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Ist der Porsche Taycan Rekord überhaupt ein Rekord?

Lars Kern, Porsche Testfahrer, peitschte das erste E-Auto der Zuffenhausener durch die grüne Hölle – in beeindruckenden 7:42 Minuten. Rekord, meint Porsche. Nicht so ganz, meinen wir.

Text: Maximilian Barcelli

Die Rekorde auf der Nordschleife sind ziemlich unübersichtlich geworden. Hersteller kreieren Segmente, die es so gar nicht gibt. Wie zum Beispiel Porsche für den Taycan, der nun das „schnellste, viertürige Elektroauto“ auf der Nordschleife ist. Aber nicht nur die fantasiereichen Kategorien verwirren, auch die Strecke selbst. So schickten die Zuffenhausener ihren E-Sportler über die 20,6 Kilometer lange Strecke. Eine volle Runde ist eigentlich rund 200 Meter länger.   

Da ist es gut, dass sich seit diesem Jahr der Nürburgring selbst in der Sache eingeschalten hat. Der stellte nämlich klar: Offizielle Rekorde gelten nur auf der vollen, 20,832 Kilometer langen Strecke. Und: Schnellster Fronttriebler, Viersitzer oder Viertürer sind keine Segmente. Kompaktklasse, Mittelklasse, Oberklasse, SUVs, Sportwagen und Elektroautos schon. Letztere ist übrigens in zwei Kategorien unterteilt. Nämlich „Elektro (Sportwagen)“, derzeitiger Rekordhalter ist der VW ID.R, und „Elektro (Serie)“, eine Kategorie, die noch unbesetzt ist.

Wir wollen die Leistung des Porsche Taycan auf keinen Fall schmälern. Mit 7:42 Minuten ist man nur zwölf Sekunden langsamer als ein Mercedes-AMG GT 63 S. Der wird vom Nürburgring übrigens offiziell als Rekordhalter geführt – aber nicht als schnellster Viersitzer, wie AMG das selbst vermarktet, sondern als Schnellster in der Oberklasse. Auch das Lynk & Co 03 Cyan Concept, ein Fronttriebler, der die grüne Hölle in irrwitzigen 7:20,143 Minuten bewältigte, ist offiziell gelistet. Jedoch nicht als Kompaktwagen, sondern Prototyp. Damit auch wir ein bisserl Klarheit mitschaffen können, seht ihr folgend die Liste des Nürburgrings (Stand: 28.08.2019):

Kompaktklasse: Renault Mégane R.S. Trophy-R / 7:45,39 / Hier geht’s zum Video

Mittelklasse: Jaguar XE SV Project 8 / 7:23,164 / Hier geht’s zum Video

Oberklasse: Mercedes-AMG GT 63 S 4MATIC+ / 7:30,11 / Hier geht’s zum Tesbericht

SUVs, Geländewagen, Vans, Pick-Ups: Mercedes-AMG GLC 63 S 4MATIC+ / 7:54,40 / Hier geht’s zum Testbericht

Sportwagen: Porsche 911 GT2 RS MR / 6:44,749

Prototypen: Porsche 919 Hybrid Evo / 5:19,546 / Hier geht’s zum Video
Lynk & Co 03 Cyan Concept / 7:20,142 / Hier geht’s zum Video

Elektro (Sportwagen): VW ID. R / 6:05,336 / Hier geht’s zum Video

Irrer Nordschleifen-Rekord für Fronttriebler (irgendwie)

Es gibt einen neuen, schnellsten Fronttriebler auf der Nordschleife – schon wieder. Das Lynk & Co 03 Cyan Concept degradiert den Renault Mégane R.S. Trophy-R. Das was?

Text: Maximilian Barcelli

Cyan Racing ist kein herkömmlicher Autohersteller. Eigentlich ist es gar kein Autohersteller. Als Volvo vor wenigen Jahren das Rennsportteam Polestar kaufte, um es zur eigenen Performance-Submarke zu transformieren, bestritt Polestar weiterhin Tourenwagenrennen – allerdings mit neuem Namen: Cyan Racing.

Jedenfalls arbeiten die in der WTCR mit dem chinesischen Hersteller Lynk & Co zusammen (alle Marken, inklusive Volvo, gehören dem Automobil-Giganten Geely). Aus dem Rennwagen Lynk & Co 03 TCR wurde eine Straßenversion geformt. Die hat sich jetzt in die grüne Hölle gewagt – mit beeindruckendem Ergebnis: In nur 7:20,143 Minuten preschte der Fronttriebler (das WTCR-Regelwerk verlangt nach diesen, mit dabei in der Rennserie sind auch Volkswagen Golf GTI TCR und Hyundai i30 N TCR) über die Nordschleife. Beeindruckend!

Immerhin benötigt der bisherige Rekordhalter, der Renault Mégane R.S. Trophy-R, rund 25 (!) Sekunden mehr. Klar, die Nordschleife ist irre lang, aber 25 Sekunden? Das muss man erst einmal hinkriegen. Damit ist das Lynk & Co 03 Cyan Concept sogar schneller als der Jaguar XE SV Project 8 oder der Mercedes-AMG GT 63 S.

Möglich machen das diverse Komponenten. Eine davon ist natürlich der Motor: Aus dem 350 PS starken Vierzylinder im WTCR-Renner ist ein echtes Monstrum geworden. Der 2-Liter-Turbo dreht bis maximal 8.000 Touren, bei 7.800 liegt die vollständige Power an. Dann zerren unwahrscheinliche 528 PS an den vorderen Rädern. Das Drehmoment von 504 Nm ist zwischen 4.500 und 7.000 Touren verfügbar.

Die absurde Leistung hat nur wenig zu schleppen: Das Lynk & Co 03 Cyan Concept wiegt nicht einmal 1,3 Tonnen. Dadurch ist ein Fabel-Paradesprint von 4,4 Sekunden möglich. In nur zehn Sekunden geht’s von 0 auf 200 km/h. Die Bremsleistung imponiert genauso: In 30 Metern verzögert der Kompaktklässler von 100 auf 0 km/h. Es sei erwähnt, dass dies alles Herstellerangaben sind.

Ob das Lynk & Co 03 Cyan Concept nun der offizielle Rekordträger ist, bleibt mehr als fraglich. Ja, das Auto ist für die Straße zugelassen. Doch wie der Name schon verrät, handelt es sich noch um ein Konzept – auch, wenn Lynk & Co beteuert, dass es zu einer Kleinserie kommen wird. Schmälern wollen wir die Leistung aber nicht, 7:20,143 Minuten ist eine komplett irre Zeit für einen Frontkratzer – (fast) egal ob Serienfahrzeug oder nicht.