Caterham Seven 275R – Die nackte Kanone

Motorblock fährt Caterham Seven 275 R

Vergessen Sie Sex und nehmen Sie lieber einen Seven! Denn wer sich mal so richtig austoben möchte und in großen Gefühlen baden will, der braucht dafür keinen brandjungen Partner und auch keinen sündhaft teuren Supersportwagen. Sondern dem reicht ein ein Auto, an dem sich seit der Premiere 1957 nicht mehr geändert hat, als es der Gesetzgeber in den letzten 60 Jahren verlangt hat.

Text: Thomas Geiger
Möglich macht das ein Rezept, auf dem Lotus-Gründer Colin Chapman eine ganze Firma begründet hat: „Vereinfache die Konstruktion und mache sie dann bitte schön noch etwas leichter“. Mittlerweile wird der Seven zwar von Firmen wie Caterham gebaut, doch die Leitsätze von Lotus gelten bis heute. Deshalb wiegt der neue Caterham Seven 275R auch nur 540 Kilo und geht mit lachhaften 131 PS beherzter zur Sache als mancher Ferrari oder Lamborghini, der die drei oder vierfache Leistung erreicht.

Allerdings gibt es dafür auch nicht viel mehr als eine Sitzkiste mit vier Rädern und einem Motor: Die seit sechs Jahrzehnten unveränderte Alu-Karosserie nicht einmal kniehoch, die Sitzschalen eng wie Schraubstöcke, der Bug schlank wie ein Einbaum, die Vorderräder im Freien, die Seitenscheiben aus Plastik und Kunstleder und die Frontscheibe nur ein besseres Alibi, erinnert der Seven an einen Formel 1-Rennwagen aus den Fünfzigern – und entwickelt gefühlt fast die gleiche Dynamik.
Was dem Seven dabei an Speed fehlt, macht er mit der Intensität des Fahrens wieder wett: Wenn Mensch und Maschine förmlich miteinander verwachsen, kann man die Straße besser fühlen als sehen. Mit den freistehenden Rädern platziert man den Wagen auf den Millimeter genau am Brems- und am Scheitelpunkt, und wenn schon bei 60 Sachen ein Orkan durchs enge Cockpit fegt, weiß man wie sich Formel1-Fahrer in ihrem offenen Auto jenseits der 250 fühlen.

… Vereinfache die Konstruktion und mache sie dann bitte schön noch etwas leichter …





Natürlich kann man mit dem Caterham über die Autobahn blasen, auch wenn man sich schon zwischen den üblichen Limousinen ziemlich verloren fühlt und gar nicht daran denken möchte, wie es wohl zwischen zwei Lastwagen wäre. Und erst recht kann man mit dem Briten durch die Stadt flanieren, weil man mit ihm erstens mehr Aufsehen erregt als mit jedem anderen Sportwagen und zweitens überall einen Parkplatz findet. Doch am besten genießt man mit dem Seven den Rausch der engen Radien: Mit einem brettharten Fahrwerk, das die Markierungen auf dem Teer überträgt wie andere massive Bodenwellen und einen fast schon jeden Schatten spüren lässt, schneidet der kleine Brite die Kurven ohne jede Mühe: Wo es andere Autos nach den Gesetzen der Schwerkraft nach außen trägt, haftet das fliegende Federgewicht beinahe magnetisch auf der Ideallinie und lieferten den fahrenden Beweis, dass die schönste Verbindung zwischen zwei Punkten eben doch eine Kurve ist.

Immer und immer wieder will man diesen Rausch erleben und je länger man durch die Kurven sticht, desto länger werden die Umwege. Nein, ich will noch nicht ankommen und lieber nochmal fahren. Und nochmal. Und nochmal. Doch dass die Raserei kein Ende nehmen soll hat noch einen anderen Grund. Die Angst vor dem Aussteigen. Denn so eng und unbequem wie die Zigarre auf Rädern ist, möchte man an die Verrenkungen am liebsten gar nicht denken – und dreht gleich nochmal eine Runde.

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