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Range Rover (Sport) Diesel: Sechs sticht Acht

Von wegen Imagekrise und Vertrauensverlust: Je größer die Autos, desto geringer die Skepsis gegenüber dem Selbstzünder. Selbst wenn die Regierung noch so viele Fördermittel in den Plug-In pumpt, halten deshalb vor allem die Käufer großer SUV dem Diesel die Treue. Das wissen sie auch bei Land Rover und haben deshalb noch einmal in die vermeintlich totgesagte Technik investiert: Range Rover und Range Rover Sport gibt es aus diesem Grund ab sofort mit einer neuen Generation von Ölbrennern, die sich allerdings nicht der Elektrifizierung verschließen. Denn wer mindestens 71.452 Euro für den Range Rover Sport mit 250 PS oder gleich 105.375 Euro (beides D) für den Range Rover mit dann mindestens 300 PS bezahlt, der bekommt neben sechs Zylindern und drei Litern Hubraum auch einen elektrischen Startergenerator mit 48 Volt-System. 

Von Thomas Geiger

Das ist sicher kein Schaden, selbst wenn die beiden adligen Abenteurer damit keinen Meter elektrisch fahren können. Doch der besonders starke Anlasser hilft auch beim Anfahren und wirft dafür ein paar zusätzliche Pferdestärken und vor allem ein paar hilfreiche Newtonmeter in die Waagschale. Nicht, dass die Diesel allein zu wenig Punch hätten. Schließlich kommt der so genannte Ingenium-Motor in der stärksten der im Sport drei und im Range Rover zwei Leistungsstufen auf 350 PS und bis zu 700 Nm, die selbst mit dem über zwei Tonnen schweren Range Rover leichtes Spiel haben sollten. Doch muss der Sechszylinder den ziemlich konkurrenzlosen V8-Diesel ersetzen und irgendwie einen Liter Hubraum wettmachen. Und da kommt ihm der elektrische Extra-Kick gerade recht. 

Denn auch mit zwei Zylindern weniger mangelt es Sir Range so nicht an jener Souveränität, die den PS-Adel vom automobilen Fußvolk unterscheidet. So wuchtet der Diesel den piekfeinen Kaventsmann nicht nur in 7,1 Sekunden auf Tempo 100 und ermöglicht, wenn’s sein muss, bis zu 225 km/h. Sondern vor allem erweist sich der neue Motor als idealer Partner für eine lange Landpartie. Auf hügeligen Landstraßen hat er genügend Punch für den kleinen Gipfelsturm zwischendurch. Er ist elastisch genug, dass man auch Überholen kann, wenn man mal nicht bis zum Horizont sieht, und auf der Autobahn gibt er den Dauerläufer, dessen Reichweite auch die stärkste Blase aussticht: Bevor der Range Rover in die Box muss, braucht garantiert einer der Insassen einen Boxenstopp. Spätestens da ist der V8-Diesel dann gar vollends vergessen und es reift die Überzeugung, dass Hubraum vielleicht doch durch etwas anderes zu ersetzen ist, als durch mehr Hubraum – Hightech zum Beispiel.

Aber keine Sorge: Die neuen Diesel wollen mit ihrem Mildhybrid nicht nur besser spurten und souveräner gleiten, sondern sie wollen auch sparsamer sein: Weil der E-Motor den Diesel sehr viel komfortabler auf Touren bringt, wird öfter die Start-Stopp-Automatik aktiviert. Und weil er beim Bremsen besser rekuperiert, wird mehr Energie zurückgewonnen. Zwar sind auf diese Weise bis zu zehn Prozent zu holen, doch Wunder darf man vom Mildhybrid freilich keine erwarten, erst recht nicht bei solch feudalen Dickschiffen: 9,2 Liter für den stärksten Diesel im Range Rover und 9,1 für den Range Rover Sport sind deshalb noch immer eine Ansage. Aber wem das zu viel ist, der kann beide Modelle ja auch als Plug-In kaufen, bis zu 46 Kilometer stromern und sich mit einem Normverbrauch von bestenfalls 3,5 Litern brüsten. Und den Mehrpreis übernimmt, der Umweltprämie sei Dank, zum Teil sogar der Staat. Dummerweise wird dabei aber zugleich auch der Verzicht größer. Denn statt acht oder zumindest sechs Zylindern gibt es derer dann nur noch vier, und mit denen macht man in dieser Klasse kaum einen Stich.

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Jakob Stantejsky

Freut sich immer, wenn ein Auto ein bisserl anders ist. Lieber zu viel Pfeffer als geschmacklos.

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