Mercedes-AMG A 35: Nachwuchs-Rabauke

Nicht nur Mercedes baut immer kleinere Autos, auch AMG bäckt immer kleinere Brötchen. Zusätzlich zu den ganz großen Vollkornlaiben natürlich. Die A-Klasse wird in Affalterbach jetzt nicht mehr nur zum A 45, sondern auch zum A 35. Der kann zwar nicht ganz so viel Bumm-Bumm, tut sich aber als besonders engagierter Nachwuchs-Rabauke hervor.

Text: Jakob Stantejsky

Dazu trägt auch der knallgelbe Anstrich bei, in den sich unser Testwagen hüllt. Endlich mal eine Farbe, die wirklich zum Auto passt. Rotzfrech steht der A 35 Kanarienvogel aber nicht nur aufgrund seines Gefieders da, sondern auch der Heckspoiler und die diversen Aeroelemente in Pechschwarz tragen einiges zur optischen Fetzerei bei. Die gigantischen Felgen – selbstredend auch in schwarz – runden den athletischen, coolen Auftritt schneidig ab. Auch wenn man vielleicht vor diesem AMG nicht direkt Angst hat, den bloßen Finger will man ihm trotzdem nicht ins Gehege strecken.

Denn es ist schon recht bissig, das AMG-Küken. 306 PS aus dem Zweiliter-Turbobenziner mit seinen vier Töpfen erblassen zwar im Vergleich zu den 421 Rossen des A 45 S (387 im A 45) ein wenig, doch mit 400 Nm Drehmoment und 4MATIC+ Allradantrieb schnellt auch der A 35 in imposanten 4,7 Sekunden auf 100 Sachen. Das ist definitiv sportlich und auf der offenen Straße schon weit mehr als genug. In Wahrheit ist er so vielleicht sogar besser für den Alltag geeignet als der 45er – denn kaum etwas ist frustrierender, als wenn man in einem richtig rasanten Auto sitzt und permanent nur die Zehenspitze zum Gasgeben verwenden darf.

In der Stadt durchbricht der A 35 natürlich innerhalb von Sekunden das Tempolimit, auf der Landstraße fühlt er sich aber gerade richtig an. Denn wenn man die Kurve feinsäuberlich durchzirkelt hat, prescht der gelbe AMG mit einer Gier nach vorn als würde er der ganzen Welt beweisen wollen, dass er schon für die ganz großen Randale bereit ist. Und dennoch ist er nicht so übermäßig muskelbepackt wie sein großer Bruder. Als Fahrer muss man sich weniger in Zurückhaltung üben, was Balsam auf den benzinbetriebenen Hirnwindungen ist. Kurz gesagt: Der Mercedes-AMG A 35 kann auf öffentlicher Straße (fast) alles, was der A 45 auch kann, nur für deutlich weniger Moneten. Und das gilt es gerade bei einem Kompaktsportler sehr wohl zu bedenken. Denn sonst würden wir ja gleich alle Supersportwagen fahren.

Im Interieur wähnt man sich aber sowieso, Mercedes-typisch, als Oberboss. Dafür sorgt die hochmoderne Einrichtung samt diverser Displays und Touchpads einerseits, andererseits tragen auch die AMG-Insignien dazu bei. Rote Ziernähte, Sportlederlenkrad, die Fahrmodus-Rädchen am Steuer – es ist schon alles verdammt cool gemacht. Rein optisch lässt sich der Unterschied zum A 45 vom Fahrersitz aus kaum feststellen. Auditiv hingegen (leider) schon. Denn auch wenn die Maschine unter der Haube keineswegs schwächlich klingt, die ganz große Gaudi im Gehörgang kommt auch wieder nicht auf. Aber es muss halt noch Spielraum nach oben für den A 45 geben, eh klar. Wenn man alles mit scharf macht und den Klappenauspuff öffnet, kommt durchaus Stimmung auf – nur halt nicht die ganz ganz Gewaltige.

Ob man sich nun den A 35 oder den A 45 zulegt, ist wohl hauptsächlich eine Budgetfrage. Wenn man das Geld hat, kann man natürlich auch gleich klotzen, keine Frage. Aber es ist halt kein kleines Geld, das da zwischen den Versionen liegt – rund 10.000 plus für den A 45 und circa 16.000 obendrauf für den A 45 S. Und das hört beim Kauf ja nicht auf. Insofern hat der A 35 nicht nur eine Daseinsberechtigung, sondern ist unterm Strich vielleicht sogar das rundere Auto im Alltag. Spaß hat man mit dem Nachwuchs-Rabauken jedenfalls ohne Ende. Zumindest wenn man ihn sich bestellt. Wir mussten das Geschoss ja nach einer Woche schon wieder zurückgeben. Und das war definitiv eine zutiefst traurige Angelegenheit.