MG Marvel R Performance: Identitätskrise

Auf den Image-Lorbeeren der Vergangenheit wollen die Begründer der Great-British Roadster einen neuen Anlauf versuchen. Ohne Roadster. Und auch ohne Great-British. Dafür aber elektrisch.

„Like a phoenix from the ashes“. So soll die nächste Generation der klassischen Engländer ganz ungeniert aus China kommen. Im Automobilsektor auf Konzernebene spielt der SAIC-Konzern schon lange mit, für den asiatischen Absatzmarkt wird unter anderem für die Volkswagen-Gruppe oder General Motors auf Lizenz produziert. Sämtliche Vorurteile über die Qualität der Produktion, sollten also schon im Vorhinein zur Gänze vergessen sein. Auch das neue Design kann sich sehen lassen. Nach den beiden braven ZS und EHS Modellen, nimmt MG den großen Bleistift in die Hand und zeichnet ein neues Topmodell. Scharfe Kante und viel Licht zeichnet die neue Linie aus.

Die neue Speerspitze

Das Topmodell hört auf den Namen Marvel R, ist natürlich vollelektrisch angetrieben und teilt mit den Vorfahren aus England nur noch das Badge auf der Motorhaube. In der allradangetriebenen Performance Variante speisen drei Elektromotoren die vier Räder mit bis zu 288 PS. Wie von der Tarantel gestochen gehen ja eigentlich eh alle E-Autos, da will sich auch der Marvel R keine Blöße bieten, in 4,9 Sekunden knackt der britische Chinese die 100 km/h.

Kein Raststätten-Sightseeing

Das macht Laune, keine Frage, wer aber zu viel mit dem Gaspedal des MG Marvel R flirtet bekommt diese aber bei der Ladesäule quittiert. Maximal 370 Kilometer gibt MG für die Performance Variante an, unter realen Bedingungen und besonders auf der Autobahn, sollte man aber eher mit 320-330 Kilometer rechnen. Wer eine Schnellladesäule erwischt, kann in knapp 40-Minuten auf 80% der 70 kWh starken Batterie, nachladen.

Um im Vergleich zu aktuellen Top-Modellen wie dem Hyundai Ioniq 5 oder Skoda Enyaq mithalten zu können, müssen nicht nur die Fahrleistungen stimmen. Auch der Innenraum ist seit Revoluzzern wie Tesla ein zentraler Platz um zu zeigen was man drauf hat. In Cognac-Braun gehalten, strahlt das Leder-Alcantara Interieur vom Marvel R Souveränität aus. Egal was man angreift, es passt einfach, sowohl von der Verarbeitung als auch vom Material.

Digitalo

Das vertikale, 19,4 Zoll große, Infotainmentsystem spiegelt den chinesischen Part des Autos gut wieder. Eine einfache Menüführung und viele verschiedene Individualisierungs-Optionen lassen keine digitalen Wünsche über. Einzig der Prozessor ist ein wenig müde und scheint überfordert mit dem riesigen Display.

Anders als bei der Rechenleistung hat MG sich beim Thema Sicherheit ganz und gar nicht lumpen lassen: 15 verschiedene Assistenzsysteme unter dem MG Pilot Label sind im Marvel R verbaut worden. Auch eine eigene 360-Grad Batterieschutz-Zelle wurde für den Ernstfall integriert. Wenn dieser dann doch Eintritt helfen zwar die vielen elektronischen Helferlein nichts mehr, sieben Airbags sollten den Crash dann aber doch so glimpflich wie möglich von statten gehen lassen.

Man kann es ihm versehen, bedenkt man den Einstiegspreis von knapp 50.000 Euro. Klar, eine Menge Geld – in seiner Klasse kann der Marvel R Performance aber durchaus als Sparfuchs durchgehen. Vergleichbare Modelle aus Deutschland kosten mindestens 10.000 Euro mehr.

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