Besser als ein Porsche?

Der Mercedes-AMG A 45

Autsch, diese Ohrfeige sitzt – und sie dürfte die Herren in Zuffenhausen ganz schön schmerzen. Dass der AMG GT dem Elfer in die Parade gefahren ist, das haben sie bei Porsche vielleicht so langsam verschmerzt. Und den viertürigen GT als ernsthaften Konkurrenten für den Panamera zu sehen, daran werden sie sich vielleicht auch noch gewöhnen. Doch dass jetzt eine vermeintlich popelige A-Klasse einen Porsche 911 stehen lässt, dass ist schon ein buchstäblich starkes Stück. Na gut, ganz so popelig ist die A-Klasse natürlich nicht. Schließlich pappt auf dem Heckdeckel das AMG-Logo und daneben das Kürzel 45 S und auf dem Preisschild werden wohl mindestens 60.000 Euro stehen, wenn die schnellen Schwaben im herbst zum Powerplay auf dem Golfplatz bitten.

Von Thomas Geiger

Dafür allerdings gibt es einen Motor, wie es ihn bislang in der Kompaktklasse nicht gegeben hat. Wie der 305 PS starke Motor aus den 35er-Modellen hat auch er 2,0-Liter-Hubraum, ist aber komplett neu entwickelt worden. Intern als „M139“ geführt, wird es ihn wie bislang nur die V8-Modelle künftig sogar in zwei Leistungsstufen geben: Als Basismodell mit 387 oder als S-Version mit 421 PS. Das sind gute zehn Prozent mehr als beim Vorgänger und genug für einen neuen Superlativ. Denn der M139 hat nicht nur eine Literleistung wie ein Supersportwagen, sondern ist obendrein zudem der aktuell stärkste Vierzylinder, der weltweit in einem Serienmodell angeboten wird. Und er bietet der AMG-Kundschaft mehr Leistung als Porsche den sparsameren unter den Elfer-Kunden. Denn das gerade vorgestellte Basis-Modell 911 Carrera muss sich mit 385 PS begnügen.

Neben der Leistung hat AMG auch das Drehmoment angehoben und die Drehzahlkurve nach oben verschoben. So gipfelt die Anzugskraft des Vierzylinders jetzt bei 480 oder 5.000 Nm und der Motor wird erst bei 7.200 Touren eingebremst. Das ermöglicht Fahrleistungen, die die man bislang eher bei Porsche und nicht in der Kompaktklasse erwartet hätte. So beschleunigt der A 45 S mit rasend schneller Achtgang-Doppelkupplung und sportlich ausgelegtem Allrad als Standard in 3,9 Sekunden auf Tempo 100 und wer das AMG-Drivers Package bestellt, der schießt mit 270 Sachen an der kompakten Konkurrenz vorbei. Zwar schafft der 911 Carrera bei Vollgas 293 km/h und hat am Ende doch die Nase vorn. Doch zumindest im Sprint nimmt die kleine A-Klasse der Sportwagen-Legende damit ein paar Zehntel ab.

Dabei hat die A-Klasse zwei Gesichter: Solange man im Komfort-Modus unterwegs ist, wirkt sie einfach wie ein besonders kräftiger Kompakter, der einen Schluck zuviel aus der Pulle mit dem Zaubertrank abbekommen hat: Spurtstark und gierig am Gas, aber im Klang halbwegs zurückhaltend und in der Abstimmung noch so komfortabel, dass man damit auch zum Bäcker und zum Kindergarten kommt. Doch wehe, man wechselt auf Sport, Sport+ oder gar in den Race-Mode: Dann schaltet die A-Klasse auf Angriff, spannt alle Muskeln an und schärft ihre Sinne: Die Doppelkupplung wechselt die Gänge jetzt mit der Brutalität von gut geführten Handkantenschlägen, das Fahrwerk wird Bocksteif und die Lenkung reagiert messerscharf auf die kleinste Bewegung am sportlichen Volant. Dass man dabei trotzdem immer nah an der Ideallinie bleibt und dem Grenzbereich ohne Risiko gefährlich nahe kommt, liegt an der wachsamen Elektronik und am Allradantrieb, der den kompaktem Kraftprotz stur auf Kurs hält.

Doch sind die Steuergeräte keine Spaßbremsen. Sondern wer sich tief durch die vielen Menüs des Bediensystems hangelt, der kann die Leinen immer weiter lockern und mit der A-Klasse sehr zur Freude des Reifenhändlers sogar im Drift über den Kurs kacheln.

Dazu gibt es wie immer ein Design, das die Kraft auf Anhieb erkennen lässt. Deshalb hat AMG nicht nur die Schürzen und Schweller ausgetauscht und einen schmucken Spoiler montiert. Sondern es gibt natürlich auch einen neuen Grill und weiter ausgestellte Kotflügel, die Platz machen für eine Vorderachse mit größerer Spurweite. Dazu noch ein Interieur mit tiefer ausgeschnittenen Sitzen, griffigerem Lenkrad und reichlich Karbon auf den Konsolen und schon ist die A-Klasse fit für das aktuelle Sportstudio.

Mit dem neuen Motor geht auch eine Umstellung in der Produktion einher. Wurde der bisherige Vierzylinder noch aus einem Mercedes-Werk in Kölleda zugeliefert, baut AMG den neuen Treibsatz künftig in Affalterbach selbst und wendet dafür ein Prinzip an, das man sonst nur von sehr viel exklusiveren Modellen kennt: One Man, one Engine. Jeder Motor wird von einem einzelnen Mitarbeiter weitgehend in Handarbeit montiert, und als letzten Handgriff bestätigt der Monteur die Eigenleistung mit einer Plakette, auf der sein Name steht. Dieses Ehrenabzeichen könnte die Kunden allerdings teuer zu stehen kommen: Denn unter 60.000 Euro dürfte zumindest das S-Modell kaum zu bekommen sein. Verdammt viel für eine A-Klasse, aber gemessen an einem Porsche 911 noch immer ein Schnäppchen – selbst wenn sie in Zuffenhausen mit dem neuen Basismodell gerade den Preis um 15.000 Euro gesenkt haben.