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Seat Leon ST TGI: Dauertesttagebuch #4

Unser Seat Leon mit CNG-Antrieb ist nun schon weitgereist. Vom Urlaub in Polen bis zur Frankfurter Buchmesse war so manche coole Tour dabei. Doch wie schlägt sich der Dauertester im städtischen Alltag?

Wie man es sich von einem klassischen Kompakt-Kombi erwarten darf, wird der Seat Leon ST TGI mit allen platztechnischen Herausforderungen spielend fertig. Ob wir nun den Fotografen für ein Shooting im Kofferraum sitzen haben oder die Freundin uns wieder zum IKEA geschleift hat – bisher hat noch alles gemütlich sein Plätzchen gefunden. Das Schöne am Leon ist, dass er größenmäßig trotzdem nicht ausufert und deshalb auch immer noch ein Parkplatz zu finden war. Das wird eine Klasse drüber schon öfter mal schwierig, vor allem wenn man spät nach Hause kommt. So weit, so stadttauglich also.

Apropos Platz finden: Ein Örtchen zum Tanken findet sich bei 15 CNG-Tankstellen in Wien immer, schon nach wenigen Wochen kannten wir die Liste quasi auswendig. Klar, Benzin kann man in der Stadt wahrscheinlich an hunderten Tankstellen zu sich nehmen, aber wer braucht das schon? Vor allem, wenn drei Viertel davon hoffnungslos überteuert sind? Der CNG-Preis liegt immer konstant bei knapp über einem Euro pro Kilogramm, eine Tankfüllung ist mit nicht mal 20 Euro bezahlt. Und damit ist man dann eine ganze Weile in Wien unterwegs, da erscheint sogar eine Öffi-Fahrkarte plötzlich recht kostspielig. Und egal wohin es einen gerade verschlägt, bis zur nächsten passenden Tränke ist es nie weit.

Besonders lieben gelernt haben wir gerade in den letzten Tagen auch die Sitzheizung, die in Windeseile den Allerwertesten zum Glühen bringt. Die vermummten, sich gegen den Wind stemmenden Gestalten am Gehsteig tun einem da nur mehr leid. Auch angelaufene Scheiben sind mit der rasant arbeitenden Lüftung und den Heizdrähten hinten in nullkommanix Geschichte, das haben wir bei anderen Fahrzeugen auch schon um ein Vielfaches langsamer erlebt.

Doch wir sind nicht nur wohlig und mit grünem Gewissen unterwegs, sondern erfreuen uns auch am knackigen Design des Leon. Denn nette Extras wie die schwarzen Felgen geben dem altbekannten (und allseits beliebten) Kompaktwagen nochmal einen coolen Twist. In den Seat Leon ST TGI steigt die ganze Redaktion gerne ein. Zur Not auch alle zugleich, Platz genug gibt es ja.

Alles in allem besteht unser Dauertester nicht nur punktuelle Härtetests mit Bravour, sondern hat uns auch im Alltag noch nie enttäuscht. 130 PS sorgen immer für forschen Vortrieb und der Platz auf dem Raum ist halt vor allem in der Stadt ein unschlagbares Argument. Dank des Leon ST TGI müssen wir auch nicht mehr allzu heftig weinen, wenn die Chefitäten uns mal wieder all die Lambos und Rolls‘ entreißen, die wir ja ach so häufig in der Redaktion begrüßen dürfen. Denn auf unseren Seat verlassen wir uns mittlerweile nicht nur, sondern haben ihn auch echt liebgewonnen.

Seat Leon ST TGI: Dauertesttagebucheintrag #3

Unser Dauertester musste schon eine ganze Menge mitmachen. Satte 15.000 Kilometer hat der Seat Leon ST TGI nach nur wenigen Monaten schon auf seinem Konto. In der dritten Ausgabe unseres Dauertesttagebuchs geht es wieder auf große Reise, wobei es diesmal unerwartet spannend wird.

Text: Jakob Stantejsky

Das Ziel liegt in Frankfurt am Main, direkt gegenüber vom riesigen Messegelände. Dort steht nämlich jenes Hotel, das meine Holde und ich uns für das Wochenende der Frankfurter Buchmesse ausgesucht haben. 746 Kilometer Fahrt stehen also auf dem Programm – mal zwei und innerhalb von drei Tagen. Da kann einem ein Auto schon mal auf die Nerven gehen, sowohl psychisch als auch körperlich. Wird unser Erdgas-Leon sich als verlässlicher Ruhepol auszeichnen oder doch zu Verspannungen führen?

Die ursprünglich erdachte Route mit zwei Tankstopps in Wels und Schlüsselfeld.

Beim ersten Tankstopp sieht es eher nach zweiterer Möglichkeit aus. Denn der fällt aus. Die große Tankstelle in Wels an der Autobahn, die laut Google am Vorabend noch von 0 bis 24 Uhr geöffnet hatte, ist nämlich zu. Eingezäunt und alles. Blöd, wenn sich dann der errechnete zweite Erdgas-Zapfstopp nicht mehr erreichen lässt. Oder etwa doch? Nach kurzer Recherche per Handy am nächsten Rastplatz beschließe ich, unseren Zwischenstopp in Schlüsselfeld nahe Nürnberg dennoch ins Auge zu fassen. Zur Not kann ich ja zumindest den Benzintank jederzeit wieder anfüllen. 350 Kilometer sollten nämlich mit halbleerem Erdgastank keinesfalls drin sein, oder?

Die Erdgas-Zapfhähne sehen oft unterschiedlich aus. Auch in traditioneller Form gibt es sie.

Schlussendlich waren sie es auch nicht. Aber es war wirklich knapp, viel knapper als ich es mir erträumt hätte. Gut, ich bin auf der deutschen Autobahn dann bewusst nur 130 bis 140 gefahren, aber mit ganz viel Gewalt hätte ich es auch drauf ankommen lassen können. Denn rund 40 Kilometer vor Schlüsselfeld gieße ich Benzin nach, obwohl noch 35 Kilometer Restreichweite drin sind. Mit noch entspannterer Fahrweise hätte ich es also sicher geschafft. Der anfängliche Ärger ist also bewältigt. Vor allem dank unseres Dauertesters, der sich bei dieser Fahrt als echter Sparmeister erwiesen hat. Insgesamt habe ich für die ganzen knapp 1.500 Kilometer nicht ganz 100 Euro gelöhnt. 50 Euro pro Person für Hin- und Rückfahrt inklusive vollem Komfort also. Da kann der Flixbus schei- … ach, lassen wir das.

Angst vor dem Erdgas-Zapfhahn muss niemand haben. Es findet sich immer eine ausführliche Anleitung.

Wohlbehalten in Frankfurt angekommen kann also in aller Ruhe die Buchmesse genossen werden, für die ich an dieser Stelle eine Empfehlung ausspreche – auch wenn es thematisch nicht passen mag. Für Bücherwürmer gibt es wohl kein cooleres Event in unseren Breitengraden.

Die Rückfahrt verläuft dank der neu erlangten Kenntnis der Route und dem LKW-befreiten Sonntagsverkehr mit Höchstgeschwindigkeit. Auch bei knapp 200 km/h über mehrere Stunden hinweg lebt es sich im Leon ST TGI äußerst bequem. Selten war eine Langstreckenreise so erholsam.

Um die eingangs gestellte Frage zu beantworten: Der Seat Leon ST TGI hat weder an unseren Nerven gesägt noch die edlen Luxuskörper geschmerzt. Unser Dauertester zeichnet sich weiterhin nicht nur durch Laufruhe in jedem Sinne aus, sondern auch das Gestühl lädt zum Verweilen ein. Dass es nicht immer Lack und Leder sein muss, um ein gemütliches Interieur zu schaffen, demonstriert Seat hier ganz eindeutig.

Auf der Buchmesse trifft man auf allerlei Gestalten.

Wo es den fleißigen Leon das nächste Mal hinverschlägt, steht noch nicht fest. Aber wir sind uns schon jetzt sicher, dass die Fahrt wieder eine relaxte Geschichte wird. Hoffentlich haben wir mal eine Panne, damit es hier ein bisschen mehr zur Sache geht. Andererseits … nein, danke. So cool und locker wie bisher haben wir es doch am liebsten.

Seat Leon ST TGI: Dauertesttagebucheintrag #2

Nachdem euch Kollege Barcelli letzten Monat auf seinen Polen-Urlaub mitgenommen hat, geht es in der zweiten Edition unseres Dauertesttagebuchs nach Oberfranken, wo mein Schwiegervater in spe seinen Fünfziger gefeiert hat. Eine gute Gelegenheit, die High Speed-Kompetenzen unseres Seat Leon ST TGI zu testen.

Text: Jakob Stantejsky / Fotos: sein Handy (sorry)

Denn schließlich liegen zwischen der österreichisch-deutschen Grenze und der Kleinstadt Hof, wo die Familie der meinigen Holden zu residieren pflegt, über 300 Kilometer feinste deutsche Autobahn. Da lässt es sich auf legalste Weise überprüfen, wie gut so ein CNG-Auto für rasante Fahrten geeignet ist. Aber vor dem Vergnügen kommt immer erst die Arbeit. Die besteht bei einer Fernfahrt mit einem alternativen Antrieb wie CNG oder Strom stets darin, sich über die jeweilig passenden Tankstellen auf der Route zu informieren. Während mein Kollege ob des äußerst dürftigen CNG-Netzes in Polen letzte Woche noch bangen und bibbern musste, ob er überhaupt ein gutes Gas zu tanken kriegt, schaut die Angelegenheit auf meiner Fahrt deutlich entspannter aus.

So stau- und baustellenfrei geht es leider nur selten zu. (© Google Maps)

Denn mit rund 150 Erdgas-Restkilometern im Tank komme ich locker bis nach Melk, wo ich über den ÖAMTC-Routenplaner direkt an der Autobahnabfahrt eine schöne große 24 Stunden-OMV-Filiale samt zweier Erdgassäulen finde. Von dort sind es exakt 339 Kilometer bis ins beschauliche Burglengenfeld nahe Regensburg, wo ein paar Minuten abseits der A93 ebenfalls eine pausenlos geöffnete Tankstelle des österreichischen Konzerns steht. Von dort sind es dann noch 155 Kilometer bis nach Hof, sprich: 310 Kilometer liegen zwischen dem letzten Tankstopp auf der Hinfahrt und dem ersten auf der Retourtour. Dank des 17,3 Kilogramm fassenden CNG-Tanks sollte es sich also locker ausgehen, die 1.200 Kilometer mit vier Tankstopps zu bewältigen – der letzte eben wieder in Melk. Laut Seat schafft er nämlich rund 480 Kilometer, bevor er auf die rund 100 Benzin-Kilometer aus dem Zusatztank zurückgreifen muss. Allerdings fahren wir permanent nur Autobahn, teilweise sogar deutsche, und wollen möglichst flott unterwegs sein. Geht es sich trotzdem mit den geplanten Nachfüllungen aus, ohne am Benzintank zu knabbern?

Zuerst geht es einmal ab nach Melk, hier wird es treibstofftechnisch noch nicht spannend, es ist noch genügend Reserve da. Nach kurzem Studium der Tankanleitung an der Säule (denn oft unterscheiden sich die Systeme in einigen Details doch) wird gezapft und nach rund fünfminütigem Gezische und -quietsche sind wir wieder randvoll. 380 Kilometer Reichweite sagt der Bordcomputer, der sich mittlerweile an das Autobahntempo gewöhnt hat, an. Sollte sich also schön ausgehen.

Die Fahrt bis zur Grenze verläuft abgesehen von ein, zwei Baustellen völlig ereignislos. Dass der 130 PS-Motor unter der Haube gerade mit Erdgas arbeitet, merkt man überhaupt nicht. Das Ansprechverhalten gleicht dem eines Benziners, selbiges gilt für Laufkultur et cetera. Ich bin also genau so unterwegs, wie ich es von einem mittelstarken Ottomotor erwarten würde, nur halt viel sparsamer – was Finanzen und Schadstoffe angeht. Und das fühlt sich gerade heutzutage ziemlich gut an. Ja, die ganz große Spaßkanone für Kurvenräuberei ist das Aggregat vielleicht nicht, aber für die Langstrecke oder andere alltägliche Fahrten ist der Antrieb perfekt geeignet.

Aber der Dynamiktest folgt ja nun eh auf dem Fuße. Denn ab der Grenze gibt es standardmäßig kein Tempolimit mehr und da teste ich den CNG-Leon natürlich ausgiebig. Gleich als erstes fällt positiv auf, dass ich den Abstandstempomaten bis auf 210 km/h einstellen kann. Oft drehen Hersteller den Hahn hier bei 160 oder 170 Stundenkilometern zu und man muss erst wieder den Gasfuß bemühen. Ich und der Leon hingegen düsen ganz entspannt mit rund 200 Richtung Norden. Schert ein Verkehrsteilnehmer vor uns aus, bremst der Assistent zwar recht scharf, aber verlässlich ab. Das hohe Tempo stört weder akustisch noch komforttechnisch, denn unser Dauertester gibt sich auch in dieser Hinsicht perfekt abgestimmt. Meine Raserei fordert jedoch ihren Tribut und ganz kurz vor Burglengenfeld genehmigt sich der Leon einen Schluck aus dem Benzintank. Die Benzin-Anzeige steht bei der Ankunft an der Tankstelle zwar noch auf voll, doch nur mit dem Erdgastank hätten wir es nicht ganz geschafft. Macht aber nix, genau dafür haben wir ja neun Liter Super mit dabei. Nach einer raschen Tränkung geht es wieder ab auf die Autobahn zur letzten Etappe.

Auch die wird cool und easy zurückgelegt, bis wir endlich in Hof aufschlagen und einem Wochenende voller Jubiläumsfeier nichts mehr im Wege steht. Aus dem Auto ausgestiegen plagen uns keinerlei Wehwehchen oder ähnliches, man sitzt im Leon wirklich bequem und auch das angenehme Interieur samt verlässlichem Infotainment trägt sein Übriges dazu bei. Platz gibt es sowieso im Überfluss, vor allem wenn man nur zu zweit unterwegs ist, so wie die bessere Hälfte und meine Wenigkeit. Als ST bietet unser Leon natürlich auch einen monströsen Kofferraum, auch an dieser Front steht also kein Wölkchen am Himmel.

Auch bei der Rückfahrt Richtung Burglengenfelder Tankstelle nippt der Spanier einmal kurz am Benzin, bevor es wieder an den Futtertrog geht. Der Rest der Heimfahrt verläuft flott, problemlos und mit grünem Gewissen. Denn nicht nur bin ich mir meiner, im Vergleich zu herkömmlichen Verbrennern, Umweltfreundlichkeit bestens bewusst, sondern auch das Börserl dankt. Die ganze Aktion schlägt nämlich nur mit rund 65 Euro zu Buche, was für 1.200 Kilometer Fahrt ein echter Witz ist. Benzin habe ich keines nachgefüllt, da auch in Wien die Nadel noch auf voll steht, auch wenn die Leitungen zweimal kurz bemüht worden sind.

Meine erste große Ausfahrt mit unserem Seat Leon ST TGI-Dauertester war jedenfalls ein voller Erfolg. Stressfrei, zügig und umweltfreundlich waren wir unterwegs. Abgesehen von zehn Minuten Recherche zuvor war die Tour eine Fahrt wie jede andere mit einem Otto oder Selbstzünder, echte Nachteile suche ich bisher vergebens. Aber vielleicht finden wir die ja noch im Laufe der kommenden zehn Monate. Denn eines ist sicher: Nach unserem Dauertest wissen wir alles über dieses Auto. Und ihr natürlich auch.

Seat Leon ST TGI: Dauertesttagebucheintrag #1

Erste Reise im neuen Dauertest-Leon TGI. Es geht nach Polen. Die Befürchtungen eines Autodiebstahles halten sich in Grenzen, man ist ja heutzutage weltoffen und hat keine Vorurteile. Gänzlich angstbefreit geht’s trotzdem nicht in den Urlaub. Das hat aber andere Gründe.

Text: Maximilian Barcelli

Denn Polen ist ein großes Land, fast viermal so groß wie Österreich. Zwar verfügt der Staat über ein Gastankstellennetz, das dem der konventionellen Kraftstoffe in nichts nachsteht, leider handelt es sich dabei um das falsche Gas. Flüssiggas, kurz LPG (das Gas, das ungern in Garagen gesehen wird …), ist der Hit dort. CNG hingegen … nun ja. Das Erdgas-Tankstellennetz ist in Polen etwa so gut ausgebaut wie der öffentliche Verkehr in der nordsibirischen 300 Seelen-Fischersiedlung Ust-Port. Gut, nach Krakau sind es eh nur 464 Kilometer, was bei einem Tankvolumen von 17,3 Kilogramm und einem offiziellen Verbrauch von 3,6 Kilogramm CNG pro 100 Kilometer sogar ohne Tankstopp möglich sein sollte. Müsste es aber gar nicht, die Route führt nämlich durch das gelobte Erdgas-Land Tschechien. Von Wien nach, sagen wir einmal, so ganz zufällig ausgewählt; Sopot sind es hingegen schon satte 911 Kilometer (ja, der Link führt zu einem 911er-Testbericht). Witzigerweise ging es nach Sopot. Unteranderem zumindest.

Der Ort an der Ostsee, der ein bisserl so das Lignano von Polen ist, nur mit weniger besoffenen Österreichern und mehr besoffenen Polen, bildet zusammen mit Danzig und Gdynia den Ballungsraum „Dreistadt“. Passend dazu existieren auch exakt drei CNG-Tankstellen dort oben. Nicht besonders viel, aber genug, um sich in Sicherheit zu wähnen. Das größere Problem war eigentlich: Wie überhaupt nach Sopot kommen?

Zwar tankst du CNG schneller und somit komfortabler als Strom, trotzdem haben die beiden alternativen Antriebe etwas gemein – und zwar die notwendige Recherche vor der Fahrt. Die war ernüchternd. Nur 25 öffentliche und geöffnete Tankstellen zählt das polnische CNG-Netz aktuell laut CNG-stations.net. Zum Vergleich: Österreich wartet mit mehr als 170 auf. Auf mehr oder weniger direktem Weg nach Sopot mit Zwischenstopp in Łódź gibt es genau drei CNG-Tankstellen. Eine westlich von Katowice, eine in Toruń, eine in Hohensalza. Die in Katowice offeriert Erdgas nur von Montag bis Freitag. Wir fuhren am Samstag.

Die erste Etappe: Wien- Łódź. (c)Google 

Bedeutete: Das letzte Mal Erdgas tanken in Tschechien, so nah an der polnischen Grenze wie nur möglich. Dann nach Łódź, dort nächtigen, bevor es dann etwas brenzlig werden könnte. Die zwei CNG-Tankstellen liegen zirka auf der geplanten Direttissima von Łódź nach Sopot. Eine davon hat nur Montag bis Samstag geöffnet. Wir fuhren natürlich am Sonntag. Die war aber sowieso nicht die optimale, weil Hohensalza rund 60 Kilometer von der Autobahn entfernt liegt. Toruń also. Geburtsstadt von Nikolaus Kopernikus, dem Typ mit dem heliozentrischen Weltbild. Soll schön sein, sich also bestens für eine längere Kaffeepause eignen. Why not? Distanz zwischen der Tankstelle in Tschechien und Toruń: 450 Kilometer. Hart am Limit. Und von Toruń nach Sopot sind’s ja dann auch noch 200 Kilometer. 

Mit dem erlernten Wissen und der Angst, für läppische 200 Kilometer dreimal Benzin tanken zu müssen, weil die Station in Toruń geschlossen sein könnte und der Seat Leon ST TGI nur über einen Benzin-Nottank von neun Litern verfügt, ging’s dann los. Wieso sie nicht offen haben sollte? Nun, die Google-Bewertungen waren kryptisch. Die Realität noch kryptischer. Aber der Reihe nach.

Neun Tage, vier Personen – da kommt schon einiges an Gepäck zusammen. Zwar offeriert der TGI 105 Liter weniger Kofferraumvolumen als ein Leon ST mit konventionellem Antrieb, der erste Praxistest aber zeigt: Auch die 482 Liter des TGI sind absolut ausreichend für vier Passagiere – selbst wenn es mehr als eine Woche in den Urlaub geht und die Wetterprognosen von kurze Hose bis Winterjacke reichen. Der Gepäckraum war gut befüllt, viel hätte nicht mehr reingepasst, auf den Mittelplatz der Rückbank oder dergleichen musste aber nicht ausgewichen werden.

Ist sich alles sauber ausgegangen. Einen vierten Koffer gab’s auch noch, der fehlt auf diesem Bild aber.

Die ersten Kilometer zur österreichisch-tschechischen Grenze baten wenige Überraschungen seitens des Seat: Dass sich ein Erdgas-Auto so selbstverständlich fährt, wie ein Benziner, wissen wir schon aus diversen Tests. Und auch punkto offiziellen Verbrauchsangaben hält es so ein CNG betriebenes Auto ähnlich wie ein Benziner oder Diesel – nämlich äußerst unrealistisch. Die Reichweitenanzeige sank unverhältnismäßig stark, der Blutdruck tat gegenteiliges. Egal, die Sorgen lassen sich auch auf morgen verschieben. Nach Łódź, wo Nachtpause angesagt war, schafft man’s alle mal. Das ergab ja die Vorrecherche.

Vielleicht hat mich dieses Sicherheitsgefühl gepaart mit dem Wunsch, die erste Etappe möglichst schnell hinter mich zu bringen, auch dazu verleitet, nicht besonders ökonomisch zu fahren. Anstatt auf der Autobahn im Verkehr mit zu schwimmen wurde überholt, abgebremst, beschleunigt, wieder überholt, und so weiter. Wäre ja bis zur ersten Tankstation egal gewesen, aber dann halt nimmer. Auf der Autobahn jedenfalls gibt der Seat Leon ST TGI eine bessere Figur ab, als die 130 PS und zehn Sekunden von 0 auf 100 km/h vermuten hätten lassen. Auch bei höherem Tempo zieht er sauber an, klingt dann zwar ein bisserl angestrengt, aber überzeugt im Großen und Ganzen.

Kilometer über Kilometer flogen wir von der tschechischen Grenze gen Polen. Anfangs ein kleines Landstraßen-Intermezzo, dann weiter via Autobahn an Brünn vorbei. Das Navigationssystem dirigierte uns zu einer tschechischen Tankstelle nahe Ostrau. Dort dann, nach mehr als 300 Kilometern: Futter. Für Mensch und Maschine. Wobei das Futter für den Mensch fast teurer war. Dafür aber auch unkomplizierter. Einverstanden, Erdgas tanken ist keine Hexerei. Wenn man mit dem Vorgang aber noch nicht ganz auf Du und Du ist, kann es sein, dass man sich die ersten Male ein bisserl spielen muss – wie bei so vielen anderen ersten Malen auch. Insbesondere wenn der Ablauf an der Säule nur in bestem Tschechisch beschrieben wird. Erdgas tanken ist übrigens auch sicherer als Benzin oder Diesel tanken, weil das Gas erst dann abgegeben wird, wenn Zapfkupplung und Stutzen fix miteinander verankert und verriegelt sind.

Futter für Mensch und Maschine. Hier: Für Maschine.

Der Tankvorgang selbst dauert nur unwesentlich länger als sonst, vielleicht sind’s bei völlig leerem Tank rund zwei Minuten. Meiner war (auch, weil er vor der Abfahrt nicht ganz voll war) fast leer. 15,57 Kilogramm feinstes komprimiertes Erdgas verspeiste unser Dauertester – die Preisanzeige pendelte sich bei 428,18 ein. Schock. Dann Erkenntnis. Die Tschechen und ihre Kronen. In Euro machte die erste Betankung nicht einmal 17 Euro aus. Mehr als 350 Kilometer gefahren, keinen davon ökonomisch bedacht, und das für keine 17 Euro?!

Der vergleichbare Benziner-Leon verbraucht offiziell(!) 5,5 bis 6,1 Liter pro 100 Kilometer. Wir gehen jetzt vom größeren Wert aus, weil auch nur der mit federleichtem Gasfuß erreichbar ist, wenn überhaupt. Also: 6,1 Liter pro 100 Kilometer, heißt für 350 Kilometer ein Verbrauch von über 21 Litern Super. Das multiplizieren wir nun mit dem (österreichischen) Durchschnittspreis für einen Liter Super im August und erhalten zirka 26 Euro und 60 Cent. Na bumm! Innerhalb der ersten Etappe schon einen Zehner gespart, einfach so.

Dementsprechend gut gelaunt ging es dann von der tschechisch-polnischen Grenze weiter Richtung Łódź. Die Autobahn A1, die auch schneller und somit verbrauchsintensiver als sonst befahren werden kann, weil in Polen Tempolimit 140 gilt, verließen wir in Tschenstochau – zwangsweise, da der Rest typisch Osten noch nicht fertiggestellt ist – und stauten uns durch die City, weil Demonstranten, die sich später als Pilger zur Schwarzen Madonna von Tschenstochau rausstellten, die Straßen blockierten.

Nach dem ineffizienten Stop p and Go stand mehrspurige Landstraße an, wo das Tempolimit von 80 km/h gottlob nur eine Empfehlung ist, wie die Einheimischen genau wussten und deshalb mit 150 Sachen plus an mir vorbei bretterten. Brettern im wahrsten Sinne des Wortes, denn was die Straßenqualität angeht, ist Polen von Diversitäten geprägt. Auf der einen Seite neue, bestens asphaltierte Autobahnen, auf der anderen Seite Schlaglöcher, die mehr so ganze Gräben sind. Obwohl in der FR-Ausstattung mit knackigerem Fahrwerk gesegnet, bietet der Leon auch auf schlechten Straßen mehr als genug Komfort.

Sieht aus wie in Amerika, ist aber in Polen. Und zwar in Łódź, das man nicht Lodsch, sondern Wudsch ausspricht.

Macht aber nix, der Nottank war eh voll und unseren füllten wir gerade mit viel zu herrlich schmeckendem Bier auf, als dass man sich in Sorgen verirren hätte können. Und wenn man bewusster fährt, dann würden sich bestimmt mehr als nur 110 Kilometer ausgehen. Gingen sich auch – erst bei rund 40 Kilometer vor Toruń verabschiedete sich das Erdgas und der Leon fuhr mit Benzin weiter. Übrigens ein unmerkbarer Vorgang, dieser Switch. Tempomat auf 120 km/h und so wenig Bremsen und somit Beschleunigen wie möglich war nun sicherheitshalber angesagt.

Was natürlich eine enorme Wirkung hat. 110 Kilometer hätten wir laut Seat-Bordcomputer mit dem vorhandenen Benzin kommen sollen. Nach 20 Kilometern: immer noch 110. Nach 30 auch noch. Zusätzlich verschwand kein einziges Achtel der Tankinhalt-Anzeige. War sie kaputt? Schon fast 40 Kilometer mit dem neun Liter Tank hinter uns gebracht und quasi nix verbraucht? Unmöglich, die Tankanzeige muss kaputt sein. Und wenn dem so sein sollte … war der Tank dann überhaupt voll? Panik. Ohne Sprit mitten in Polen auslaufen – darauf hatte ich echt nicht so Bock. Also schnell zur nächsten Tankstelle, die bereits in Toruń lag. Oh Mann, war ich gespannt darauf, wie viel Benzin der Seat schlucken würde und wie knapp wir uns noch zur Tankstelle gerettet haben. Im Enddeffekt gingen sich fast zwei ganze Liter aus. War ein bisserl peinlich beim Zahlen.

Ja, ja; was bewusst ökonomisch fahren (und natürlich die Tatsache, dass mehr als neun Liter in den Nottank passen, weil allein der Stutzen sicherlich noch einen fasst) bewirken kann. Gelassen kamen wir dann an der ursprünglich angepeilten „Tankstelle“ in Toruń an. Soll heißen: Einem Busparkplatz in Hinterhofstyle, auf dem eine einzige CNG-Zapfsäule steht. Auf der wiederum hängt provisorisch ein A4-Zettel, der vermutlich gar nicht so provisorisch ist, mit einer Telefonnummer oben. Anrufen, CNG ins Smartphone brüllen und nach ein, zwei Minuten kommt ein Pole im Blaumann mit dem Fahrrad angebraust. Weil der Pole so gut Englisch sprach, wie ich Polnisch, blieb die Plauderei leider aus, aber er wusste, was ich will, nämlich Erdgas, und ich wusste, was er will, nämlich Geld. Aber natürlich nicht viel Geld, für 23 Kubikmeter (die gängige Messeinheit für Erdgas in Polen), was klarerweise einmal volltanken ist, wurden 87 Zloty fällig, also rund 20 Euro. 20 Euro für 400 Kilometer – irre!

Die CNG-Station in Toruń .

Der Benzin-Leon hätte etwa 30 Euro geschluckt. Und bitte bedenken: Wir messen hier mit zweierlei Maß – nämlich einmal mit dem offiziellen, einmal mit dem Realverbrauch. Nach der Kaffeepause im tatsächlich hübschen Toruń und kurzer Besichtigung des Kopernikus-Geburtshauses stand die vorübergehend letzte Etappe an. Ohne Probleme, ohne Reichweitenangst; herrlich. Programmpunkt für die nächsten Tage: Strand, Strand, Danzig, die größten Wanderdünen Europas und einmal tanken, um zu diese zu gelangen. Wieder befand sich die Säule auf einem Busparkplatz. Kleines Upgrade: Das Personal musste nicht angerufen werden, sondern war in Sichtweite. Den Seat Leon ST TGI gar selbst füttern war aber auch hier Fehlanzeige.

Nach teils entschleunigenden, teils beschleunigenden Tagen in Sopot und Umgebung (bye the way: Danzig, absolute Empfehlung) trat die Reisegruppe die vorletzte Etappe an: Sopot-Krakau – natürlich mit Zwischenstopp in Toruń, um den CNG-Haushalt wieder auf Vordermann zu bringen. Die nervliche Anspannung bei der Rückfahrt blieb aus, in Krakau und Umgebung ist man CNG-mäßig safe und mittlerweile wussten wir, wie der Erdgas-Hase läuft. In Polen nämlich wie ein angeschossener Hase, aber immerhin einer, der noch laufen kann.

Fazit der ersten großen Reise mit unserem neuen Dauertester? Nachher ist man immer schlauer, keine Befürchtung bewahrheitete sich und die zuvor verlorengegangenen Nerven wären echt nicht nötig gewesen. Selbst in einem Land mit dürftig ausgebautem CNG-Netz schränkte uns der Erdgasbetrieb nur geringfügig ein. Einverstanden, ein bisserl zeitintensiver war’s schon. Die Recherche vor dem Startschuss, dann die Abstecher zu den Erdgas-Tankstationen, die sich ja nicht direkt an der Route befanden. Aber mehr als ein, zwei Stunden haben sich im gesamten Urlaub daraus nicht ergeben.

Die Tschechen sind auf Du und Du mit Erdgas. Dort darf man sogar selber tanken …

Insgesamt fielen Tankkosten von knapp über 100 Euro (exklusive den paar Euronen für die fast zwei Liter Benzin) für eine Strecke von 2273 Kilometern an. Pi mal Daumen haben wir uns also rund 70 Euro gespart – für schlimmstenfalls zwei Stunden Aufwand. Und es sei noch einmal erwähnt: Wir rechnen bei CNG mit dem Realverbrauch, bei Benzin mit dem offiziellen (6,1 Liter/100 Kilometer). Echt beeindruckend! Jedenfalls: Ende gut, alles gut. Notiz an mich selbst für die nächste Reise: Lockerer angehen. Der Seat Leon ST TGI bringt mich schon ans Ziel.

Vorhang auf für unseren neuen Dauertester: Seat Leon ST TGI

Dauertest-Neuzugang bei Motorblock.at. Ein Jahr lang wird uns der Seat Leon ST im Alltag und fernab dessen begleiten. Besonders spannend, speziell bei der langen Testdauer: Unser Leon ST ist ein TGI, also ein (unteranderem) erdgasbetriebenes Auto.

Text: Maximilian Barcelli

Jetzt drücken sich uns natürlich viele Fragen auf: Kommen wir mit dem neuen Dauertester überall dorthin, wo wir wollen? Also Deutschland, Kroatien, Polen oder wenn’s sein muss auch nach Spanien? Werden wir beim Tanken Geld sparen – und wenn ja, wie viel? Schränkt uns die Antriebsart in irgendeiner Form ein? Gibt es genug Gasstationen hierzulande? Kurzum: Wie lebt es sich mit einem Erdgas-Auto? Alldem wollen wir in den nächsten zwölf Monaten auf den Grund gehen – und wenn Sie möchten, können Sie uns dabei begleiten.

Selbstverständlich ist es nicht so, dass wir bei Motorblock noch nie ein CNG-Modell bewegt hätten. Haben wir. Haben wir oft. Wir wissen also, dass sich ein Erdgas-Auto nur unwesentlich anders anfühlt, als ein Benziner. Allerdings ist die Alltagstauglichkeit nur schwer zu beurteilen, wenn ein Ibiza TGI nur zwei Wochen verfügbar ist und man sowieso kaum über die Reichweite des Erdgas-Tanks hinausfährt. Oder wenn man zu einer Fahrzeug-Präsentation eingeladen ist und die Modelle nur einige Stunden fährt. Deshalb: Dauertest. Und weil man innerhalb eines Jahres doch mal was Großes transportieren muss oder mit Kind und Kegel in den Urlaub fährt, darf’s auch gleich der Kombi sein.

Der misst mit 4,548 Metern Länge rund 27 Zentimeter mehr als der 5-Türer (den es übrigens auch als TGI gibt) und offeriert dementsprechend mehr Kofferraumvolumen: Mit 482 Litern bei aufgeklappter Rückbank sollte uns kein Familienurlaub so schnell ins Schwitzen bringen. Und wenn doch: Die Zweizonen-Klimaautomatik bietet Abhilfe. Die ist bei der FR-Ausstattungslinie serienmäßig mit an Bord – wie beispielsweise auch die Ambientenbeleuchtung. Unser Leon ST FR TGI-Hybrid DSG ist bei 28.405,66 Euro dotiert, die Sonderausstattung hebt den Preis auf knapp über 30.000 Euro. Dafür dürfen wir uns im nächsten Jahr am adaptiven Tempomaten erfreuen, unser Smartphone induktiv laden und optisch gibt der Leon ST dank Metallic-Lackierung in „Nevada-Weiß“ und 18-Zöllern auch was her.

Im Vordergrund unseres Dauertests steht aber natürlich der Antrieb. Seit dem großen TGI-Facelift verfolgt Seat eine neue, radikalere Strategie. Der Benzintank wurde auf ein Minimum reduziert. Nur neun Liter Super passen in diesen. Dafür bleibt mehr Platz für die CNG-Tanks. Insgesamt drei gibt es derweilen im Leon ST, zusammen fassen sie zirka 17,3 Kilogramm komprimiertes Erdgas. Bedeutet bei einem WLTP-Normverbrauch von 3,6 Kilogramm im Umkehrschluss, dass rund 480 Kilometer Reichweite drin sein sollten. Wien-Innsbruck müsste sich also ausgehen. Ohne Nachtanken und ohne Benzin aus dem Nottank anzuzapfen. Theoretisch, jedenfalls. Wie’s praktisch aussieht, werden wir bald wissen.

Neu beim Leon TGI ist nicht nur die Prioritätensetzung zum Erdgas hin, auch der Motor ist größer und  stärker geworden: Waren im alten 1,4-Liter-Vierzylinder noch 110 PS für den Vortrieb verantwortlich, schöpft das 1,5-Liter-Triebwerk nun schon 130. Gekoppelt ist dieses an ein manuelles 6-Gang-Getriebe oder – wie in unserem Fall – ein 7-Gang-DSG. Die Kraft bringen die Vorderräder auf die Straße.

Mit Automatik sprintet der Seat Leon ST TGI in exakt zehn Sekunden von 0 auf 100 km/h, Schluss ist bei Tempo 206. Wichtig für Kollege Stantejsky, den es aufgrund der Schwiegerfamilie häufig auf die tempolimitlosen Autobahnen unseres nördlichen Nachbars verschlägt. Mit etwas über 1,3 Tonnen wiegt er zwar rund 100 Kilogramm mehr als der vergleichbare Benziner, ist aber trotzdem kein Schwergewicht. Der Radstand beträgt rund 2,6 Meter. Noch Fragen? Also gut, dann kann es ja losgehen!