Range Rover Evoque

Benchmark im Kompakt-SUV-Segment?

Range Rover hat die Kanten des Evoque geschliffen. Charakterlos ist er deshalb nicht geworden. Viel mehr hat sich die zweite Generation des Kompakt-SUVs die Persönlichkeit des Velar einverleibt und ist zu dessen Mini-Version herangereift.

Text: Maximilian Barcelli

Und das ist kein Kritikpunkt, viel mehr ein großes Kompliment. Der Range Rover Velar gehört sicherlich zu den schönsten Automobilen, die in den letzten ein, zwei Jahren auf den Markt gespült wurden (zumindest im SUV-Segment). Cleane Flächen dominieren das Design, der Range wirkt wie aus einem Guss. Die Erfolgsaussichten, unharmonische Kanten zu finden, sind in etwa so groß wie ein Lottogewinn in Millionenhöhe. Jedenfalls: Dem Optikcredo hat sich auch der neue Evoque hingegeben – und das sehr erfolgreich.

Weil die Zeit nicht stillsteht, schon gar nicht in der Automobilwelt, wurde auch das Interieur grundlegend erneuert. Dass einem das Layout trotzdem bekannt vorkommt, rührt daher, dass der kleinste Range Rover das Innenraum-Design von seinen großen Brüdern übernommen hat. Bedeutet konkret: Zwei Touchdisplays, die übereinander angeordnet sind. Während oberer den Hauptteil des (etwas unmodernen, nicht gerade flinken) Infotainments beherbergt, wird mit unterem primär das Klima gewandelt. Wenn es nur so einfach wäre …

Dabei ist die Kombination zwischen analogen Drehreglern und dem Touchscreen nicht nur eine nette Spielerei, sondern intuitiv und praktisch. Auch das Armaturenbrett ist auf Wunsch digital und lässt sich verschiedenst konfigurieren. Persönliches Schmankerl: Das vierspeichige Lenkrad. Es liegt fabelhaft in der Hand und wirkt robust wie elegant zugleich. Was ebenfalls gut gefällt: Die für Range Rover typische, sehr hohe Sitzposition, von der man auf manch Modelle in größeren SUV-Segmenten herabschaut.

Weiters zieren hochwertige Materialien den Innenraum, der Premiumanspruch wird absolut erfüllt – aber nicht nur Materialienmix und Verarbeitung betreffend, auch fahrerisch überzeugt der vornehme Brite.

Es scheint so, als würde man mit einem fliegenden Teppich über den Asphalt schweben. Bodenunebenheiten werden generös weggebügelt. Kurz gesagt: Das Fahrwerk ist butter – nicht nur, aber besonders für diese Klasse. Sportliches Fahrverhalten büßt der Evoque deshalb wenig ein. Klar, der Brite ist echt kein Kurvenheizer, aber schwammig wirkt die Fuhre nicht.

Sein Ding ist aber nicht nur das urbane Gefilde mit seinen bestens asphaltierten Straßen. Oh Wunder: Auch vorm Gelände scheut sich das Kompakt-SUV nicht. Ja, den Range Rover Evoque gibt es auch weiterhin als reinen Fronttriebler. Es gibt ihn aber auch als Allradler mit dem Traktionssystem Terrain Response II, das den Untergrund automatisch erkennt und die Fuhre fit für Stock und Stein macht. Damit sticht der Brite in dieser sehr verweichlichten Fahrzeugklasse heraus – alles andere wäre aber dramatisch, ist ja noch immer ein Range Rover.

Mit einer Länge von 4,37 Metern spielt der Range Rover Evoque in einer Liga mit BMW X1 und Audi Q3 – letzterer beehrte kürzlich unseren Testfuhrpark, weshalb wir den Ingolstädter als Vergleich hernehmen können. Obwohl der Evoque deutlich kürzer ist, verfügt er über 61 Liter mehr Kofferraumvolumen (591 Liter). Und abgesehen von den nackten Zahlen ist der Evoque grundsätzlich das spannendere Auto. Das Design ist markant, der Innenraum hochwertiger und das Fahrwerk komfortabler. Bitte nicht falsch verstehen: Der Q3 ist kein schlechtes Auto, der Evoque einfach ein verdammt gutes.

Fairerweise muss man sagen, dass der Range Rover Evoque doch deutlich stärker ins Budget geht. Mit einem Einstiegspreis von zirka 41.000 Euro ist der Brite rund 6.000 Euro teurer als der Audi. Und nicht nur die Deutschen wissen, wie man dem Kunden mit aufpreispflichtigen Optionen das Geld aus der Tasche zieht. Wert ist es der kleinste Range Rover unserer Meinung nach trotzdem.