Der Zweite ist nicht der erste Verlierer

Fiat 124 Spider: Der ewige Vergleich

Der 124 Spider hat uns ja vor nicht allzu langer Zeit schon als von Abarth verschärfte Version beehrt. Nun stand er als normaler Fiat vor der Haustür und es kristallisierte sich das heraus, was schon beim Abarth zu vermuten war: Der Fiat 124 Spider kann alles, was der MX-5 kann. Nur ein bisserl schlechter.

Text: Maximilian Barcelli

Klingt fies, ist es aber nicht. Immerhin ist der Mazda MX-5 – ganz besonders nach seinem letzten Update, im Zuge dessen er mehr Kraft, eine erhöhte Maximaldrehzahl und ein längsverstellbares Lenkrad verpasst bekommen hat – absolute Benchmark. Es gibt quasi nichts (mehr), was dieses Auto noch spaßiger machen könnte. Und wenn der Italiener ein bisserl weniger spaßig ist, als das spaßigste Auto überhaupt, dann bleibt noch immer mehr als genug Spaß. Und Kaufgründe die gegen den Mazda und für den Fiat sprechen gibt es obendrauf auch noch.

Doch kommen wir zuerst zu den Punkten, in denen der 124 Spider den Kürzeren zieht. Zum Beispiel beim Getriebe. Zwar gibt es den Fiat auch mit einem manuellen, uns beglückte jedoch ein Italo-MX-5 mit Automatik. Die schaltet grundsätzlich ruhig und angenehm, aber Gedankenlesen kann sie noch lange nicht. Und das können andere Automatik-Getriebe anno 2018 halt schon. Der Schaltvorgang selbst könnte auch etwas schneller erfolgen, man bewegt ja immerhin einen Sportwagen.

Der Motor des 124 Spider muss sich ebenfalls hinter dem des MX-5 anstellen. Mag sein, dass der Fiat rund 10 PS mehr hat, aber so schön hochdrehen und linear beschleunigen, das tut nur der Sauger vom MX-5. Doch wir wollen uns nicht weiter beschweren. Die Wahrheit ist nämlich, wenn man die ganze Zeit vergleicht und nur rumgrantelt, dann verliert man den Blick für das tatsächlich Wichtige. Spaß und Freude, beispielsweise. Und die erlebt man im Fiat 124 Spider zweifellos. Er ist gut auf der Bremse, lenkt herrlich leichtfüßig ein – überhaupt ist die Lenkung ein Genuss – und hops, was ist denn das beim Rausbeschleunigen?

Da macht der Hintern wohl einen Ausflug. Aber immer schön berechen- und kontrollierbar. Es geht halt wirklich nichts über Heckantrieb. Und es geht auch wirklich nichts über geringes Gewicht. Denn damit klatscht man einfach direkt zwei Fliegen mit nur einer Klappe. Auf der einen Seite ist dank der wenigen Kilos, die der Motor antreiben muss, kein starker von Nöten. 140 PS? Reichen leicht aus! Klar, über die 170 des Abarth beschweren wir uns auch nicht, aber die Leistung des Vierzylinders im Fiat 124 Spider macht auch so schon ordentlich Laune.

Die zweite Fliege ist das Fahrverhalten, speziell in der Kurve. Man kann ein Auto mit Technik ohne Ende vollstopfen – vom Torque Vectoring bis hin zu Wankstabilisierung und, und, und – nur wenn das Ding zwei Tonnen wiegt, beginnt es halt einmal flott über die Vorderachse zu schieben. Physikalische Grenzen kann man vielleicht dehnen, aber nicht aufheben. Auch wenn es oft schon sehr verblüffend ist, wie SUVs mittels eben genannter Technik durch die Kurven und Kehren ziehen können. Doch so ein leichtfüßiges Gefühl, dass vermitteln eben nur leichte Autos. Wie der Fiat 124 Spider zum Beispiel.

Oder eben der MX-5! Der ja mit Saugmotor und einem herzzerreißend feinen, manuellen Getriebe den Fiat ein bisschen vorrausfährt. Für den Fiat sprechen aber – wie erwähnt – dennoch ein paar Dinge. Zum Beispiel die Optik. Der 124 Spider ist auf jeden Fall europäischer gestaltet als sein japanischer Bruder. Und er sieht, dank der größeren Außenmaße und vor allem aufgrund der langen Motorhaube, nicht ganz so aus, wie ein Spielzeug-Auto. Obwohl er natürlich auch eins ist. Ein weiser Kollege aus dem Ländle hat einmal gesagt, dass der Fiat optisch eine kleine Viper ist und der Mazda ein kleiner F-Type. Grundsätzlich gilt wie immer: Alles Geschmackssache.

Die zweite Sache, die für den Italiener spricht – und das klingt jetzt ein bisserl blöd, weil wir es eben kritisiert haben: Das Getriebe. Klar, wir lieben es, die Gänge im MX-5 mit der Hand zu sortieren. Auf der Landstraße, bei forcierter Fahrt. Aber das Leben ist kein Kindergeburtstag und man fährt nicht immer auf leeren Landstraßen, sondern auch mal im städtischen Rush-Hour-Verkehr. Klar, in einem klassischen Zweitauto meist weniger. Aber es kommt vor. Und es gibt sie nun mal, die Menschen, die um jeden Preis Automatik fahren möchten. Und die gehen bei Mazda – zumindest was den Einstiegsmotor betrifft – leer aus.

Einen dritten Punkt gibt es übrigens auch noch, wobei dieser nur für den Abarth gilt und dem Fiat (und dem Mazda sowieso) vorenthalten ist: Sound. Denn was die Italiener aus dem 1,4 Liter großen Vierzylinder an rotzigem Klang holen, ist schon schwer beeindruckend.