Millionendeal

FCA kauft sich mit Tesla die CO2-Bilanz sauber

Ab 2020 werden die CO2-Grenzwerte in der EU weiter verschärft, die durchschnittlichen Flottenemissionen dürfen dann ein Maximum von 95 g/km nicht mehr überschreiten, sonst drohen harte finanzielle Strafen. Für FCA ist das ein echtes Problem, schließlich haben die Italo-Amerikaner kaum Elektro- oder Hybridfahrzeuge im Programm. Doch scheinbar hat man nun eine eigenartige Lösung in Zusammenarbeit mit Tesla gefunden.

Text: Jakob Stantejsky

Gerüchten zufolge überweist FCA eine neunstellige Summe an Tesla Motors, damit in Zukunft alle in der EU verkauften Teslas rein CO2-technisch zur hauseigenen Flotte zählen. Was erstmal richtig bizzar und eher borderline illegal klingt, ist gar nicht so unüblich. Denn es steht Autofirmen durchaus offen, ihre Emissionen einander gegenzurechnen, sofern sie zu einer Übereinstimmung kommen. Im VW-Konzern ist diese Praxis schon länger Usus, hier drücken Seat, Skoda und VW die Ausstöße von Audi und Porsche dank dieser Praxis unter das zurzeit geltende Limit. Da diese Marken ja im Grunde allerdings alle eins sind, sind in diesem Fall keine Millionendeals nötig – man hilft sich ja gern innerhalb der Familie. Weil aber Tesla und FCA genau gar nix miteinander zu tun haben, wollen die Elektroexperten sich die Vereinbarung natürlich ordentlich etwas kosten lassen.

Genaue Details zum FCA-Tesla-Deal gibt es noch keine, ebensowenig offizielle Statements der Hersteller. Aber was feststeht: 2018 lag die Flottenemission dank diverser Schluckspechte von Alfa Romeo, Jeep und Maserati bei FCA bei 123 g CO2/km. Für jedes Gramm Überschuss werden 95 Euro pro verkauftem Auto in den vergangenen zwölf Monaten an Strafe berechnet. Bei knapp über 1.000.000 verkauften Autos in der EU im Jahr 2018 würde der derzeitige Flottenausstoß an CO2 daher eine Strafe von deutlich über zweieinhalb Milliarden Euro nach sich ziehen – und zwar jedes Jahr! Da wären ein paar hundert Millionen für Tesla tatsächlich ein Schnäppchen im Vergleich.

Für FCA macht eine Vereinbarung wie diese natürlich allen Sinn der Welt, solange man noch nicht genug alternative Antriebe im Portfolio hat – was der Konzern ja durchaus im großen Stil verpennt hat. Fraglich ist allerdings, wie Tesla solch eine Abmachung öffentlich rechtfertigen will. Finanziell wäre das Ganze natürlich pipifein für die Amerikaner, doch eigentlich unterstützt man damit die Umweltverschmutzung im großen Stil – und eine derartige Heuchelei käme für Tesla einem PR-technischen Schuss in den eigenen Kopf gleich. Fix ist eh noch nix, aber dass es sich um mehr als nur haltlose Gerüchte handelt, zeigen die umfassende internationale Berichterstattung relativ deutlich. Doch warten wir erst noch ab, was die betroffenen Hersteller selbst dazu zu sagen haben.