Range Rover Sport SVR: Nicht die feine englische

USP

Range Rover Sport SVR: Nicht die feine englische

Es ist eine rohe Gewalt die da auf dich einprescht, wenn du im Range Rover Sport SVR das Gaspedal bis zum Anschlag runterdrückst. Nichts für schwache Nerven.

Text: Maximilian Barcelli

Der Range Rover Sport SVR ist vieles, ein Leichtgewicht aber nicht. Mehr als 2,3 Tonnen bringt der Panzer auf die Waage – trotz des üppigen Einsatzes von Karbon. Dass Land Rover Jaguar bei der Überdrüber-Version des Sport mit dem leichten Material nicht gerade gespart hat, zeigt sich schon im Innenraum.
Egal ob am Lenkrad, dem Mitteltunnel oder die Einfassung der Lüftungsdüsen – durch das Karbon vergisst man so schnell nicht, dass man in keinem Sport für Normalos sitzt. Okay, zugegeben, das vergisst man sowieso nicht so schnell. Da reicht es schon, wenn der Motor erwacht.
Der ist nämlich so gar nicht die feine englische Art und erinnert eher an Aggregate aus Übersee. Und klingt absolut straßenverkehrsuntauglich, sprich geil. Acht Zylinder, fünf Liter Hubraum und ein Kompressor ruhen unter der Motorhaube, die, natürlich, Großteils aus Karbon besteht. Das sorgt natürlich alles für mächtigen Vortrieb – nach 4,5 Sekunden Vollstoff sollte man sich lieber im Überland befinden, wenn man nicht mit beiden Beinen im Kriminal stehen möchte.
Möglich macht das die absurde Leistung von 575 PS. Drehmoment? 700 Newtonmeter. Jetzt könnte man freilich sagen, dass das alles zwar schon heftig ist, die deutsche Konkurrenz lässt man damit allerdings nicht links liegen. Beim Blick auf die Daten geht es eher umgekehrt zu: Die vorangegangene Generation des BMW X5 schöpft – ebenfalls mit acht Zylindern – als X5 M exakt gleich viel Power, den Hunderter knackt man trotzdem ein bisserl schneller. Und ein Mercedes GLE, der den Affalterbachern unters Messer gekommen ist? Auch V8, allerdings mit 10 Pferdchen mehr unter der Haube. (Sowohl X5 als auch GLE der letzten Generation, da die M- und AMG-Versionen der neuen Generation noch auf sich warten lassen.)
Wenn man also kein totaler Jaguar Land Rover-Fanatiker ist oder einfach ein bisserl was exotischeres durch die Straßen peitschen möchte, weshalb zum SVR greifen? Wie sieht’s aus mit USP und so?
Nun, der Range Rover Sport SVR hat etwas, das die beiden – und ziemlich viele andere europäische Vehikel – nicht haben: Eine Kompressor- statt Turboaufladung. Die Vor- und Nachteile einer solchen seien jetzt dahingestellt, was wir aber auf jeden Fall in die Pro Kompressor-Spalte einsortieren würden, ist die Klangkulisse. Zwar kitzelt vor allem AMG aus den Biturbo-V8ern einen richtig rotzigen, pubertären Klang raus, doch so rauchig wie im Sport SVR? Fehlanzeige. Auch der – in Anbetracht der heutigen Zeit – riesige Hubraum trägt zum Sound bei. Gänsehaut!
Noch so ein Alleinstellungsmerkmal: Das erhabene Fahrgefühl, das mit der doch wesentlich größer ausgefallenen Fahrzeughöhe zu erklären ist. Weshalb man auch den Beschleunigungsakt viel intensiver erlebt, weil im Range Rover Sport mehr LKW- denn PKW-Feeling auftritt. Ein sehr wendiges LKW-Feeling, allerdings. Klar, Sportwagen ist er keiner – auch wenn der Motor es vermuten lassen könnte. Doch für ein Fahrzeug dieser Abmessungen und dieses Gewichts lässt sich der SVR schon wirklich beeindruckend ums Eck schmeißen – dem überarbeiteten Fahrwerk sei Dank.
Ob wir deshalb überrascht waren? Nur mäßig. Immerhin trug der Range Rover Sport SVR vor gar nicht allzu langer Zeit den Titel „King of the Ring“, zumindest in der SUV-Klasse. Mittlerweile jedoch schlüpfen diese Power-SUVs aus der Erde wie Murmeltiere im Frühling. Es gibt also viel Konkurrenz, der Brite kontert mit Alleinstellungsmerkmalen. In einem sind sie aber eh alle gleich: dem Geld. Mit einem Einstiegspreis von rund 170.000 Euro ist der Range Rover Sport SVR genau wie seine Kollegen aus Affalterbach und Co. nämlich kein Schnäppchen.
Und weil wir so viel vom Klang geschwärmt haben, gibt’s auch einen Beweis:

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