F wie Frontantrieb und Fahrspaß?

Mini Cooper 5-Türer: Wenn Geld auf Bäumen wächst

Ein Dreizylinder, der aus 1,5 Litern Hubraum 136 PS schöpft und diese Kraft über die Vorderräder auf den Asphalt bringt, hört sich nicht gerade nach Fahrspaß an. Außer du sitzt im Mini Cooper 5-Türer.

Text: Maximilian Barcelli

Also gut, da würden uns schon noch viele andere Maschinen einfallen, die für ein breiteres Lächeln sorgen. Ein Dutzend alleine im Hause BMW. Doch die Übertriebenheit macht den Witz. Und dass man mit Vorderradantrieb, 136 PS und 220 Newtonmetern Drehmoment Spaß haben kann, ist sicherlich kein Standard. Wir müssen zugeben: Ja, das macht der Mini schon richtig gut.

Aber wieso? Es liegt nämlich ganz bestimmt nicht daran, dass man mit dem Mini Cooper 5-Türer wirklich flott auf der Landstraße ist. Längsdynamisch sowieso nicht – aber da haben die Deutschen mit britischen Migrationshintergrund, Stichwort John Cooper Works, eh noch andere Sachen in petto – doch auch Querdynamisch beeindruckt er nicht sonderlich. Untersteuern ist kein Fremdwort für den Cooper. Um uns unser breites Grinsen erklären zu können, müssen wir auf einer der am ausgelutschtesten Marketingfloskeln zurückgreifen: Das viel zitierte „Go-Kart-Feeling“.

Die fast senkrechte Windschutzscheibe, die witzigen Armaturen und das sportlich-kompakte Lenkrad – das passt schon alles wahnsinnig gut zusammen. Dann natürlich noch das feine Fahrgefühl: Wirklich schnell ist man, wie eben erwähnt, zwar nicht, aber witzig zu fahren ist der Mini Cooper 5-Türer allemal. Die ganze Fuhre ist sehr direkt, reagiert schnell auf Befehle. Überhaupt ist die Lenkung ein wahres Gedicht. Mehr so von der Sorte Goethe, als nur Cecelia Ahern, Autorin des Romans „PS Ich liebe dich“. Der handelt ja nicht einmal von Automobilen, obwohl es der Titel verspricht. Clickbaiting der Nuller-Jahre, würden wir mal sagen. Aber Spaß bei Seite, zurück zum Mini: Das manuelle 6-Gang-Getriebe des Briten braucht sich nicht zu verstecken und bewandert den schmalen Grad zwischen knackig und komfortabel.

Nun ist es natürlich so, dass ein Mini mit seiner Wendigkeit vor allem im städtischen Gewusel sein Ass im Ärmel ausspielt. Aber auch Städter kommen hin und wieder nicht drumherum, eine längere Strecke in Angriff zu nehmen. Die hat sich im Mini jedoch recht komfortabel gestaltet, Kilometer auf der Autobahn runterspulen klappt für ein Auto von solch einem Format schon überdurchschnittlich gut. Klar, fünf Passagiere inklusive Gepäck wird mit 278 Litern Kofferraumvolumen knapp. Kritisieren darf man das aber nicht. Also dürfen schon, aber man echauffiert sich ja auch nicht am Gepäckraum eines Supersportlers. Ist einfach eine Themenverfehlung.

Was sich allerdings durchaus als an den Nerven zerrend herausgestellt hat, ist der Tempomat. Der lässt sich nämlich nur bis 140 Stundenkilometern einstellen. Und auch, wenn in Österreich sowieso nur auf zwei kurzen Teststrecken auf der Westautobahn 140 km/h gefahren werden darf, so gibt es erstens, auch einen Staat nicht weit von Österreich, auf dessen Autobahnen man legal schneller fahren darf. Und zweitens, lassen wir uns nur ungern von Elektronik einschränken. Punkt.

Aber sei’s drum, so unterm Strich kann der Mini schon sehr überzeugen. Größte Änderung beim Facelift übrigens: Die Heckleuchten, die nun im Union Jack-Design eine britische Atmosphäre schaffen. Auch Innen lässt die Flagge von Großbritannien überm Handschuhfach Insassen niemals vergessen, dass sie in einem deutschen Auto sitzen. Apropos Innen: Der Materialmix ist durchaus hochwertig, vor allem in dieser Fahrzeugklasse. Und bei der Verarbeitung merkt man eben gleich, dass der Mini ein BMW ist – was durchaus positiv zu verstehen ist.

Reden wir noch über den Preis. Natürlich, wir haben einiges an Scheinen, die locker gemacht werden müssen, erwartet. Man zahlt nun mal für die Marke. Das kann man selbstverständlich kritisieren, ist mit einem iPhone in der Hosentasche und einem Hilfiger-Polo aber eher unglaubwürdig. Dass rund 42.000 Euro für unseren, zugegeben top ausgestatteten, Mini Cooper 5-Türer fällig werden, war dann aber doch – gelinde gesagt – überraschend. Einfach ein zu hoher Preis für 3,983 Meter Auto und die überschaubare Leistung.