. Die Motorhaube tritt mit den zwei gigantischen Lufteinlässen überaus athletisch auf. Nicht minder pompös gibt sich das aus Aluminium gefertigte Heck: die Leuchten dort sind extrem schmal, die Flanken extrem breit und die beiden Höcker verleihen dem Bacalar das gewisse Etwas. Also: das gewisse etwas Brutalität.

Noch extravaganter (ja, NOCH extravaganter) geht’s im Innenraum zu: dort nehmen – anders als im Continental GTC – maximal zwei Personen Platz: anstelle der hinteren Sitzbank gibt es einen halbgeschlossenen Gepäckraum, in dem selbstverständlich eigens von Schedoni für den Bacalar entworfene Taschen residieren. Achtung: nur optional!

Neben einigen Elementen in Alcantara trifft man im Innenraum immer wieder ein neu entworfenes Rändelmuster an. Schon aus anderen Fahrzeugen von Bentley bekannt: das Touchdisplay, das sich in der Mittelkonsole verstecken kann, was dem Ganzen eine herrlich analoge Note verleiht. Wie extravagant der Bentley Bacalar aber tatsächlich ist, zeigen zwei Zahlen: 5.000 und 148.199.

Obacht: die Taschen hinter den Sitzen sind nicht im Preis inkludiert.

Die erste zeugt von den Jahren, in denen das Holz, das bei der Armaturentafel zum Einsatz kommt, in Mooren, Seen und Flüssen in den Marschlanden von East Anglia in England konserviert war. Freilich sind sämtliche Bäume natürlich umgestürzt, wurden also nicht gefällt. Und 148.199? So viele Einzelstiche waren für die Bestickung an den Sitzen notwendig.

Bleibt letztendlich nur noch zu hoffen, dass der Gros der zwölf Kunden in Kalifornien und nicht in Großbritannien lebt: ein Verdeck gibt’s nämlich auch für alles Geld der Welt nicht. Einen beträchtlichen Teil von diesem dürften die Kunden sogar besitzen: zwar bewahrt Bentley über den Preis stillschweigen, frühere Berichte gingen aber von einem Kaufpreis von 1,8 Millionen Euro aus.

Bentley enthüllt Ultra-Luxusschlitten in Genf

So tief Automessen derzeit in der Krise stecken, so sicher kann man sich sein, dass jedes Jahr zumindest in Genf ein paar Kracher präsentiert werden. Bentley hat jetzt den Namen für ein komplett neues Modell angekündigt.

Text: Jakob Stantejsky

Bentley Mulliner Bacalar wird das Schmuckstück heißen, dass im März auf dem Autosalon enthüllt werden soll. Mulliner heißt die hauseigene Spezialabteilung für Sonderanfertigungen – bei Bentley bedeutet das in der Regel Luxus und Prunk pur. Da der Bacalar als erstes komplett von Mulliner entwickeltes Auto angepriesen wird, erwarten wir uns ein echtes Luxusfeuerwerk, das die Briten da entfesseln werden.

Dankenswerterweise wird es diesmal aber kein SUV, sondern ein äußerst extravaganter Grand Tourer. Designtechnisch soll der Bacalar auf dem EXP 100 GT Concept basieren, das ursprünglich Bentleys Vision eines GTs im Jahre 2035 demonstrieren sollte. Die Studie wurde zwar mit Elektroantrieb vorgestellt, aber im Bacalar ist doch eher ein klassischer Verbrennungsmotor zu erwarten – Bentley-typisch sicher nicht allzu kleinvolumig. Wir sind gespannt, wieviel von dem avantgardistischen Design in der Studie überbleibt. Die inneren Werte des Bacalar dürften jedenfalls über alle Zweifel erhaben sein.

Ein Continental GT für Schnee und Eis

Nachdem die Fans 45 lange Jahre warten mussten, kehrte der Ice Race Motorsport letztes Jahr endlich nach Zell am See zurück. Dieses Wochenende steigt das GP Ice Race wieder in Salzburg und Bentley hat eigens dafür einen ganz besonderen Continental GT gebaut.

Text: Jakob Stantejsky

Am 1. und 2. Februar werden sich zahlreiche Recken in vielen höchst unterschiedlichen Boliden die Ehre geben und über Schnee und Eis jagen. Darunter wird mit Junioren-Rallyeweltmeisterin Catie Munnings auch die erste weibliche Rennfahrerin für Bentley Motorsport in der modernen Zeitrechnung sein. Platz nehmen darf sie in einem Continental GT-Unikat, dass voll und ganz auf diesen Einsatz ausgelegt wurde.

So wurde der britische Luxussportwagen höhergelegt, die Radhäuser zugunsten der fetten Pirelli Scorpion-Reifen vergrößert und Akrapovic hat dem Gefährt eine neue Abgasanlage verpasst. Hinzu kommen noch neue Scheinwerfer sowie ein Überrollkäfig im Heck, damit im Fall des Falles höchste Sicherheit gewährleistet werden kann. Die edlen Fauteuils im Innenraum wurden natürlich durch reinrassige Rennsitze ausgetauscht.

Mit dem Biest durch das Winterwunderland zu rasen, verlangt dem Fahrer, beziehungsweise in diesem Fall der Fahrerin, unter Garantie das gesamte Arsenal an Fähigkeiten ab. Wir bleiben derweil gemütlich im Warmen hocken und hoffen auf ein spektakuläres Filmchen.

Der Bentley Flying Spur verdrängt den Mulsanne als Flaggschiff

Dass die Produktion des Bentley Mulsanne im Frühjahr 2020 ausläuft, hat seine guten Seiten. Das Sondermodell 6.75 Edition, zum Beispiel.

Text: Maximilian Barcelli

Hubraumstarke Achtzylinder sind in den letzten Jahrzehnten rar geworden – zumindest abseits der USA. Eine letzte Bastion stellt der V8 des Bentley Mulsanne dar: seine 6 ¾ Liter Brennraum sind so ikonisch, wie Brennräume eben ikonisch sein können. Wobei der erste Bentley mit diesem Motor, der S2 von 1959, noch über etwas weniger Hubraum verfügte.

Seit diesem Fahrzeug jedenfalls wird der Achtzylinder von den Briten produziert. Natürlich wurde das Triebwerk aber stetig weiterentwickelt und modernisiert – ansonsten würden den Mulsanne der Neuzeit auch nur weniger als 200 PS antreiben. So aber: Satte 513 beziehungsweise als Mulsanne Speed 537 PS. Letzterer dient als Basis für die Bentley Mulsanne 6.75 Edition.

Was noch viel imposanter ist: das Drehmoment von 1.100 Newtonmetern. Das doppelt zwangsbeatmete Triebwerk wuchtet die fast drei Tonnen schwere Luxuslimousine in 4,9 Sekunden von 0 auf Tempo 100. Doch was macht das Sondermodell jetzt eigentlich aus? Kurz gesagt: eh die Klassiker.

Lang gesagt: Aus den Registerzügen, mit denen die Belüftung gesteuert wird, sind Bedienelemente im Öltankdeckel-Design geworden. Außerdem ist auf den Ziffernblätter der drei Uhren an der Mittelkonsole – wobei die mittlere eine echte Uhr ist, während die anderen Tank- und Kühlflüssigkeitsstand anzeigen – eine vereinfachte Schnittzeichnung des Motors zu sehen. Natürlich wartet das Sondermodell auch mit allerlei „6.75 Edition“-Schriftzügen auf – etwa an den Sitzen, im Motorraum, mit LED-Begrüßungsleuchten und mit Plaketten unter den Einstiegsleisten und neben den vorderen Radkästen.

Apropos Motorraum: der Ansaugkrümmer ist nicht traditionell silber, sondern schwarz und anstelle der Unterschrift des für den Motor zuständigen Spezialisten ist die von Bentley-CEO Adrian Hallmark zu sehen. 30 Stück der Bentley Mulsanne 6.75 Edition werden produziert, Preise verrät die Nobelmarke keine. Zukünftig fungiert dann der Bentley Flying Spur als Flaggschiff, der in absehbarer Zukunft auch hybridisiert wird – genauso wie alle anderen Modelle des Herstellers.

Das britische Oberhaus

Bentley fragt in die illustre Runde, die anlässlich der Präsentation des neuen Flying Spur ins mondäne Monaco reiste, ob selbiger denn vielleicht das beste Auto der Welt sein könnte. Die Antwort: Wen interessiert das eigentlich?

Text: Gregor Josel

Man könnte hier nun beginnen, um den heißen Brei herumzu­reden, einen Versuch starten, sich auf die endlose Fadesse ­eines klassischen Fahrberichts herabzulassen und technische Daten zu vergleichen und darüber zu urteilen, ob beispielsweise die Leistung des neuen Bentley Flying Spur von 635 PS ausreicht oder gar über die Stränge schlägt oder ob sich die Beschleunigung in 3,8 Sekunden von null auf 100 km/h anders anfühlt in dieser prallen Luxuslimousine als in einem Sportwagen und ob es nun standesgemäß wäre, dass der Kühlergrill der neuen Bentley-­Limousine aus Kunststoff ­besteht oder ob er nun besser schaltet als der Vorgänger. Und natürlich dürfte man auch das übliche CO2- und Umwelt-Gestammel, auf das diverse Fach­gazetten ja derzeit besonders stolz sind, nicht auslassen, um erhobenen Fingers dann zu resümieren, dass Bentley wohl die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt hat, nachdem man sich dort im fernen Crewe, der Heimat von Bentley, im zukünftigen Ex-Europaland Großbritannien noch immer nicht zum allum­fassenden Wandel in Richtung Elektromobilität bekennt. Und um auch der letzten Bastion der Pseudoauskenner noch eine solide Basis zu bieten, dürfen natürlich auch das Thema Brexit und die potenziellen Auswirkungen auf die Marke Bentley und deren Produkte nicht fehlen. Am besten noch gespickt mit einem Experten-Interview, und schon ist er fertig, der gute Autotest. Der Ihnen, lieber Leser, die Entscheidung dann natürlich quasi abnimmt, ob Sie als Nächstes nach dem aktuellen Passat Variant mit Sechs-Gang-Schaltung nun doch ob dieser und jener Erkenntnis und den verschriftlichten Fahr­eindrücken der im Fürstentum Monaco versammelten Auto-­Journaille, also anhand all dieser Fachurteile als Nächstes doch lieber zum Flying Spur greifen als zum neuen Facelift des Volkskombis aus Wolfsburg.

Alles ziemlicher Mumpitz, wenn Sie mich fragen. All das kann man sich natürlich schenken, denn das Wunderbare am Reichsein ist, dass man in den meisten Fällen einfach gar nichts anderes kennt. Die Liga derer, die sich einen Bentley Flying Spur nach einem erfolgreichen KMU-­Leben zum Pensionsantritt gönnen, ist doch kleiner bestückt als jene, die in Überfluss und ohne Kenntnis des Kontostands von Kindesalter an auf den Ernst des Lebens vorbereitet wurde. Der wiederum dann darin besteht, zu entscheiden, ob man nach erlangtem Führerschein vielleicht ab und an auch gerne mal in der vorderen Reihe am Steuer sitzt, anstatt sich den Rücken im Fond mas­sieren zu lassen. Somit ist die Frage, ob der neue Bentley Flying Spur das beste Auto der Welt sei, grundlegend falsch, denn es ist schlicht und ergreifend egal. Bent­ley fährt man, weil man kann, und nicht, weil es die ­bessere oder gar vernünftigere Wahl ist.

Aber keine Frage, dieses Auto ist ein Kunstwerk auf Rädern. Eine Luxussuite mit vier Türen, in der es auf ausnahmslos jedem Sitzplatz Spaß macht, von A nach B zu kommen. Leistung? Ja, eh. Verbrauch? Ja, er verbraucht auch was. Wie schnell? Ziemlich, denn auch hier gilt: 333 km/h Spitze sind zwar sicher fein, brauchen tut man sie nicht ganz unbedingt um jeden Preis. Viel beeindruckender ist die Tat­sache, wie weit die Außenwelt plötzlich entfernt erscheint, sobald man die massiven Türen des neuen Flying Spur schließt. Abtauchen in eine andere Welt, ein klassisches Meisterwerk über die unfassbare Audioanlage genießen, in voller Lautstärke. Oder aber man gibt sich dem letztlich einzig wahren Luxus hin: der Stille, denn auf Knopfdruck dreht sich das gesamte Infotainmentsystem des Flying Spur in der Mittelkonsole um und zeigt wahlweise drei Rundinstrumente oder edles Tropenholz; Dann sperrt man Info und Tainment einfach mal für eine Zeit lang aus und genießt die unendliche Ruhe in diesem Auto.

Allradlenkung, W12-Zylinder-­Motor mit 635 PS und 900 Nm Drehmoment, Zylinderabschaltung, Acht-Gang-DSG, LED-­Matrix-Scheinwerfer, Head-up-Display, jaja, ist alles vorhanden, State of the Art und so. Muss halt heute dabei sein, macht auch Sinn, ist aber letztlich nicht der Grund, warum man Bentley fährt. Und der Grund, warum man nicht Bentley fährt, hat nur in unserer Einkommensklasse damit zu tun, dass der Einstiegs­preis für das britische Oberhaus bei rund 281.000 Euro liegt. Der Rest ist Frage des Geschmacks, und genau dafür hat Bentley seine Limousine für Selbstfahrer in eindrucks­voller Art und Weise neu gestaltet und an die Designsprache des Continental GT angepasst. Das ist jener Bentley, den man dann eh schon längst daheim hat.

Bentley Flying Spur Motor: 6,0 Liter W12, Twin Turbo Leistung: 635 PS Verbrauch: mal mehr, mal weniger Drehmoment: 900 Nm/1.350 U/min Beschleunigung: 0–100: 3,8 s Spitze: 333 km/h Gewicht: 2.437 kg Preis: ab 281.635,– Euro

Bentley Flying Spur: Luxus mit Nachdruck

Vorne links oder hinten rechts – normalerweise ist das in einer Luxuslimousine keine Frage. Denn egal wie stark der Motor auch sein mag, gebührt der Platz hinter dem Steuer einem Fahrer und der Besitzer lümmelt lieber im Fond. Doch wenn Bentley jetzt nach biblischen 14 Jahren auf Basis von Audi A8 und Porsche Panamera endlich den neuen Flying Spur vom Stapel lässt, ist die Versuchung für einen Positionswechsel größer denn je.

Von Thomas Geiger

Denn so verführerisch die Rückbank bei 3,20 Metern Radstand und entsprechend viel Kniefreiheit auch sein mag und so gut man sich mit dem exklusiven Infotainment samt selbst entwickelter Tablet-Computer und einer Fernbedienung wie ein Smartphone auch beschäftigen kann, lockt der Flying Spur mit Reizen, die eine S-Klasse allenfalls mit AMG-Doping parieren kann. Und der eigentliche Konkurrent Rolls-Royce ist da ohnehin längst abgemeldet.

Schließlich steckt unter der langen Haube wieder der sechs Liter große W12-Motor, der genau wie im Bentayga Speed auf 635 PS und 900 Nm kommt. Damit lässt er sich selbst von 2,5 Tonnen nicht beeindrucken, wuchtet den Luxusliner in 3,8 Sekunden auf Tempo 100 und schafft bei Vollgas 333 km/h. Dann sieht man nicht nur S-Klasse & Co im Rückspiegel, sondern lässt auch manch einen reinrassigen Sportwagen hinter sich. Und das ganz ohne wildes Gebrüll und Imponiergehabe. Wie von Geisterhand beschleunigt das Dickschiff, als würde ihm der Dampf nie ausgehen – flüsterleise und scheinbar mühelos wird er schnell und immer schneller, bis die Welt nur noch in Schlieren an den dick isolierten Fenstern vorbei wischt.

Anders als der Vorgänger ist der Flying Spur diesmal aber auch jenseits der Geraden schnell und vor allem handlich. Dafür bekommt er neben einer besonders reaktionsschnellen Dreikammer-Luftfederung für eine wahlweise extrem straffe oder betont lässige Anbindung und einem von 48-Volt-Stellern justierten Fahrwerk zum ersten Mal in der Bentley-Geschichte auch eine Allradlenkung. Währen der Zwölfzylinder das gewaltige Gewicht vergessen lässt, nimmt sie den 5,30 Metern den Schrecken und lässt den Luxusliner gefühlt auf das Format einer Mittelklasse-Limousine schrumpfen. So kommt man nicht nur ohne Schweiß und Schrammen durch enge Innenstädte und in verwinkelte Tiefgaragen. Sondern gleichzeitig gewinnen verschnörkelte Passstraßen und kurvige Küstenrouten plötzlich an Reiz.

Während das Fahrgefühl völlig neu ist, hat Bentley bei Auftritt und Ambiente die Tradition gewahrt: Auch der neue Flying Spur ist ein Prunkschiff, das Autos wie eine S-Klasse oder einen Siebener mit seinem riesigen Grill und den wie aus Kristall geschliffenen Scheinwerfern bieder und bescheiden aussehen lässt. Dazu gibt es innen in eine Mischung aus Tradition und Technologie, wie man sie so nur bei Bentley findet. Denn auf der einen Seite gibt es digitale Instrumente, Online-Infotainment, ein Head-Up-Display, Infrarot-Kameras und ein eigenes, mit dem Bordsystem vernetztes Tablet für die Hinterbänkler. Und auf der anderen Seite gibt es Lack und Leder satt, die vielleicht aufwändigsten Ziernähte überhaupt, ziselierte Metallrähmchen mit über 2.000 individuell errechneten Diamant-Mustern und erstmals sogar Konsolen mit 3D-Holz oder Naturstein. Kein Bauteil verdeutlicht dieses Wechselspiel besser als das „Rotating Display“, das sich wie eine riesige Toblerone auf Knopfdruck im Cockpit dreht: Mal zeigt es einen brillanten Touchscreen, mal analoge Uhren und mal nur eine schicke Holzvertäfelung.

Zumindest bis Mercedes im nächsten Jahr eine neue Generation der S-Klasse und mit ihr auch wieder einen Maybach bringt, fährt Bentley mit dem Flying Spur tatsächlich an der Spitze des Segments und zum Rolls-Royce Ghost fehlt, wenn überhaupt, dann nicht mehr viel. Allerdings haben sich die Briten dafür auch reichlich Zeit gelassen. Dass der Vorgänger beinahe 14 Jahre gelaufen ist, liegt jedoch nicht allein an den eher kleinen Stückzahlen und der zuletzt arg schwierigen Finanzlage der britischen VW-Tochter. Sondern es liegt auch an der Liebe zum Detail, über die sie in Crewe bisweilen ein wenig die Zeit vergessen. Das beste Beispiel dafür ist das „Flying B“, das von innen beleuchtet und elektrisch versenkbar nun als freundlicher Gruß an die Spirit of Ecstasy von Rolls-Royce über dem wuchtigen Kühler thront – allein daran haben sie bei Bentley zwei Jahre lang gezeichnet und entwickelt.