Das Auto im Wandel der Zeit – Ein grober Überblick

Wo wir derzeit stehen

Die Autoshow lässt die großen Innovationen aus, deshalb schauen wir mal, wo das Auto derzeit steht und was für unsere Kinder und Enkelkinder gang und gebe sein wird.

Text: Rainer Behounek
Ganz ehrlich? Neues bietet die diesjährige Vienna Autoshow nicht wirklich. Gerade an der Elektronik-Messe CES merkt man, wohin sich die Prioritäten der Hersteller verlagern. Konnektivität, autonomes Fahren, In-Car-Entertainment, nicht mehr das Design steht im Vordergrund sondern das High-Tech-Innenleben. Ähnlichkeiten zur Handy-Entwicklung tun sich auf. Damals… Nokia 3310? Alcatel? Mein Gott, da ging’s noch um Tasten und ausziehbare Antennen!

Und dann kam Apple mit der glatten, unpersönlichen, nichts- und dann doch wieder allessagenden Fläche, die uns jetzt so unfassbar im Griff hat, weil sie so viel und auch ein wenig telefonieren kann. Erinnert mich an eine Präsentation in England, wo der antiquierte Kerl beim Kaffeeausschank eine Untertasse gesucht und sie in einem Apple-iPad gefunden hat – der hat es noch gut und keinen Tau, was der schwarze Teller kann, außer seinen Earl Grey zu halten.
So schlimm wird es beim Auto natürlich nicht werden, zumindest jetzt noch nicht. Aber schleichend rücken immer mehr auto-untypische Features in den Vordergrund und die bisher wichtigen Dinge wandern nach hinten. Fragen Sie mal den Händler, ob er bei einem neuen Kompakt/Mittel-SUV die Watttiefe kennt oder den Böschungswinkel. Meistens wissen das nicht mal mehr die Techniker.

Autonomes Fahren

Autonomes Fahren ist der Schlüssel in die neue Zukunft. Jeder redet davon, manche können es schon richtig gut, andere übernehmen sogar Haftungen und wiederrum andere tüfteln schon am berieselnden Entertainment während der Fahrt. Der Fahrer soll lähmende Alltags-Fahrten nutzen können, um zu arbeiten oder zu entspannen. Eine weitere Innovation soll den Trend des laissez-faire sogar noch stärken: Gestensteuerung. Gemütlich im Lounge-Chair baumeln und mit einem Handwisch in der Luft etliche Funktionen ansteuern klingt doch herrlich. „Waas? Wofür brauch ich das? Da kann ich doch gleich am Regler drehen!“ sagt der, der den Kofferraum per Knopfdruck schließt. Jemanden auf der Straße grüßen wird dann übrigens schwierig, wenn die gleiche, an sich freundliche Bewegung den Anruf abwürgt oder die Tinder-Flamme ins Aus schießt.

Elektromobilität

Elektromobilität! Elektromobilität ist sowas von das Modewort. Nur mit dem E im Namen bist heute noch wer wie bei Mission-E, Budd-e, X5 xDrive40e. Jeder Hersteller, der was auf sich hält, hat eine Elektroschüssel im Programm. Was die dauergewellte Knackmatte à la Kevin Kostner in Robin Hood in den 90ern war, ist heute die E-Karre. Noble Idee, nur wenn sich die Einführung der flüsterleisen Technologie einseitig entwickelt, hat niemand was davon.

Und eines vergessen auch viele – wenn die Batterie leer ist, weil man im Urlaub oder auf der Berghütte schlecht laden kann, dann sitzt man meistens in einem schweren Benziner/Diesel. Bei einem großen Bullen fällt das nicht so ins Gewicht aber die Kompakt- und Mittelklässler schnaufen dann schon gescheit. Deshalb arbeiten einige Hersteller bereits an Energie speichernden Karosserieteilen. Getestet wurden bereits Teile aus Polymer-Fasern und Karbon, die so leicht sind, dass sie durchaus Speicherpaneele aufnehmen können.

Auto-Airbags

Demolition Man gesehen? Dann kennen Sie sicher die Szene in der Sly Stallone in den Teich stürzt und sich das Auto währenddessen in eine Art umgekehrte Schaumrolle verwandelt. An Ähnlichem tüftelt Mercedes im Moment: Airbags fürs Auto. Im Falle einer Kollision öffnet sich ein Airbag auf der Unterseite des Fahrzeugs, die Effekte: Der Airbag ist aus einem Material, dass stark haftet und so das Fahrzeug verlangsamt. Zusätzlich hebt er das Auto um bis zu acht Zentimeter an, was dem Eintauchen des Fahrzeugs bei einer harten Bremsung entgegenwirkt und die Insassen noch stärker schützen soll.

Konnektivität! Auch eigentlich schon ein alter Hut, Smartphone und sogar Auto-Schlüssel rücken immer mehr Fahrzeug-Infos heraus und man hat ein Glück, dass die Karre nicht schon selbstständig Instagram-Bilder postet „#parkingrocks“. Man will alles und das überall wissen. Steht mein Auto auch wirklich noch dort, wo ich es vor zehn Minuten abgestellt habe? Hat es sich auch wirklich selbstständig zugesperrt? Die Zukunftsversion hat uns vor Jahren BMW gezeigt: Das Auto kennt alles, auch den Kalender. Anhand von Wetterdaten und Verkehrsaufkommen errechnet es den Weg zum Termin und schickt ein SMS an den Fahrer, die Fahrerin, wann der bestmögliche Zeitpunkt ist, wegzufahren. Am Abend steht der Opernbesuch an, das Auto bucht schon mal ein Busticket und schickt es aufs Handy, weil es aufgrund des Surfverhaltens des Mannes die kleine Bar neben der Oper ins Visier genommen und herausgefunden hat, dass genau an dem Tag Wet-T-Shirt-Contest ist.

So schaut’s aus. Und trotzdem fühlt es sich so an, als reden wir alle um den heißen Brei. Alle derzeitigen Errungenschaften und Ideen klingen ausgezeichnet aber stoßen im Prinzip nur gegen die Membran, die nur die eine bahnbrechende Erfindung durchstoßen kann und bei der alle sagen werden: „Was?! Wir Glücklichen dürfen wirklich Zeugen dieser genialen Entdeckung sein! Science Fiction für die Jetztzeit!“

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