Polar-Prototyp

Der neue Mercedes GLC

Es ist Eiszeit in Arjeplog, die meiste Zeit ist es dunkel, und an manchen Tagen ist es so kalt, dass Peter Kolb die Handschuhe auf den ersten Kilometern nicht einmal zum Fahren auszieht. Doch wenn der Blick des Leiters Gesamtfahrzeugversuch für die mittleren Mercedes-Modelle auf den GLC fällt, dann hellt sich seine Mine sichtlich auf – und zwar nicht nur wegen der künftig serienmäßigen LED-Scheinwerfer, die sich hier oben am Polarkreis noch unter einer leichten Tarnung verbergen. Sondern vor allem, weil der GLC mit Abstand der erfolgreichste Geländewagen im Portfolio der Schwaben ist. Entsprechend gründlich haben sie den Bestseller jetzt überarbeitet – selbst wenn man es ihm von außen kaum ansieht.

Von Thomas Geiger

Wenn der GLC zur Weltpremiere Anfang März auf dem Genfer Salon auch noch die letzte Tarnung fallen lässt, sieht er deshalb zwar noch fast genauso aus wie früher und neben den Scheinwerfern machen nur die Schürzen, die Rückleuchten und das jetzt serienmäßige Chrompaket einen Unterschied. Doch unter dem Blech ist alles neu. „Wir haben das gesamte Motorenportfolio ausgetauscht“, sagt Kolb und hat sich dafür großzügig bei der C-Klasse bedient.

Bei den Dieseln setzen sie deshalb nun neben einem Einstiegs-Motor mit 1,6 Litern Hubraum und 163 PS auf den viel gelobten OM654, den es mit 195 und 245 PS geben wird und dem sie eine Effizienzsteigerung von guten zehn Prozent zuschreiben. Und bei den Benzinern kommt vor allem der neue 2,0-Liter-Vierzylinder zum Einsatz, der mit einem 48-Volt-System und einem Starter-Generator kombiniert ist. Ihn gibt es mit 197 oder 258 PS und jeweils bis zu 14 PS Boost aus dem Elektromotor. Der schiebt nicht nur beim Anfahren an, sondern er verlängert auch die Start-Stopp-Phasen, ermöglicht kilometerlange Segeletappen und kann deutlich mehr Bremsenergie rekuperieren, so dass sich Mercedes eine Verbrauchsverbesserung von rund 15 Prozent erhofft.

Wenn Kolb zwischendurch mal den Platz hinter dem Lenkrad seines GLC 300 frei macht, erlebt man den Geländewagen als soliden Dauerläufer, der sanft und souverän ausschreitet und durch die elektrische Anfahrhilfe flott vom Fleck kommt. Und wenn man es mal etwas schnelle rangehen lässt, versteht man auch, dass sie jetzt das adaptive Stahlfederfahrwerk aus dem GLC Coupé ebenfalls im normalen GLC anbieten. Denn ein bisschen Sport steht dem SUV nicht schlecht. Wäre da nicht der magere Klang, würde man einen Sechszylinder deshalb kaum vermissen.

Muss man aber auch nicht. Zumindest nicht lange. Denn für die Dieselfraktion reicht Mercedes einen GLC 400d mit dem 333 PS starken Reihensechser aus dem CLS nach. Und um die Otto-Freunde kümmert sich AMG mit einem neuen GLC 43, dem natürlich auch wieder ein GLC 63 folgen wird. Und auch an die Umweltbewegten haben die Produktplaner gedacht. Wem der Schritt zum voll elektrischen EQC zu groß ist, der kann sich zum Jahreswechsel in einem Plug-In-Hybriden mit rund 50 Kilometern elektrischer Reichweite mit der neuen Zeit anfreunden. Den wird es erst als Benziner und im nächsten Jahr dann auch als Diesel geben, stellt Kolb in Aussicht.

Zwar kennt man die meisten Neuheiten für den GLC schon von der Modellpflege der C-Klasse im letzten Herbst. Doch nur mit Premieren-Recycling muss sich das SUV nicht begnügen, sondern zumindest im Innenraum geht der GLC seinen eigenen Weg und bekommt als erstes Modell der Baureihe das neue Infotainmentsystem MB UX. Das hat neben dem Touchscreen auch die natürliche Sprachsteuerung, wie man sie aus der A-Klasse kennt. Für die ist Versuchsleiter Kolb hier oben am frostigen Polarkreis ganz besonders dankbar. Denn so kann er die Navigation oder die Heizung bedienen, ohne dass er erst die Handschuhe ausziehen muss.