VW buhlt um die Gunst der Amerikaner

VW Buzz: Bulli, aufgeladen

von Thomas Geiger

Sie können es einfach nicht lassen. Weil der legendäre Buli ein Sympathieträger ist und VW gerade in Amerika jedes Wohlwollen brauchen kann, rollen die Niedersachsen zur Autoshow in Detroit jetzt schon wieder eine Kleinbusstudie ins Rampenlicht, die mit dem Geist von Gestern spielt – nach den Microbussen aus den Jahren 2001 und 2011 und dem Buddy von der CES 2016 bereits zum vierten Mal. Doch gestrig sind an dem Auto mit dem trendigen Namen „Buzz“ allenfalls die Grundidee für das Design und die Wurzeln, die zurück bis zum ersten VW Bus reichen. Alles andere schlägt eine Brücke in die nahe Zukunft. Denn nach dem kompakten ID Concept von der Motorshow in Paris nutzt auch der Mircrobus 3.0 die Architektur des Modularen Elektrizitätsbaukastens und gibt so einen wieder etwas konkreten Ausblick auf das so dringend nötige designierte Akku-Auto von VW und zeigt zugleich, wie weit man auch diese Plattform spreizen kann.

Ausgewachsen

Wo der ID aus Paris so zierlich wirkt wie ein Polo, ist der Buzz deshalb ein ausgewachsenes Auto: Der Radstand misst gewaltige 3,30 Meter, vom Bug zum Heck sind es insgesamt 4,94 Meter und weil der Antrieb im Wagenboden verschwindet und so der gesamte Platz für Kind und Kegel zur Verfügung steht, bietet der Buli von Morgen bis zu acht Sitze und hat sogar zwei Kofferräume. So kann man hinten zwischen 660 und 4 600 Litern einladen und vorne noch einmal 200 Liter Gepäck unterbringen. Trotzdem ist der Buzz ein handliches Auto, verspricht VW. Weil man die 22 Zöller ungewohnt weit einschlagen kann, liegt der Wendekreis unter elf Metern.

In Fahrt bringen den Buzz zwei E-Maschinen an Vorder- und Hinterachse, die auf zusammen 374 PS kommen, in knapp fünf Sekunden auf Tempo 150 beschleunigen und bei 160 Sachen abgeregelt werden. Gespeist aus den Lithium-Ionen-Akkus im Wagenboden fährt der BUZZ bis zu 600 Kilometer weit, bevor die 111 kWh erschöpft sind. Und damit man danach nicht so lange mit dem Weiterfahren warten muss, sorgt ein 150 kW-Lader, wo verfügbar, für kurze Boxenstopps: Binnen 30 Minuten sind die Akkus zu 80 Prozent gefüllt.

Weil das Auto schon wieder ein halbes Jahr weiter ist und die Platzverhältnisse ganz anders sind, unterscheidet sich das Konzept des BUZZ vom ID vor allem im Innenraum – und ist viel konsequenter auf den „Pilot-Mode“ zugeschnitten. Denn wenn die Elektronik das Kommando übernimmt, dann muss der Fahrer auch nicht mehr das zum Lenkpad mutierte Lenkrad halten. Stattdessen kann er seinen Sitz um 180 Grad drehen und sich seinen Hinterleuten widmen. Zumal es vorne außer der Landschaft dann ohnehin nicht viel zu sehen gibt. Schließlich kommt das Cockpit komplett ohne Knöpfe aus und die einzigen Anzeigen laufen über das mit Augmented Reality angereicherte Head-Up-Display sowie ein Tablet, das man weitgehend frei im Auto bewegen und nach der Fahrt sogar mit nach draußen nehmen kann.

Zwar dauert es immer noch drei Jahre, bis der erste ID in den Handel kommt. Und selbst wenn der Silberfisch mit der gelben Bauchbinde und dem charmanten Bäuchlein noch so sympathisch ins Messepublikum strahlt, werden sie in Wolfsburg auf dieser Plattform nicht als allererstes einen Van bauen. Doch wenn es irgendwann mal klappen soll, mit dem Microbus-Revival, dann jetzt. Nicht umsonst heißt es im Volksmund: Vier gewinnt.