Schneeballschlacht im BMW X5 und BMW 8er

Alle Jahre wieder, bevor das Christkind kommt, ruft BMW nach Sölden, wo man im Schnee rumbombt. War vor zwei Jahren der BMW i8 die Tatwaffe und letztes Jahr der 6er GT, so durfte ich diesmal den brandneuen X5 in einer Herz-und-Nieren-Prüfung über den Gletscher jagen. Dass wir am Parkplatz noch ein paar BMW 8er entdeckt haben, die wir dann freundlicherweise ebenfalls betätigen durften, ist nicht gerade als Enttäuschung zu bezeichnen.

Text: Jakob Stantejsky

Doch fangen wir zuerst mit dem eigentlichen Star der Veranstaltung, beziehungsweise auch mit dem volumenstechnisch deutlich wichtigeren Auto an. Denn seit seiner Premiere 1999 hat sich BMWs erstes SUV schon ganze 2,1 Millionen mal verkauft. Mit der neuen, vierten, Generation überarbeiten die Bayern ihren Verkaufsschlager ganz gewaltig und machen so was vorher schon gut war endgültig genial. Er steht jetzt vor allem noch imposanter da, der bullige Bayer. Ein breites Kreuz wie ein Kraftsportler zeichnet ihn aus, aber dennoch verströmt er auch dieses gewisse Luxus-Etwas. Man sieht dem Wagen bei aller Intensität und Robustheit außen dennoch sofort an, dass es im Innenraum garantiert wie auf Wolken zugeht. Aber BMW wäre nicht BMW, wenn man dem Fahrer diese Entscheidung nicht überlassen würde. So gibt es wie immer mehrere Fahrmodi von sauhart bis hauchzart und mit der optionalen Luftfederung lässt sich die Karosserie auch in der Höhe ordentlich in beide Richtungen verstellen. Das ist sowohl für die Dynamik als auch die Offroadtauglichkeit gut. Ein besonders cooles Detail: Falls der X5 einmal mit dem Unterboden so stark aufsitzen sollte, dass die Räder in der Luft hängen, streckt das Fahrwerk seine Federn automatisch nochmal um die letzten paar Zentimeter und kann so doch wieder Grip erzeugen.

Außerdem auch noch ziemlich gescheit ist der Kofferraum. Nicht nur, dass die Gepäckraumabdeckung vollelektrisch zu bedienen ist und per Knopfdruck auch komplett im Boden verschwindet. Nein, sondern im Kofferraum befinden sich auch Metallleisten, dank derer das Gepäck besonders leicht verschiebbar ist. Fährt man jedoch an, erheben sich zwischen diesen rutschigen Leisten Gummibänder, die wiederum jegliches Herumschlittern unmöglich machen. So sortiert man zwar mit Leichtigkeit, doch es poltert nicht im Kofferraum. Alles vollautomatisch, versteht sich.

Doch wenden wir uns ab vom schnöden Alltag und den innovativen Vorzügen des BMW X5 im selbigen. Ab auf die Piste! Hier fällt natürlich vor allem eines auf: Der xDrive-Allradantrieb. Egal ob im 30d, 40i oder im M50d, alle Modelle bewegen sich auf purem Schnee beinahe schon unheimlich präzise. Die beiden Diesel kommen übrigens aus Steyr, nur um das mal erwähnt zu haben. Mit 265, 340 und 400 Pferden sind sie allesamt gut gerüstet und sorgen für flotten Vortrieb. Solang das ESP voll aktiviert ist, ist es fast unmöglich, die Kontrolle zu verlieren. Und glaubt mir, ich habe es versucht. Klar dreht die die Stabilitätskontrolle dann recht schnell mal den Saft ab, sobald die Räder ins sinnlose Rotieren kommen. Aber genau das ist doch der Sinn der Sache. Im Traktionsmodus schwanzelt der X5 dann schon ganz fröhlich hin und her, man wähnt sich allerdings immer noch als Dominator des Winters. Dreht man die Assistenz allerdings komplett ab, weiß man das System erst zu schätzen. Denn plötzlich wird jeder Gasstoß zum Powerslide und bei der Bergabfahrt zieht einen die Schwerkraft in Verbund mit der Fliehkraft gar spontan in Richtung Abgrund. Über zwei Tonnen Automobil können der Physik eben nicht entfliehen. Aber mit voll aktivierter Stabilitätskontrolle und dem intelligenten Allradantrieb ist der X5 schon verdammt nah dran.

So fetze ich also fröhlich den Hang hinauf, egal ob Slalom, langer Drift oder kurviger Ziehweg. Der X5 ist ein echter Spaßmacher – auch auf Asphalt. Wenn man denn möchte. Denn im Komfortmodus und mit sanftem Gasfuß entsteht schon mal Luxuslimousinenfeeling. Im Sport Plus-Modus hingegen fetzt die Landschaft rasant vorbei und dank der Wankstabilisierung legt sich das mächtige SUV so gut wie gar nicht in die Kurve. So fein urprüngliche Sportwagerl auch sind, die Technologie von heute macht Dinge mit Schwergewichtern möglich, die früher nicht denkbar gewesen wären. Und den Komfort gibt’s als Zuckerl obendrauf.

Die meisten X5 werden mit schwerem Gelände kaum je in Berührung kommen, sind wir sich uns doch einmal ehrlich. Aber theoretisch! Falls doch! Er kann’s. Steile glatte Hänge bergab und bergauf, mit zwei Rädern in der Luft auf buckeligem Untergrund, es ist dem Bayer wirklich wurscht. Ungerührt zieht er seine Bahnen und was in jedem traditionellen Geländewagen noch Schwerstarbeit war, gelingt jetzt mit einer Hand am Lenkrad lässig im Sessel lümmelnd. Ein Meisterwerk der Technik, anders kann man es nicht sagen.

Doch wenden wir uns nun flacheren Gefilden zu. Damit meine ich allerdings nicht die Teststrecke, sondern das Werkzeug. Der BMW 8er steht vor mir und presst sich so unfassbar flach auf die Straße, dass die elegant geschwungene Dachlinie einem euphorischen Befreiungsschlag gleichkommt. So sehr mich die bissige Front auch begeistert und so sehr das wirklich knackige Heck auch die Blicke auf sich zieht – schlussendlich kniee ich vor allem vor der Seitenansicht des 8ers nieder. Ein formschöneres Coupé hat man kaum je gesehen. Also los geht’s, Sabber abgewischt und reingesetzt!

Und siehe da! Ich könnte mich rein höhenmäßig mit dem Straßenstreu zwar gefühlt am Allerwertesten kratzen, aber irgendwie schwebe ich im BMW 8er auch weit oberhalb der popeligen Umwelt. Denn im Innenraum kommt sofort Luxusgefühl auf, gemischt mit einer schönen Prise (Was heißt Prise?! Sagen wir Portion!) Sportlichkeit. So flach wie der 8er auf der Straße liegt, so dynamisch fährt er natürlich auch. Aber aufgrund der fast fünf Meter Länge und den zahlreich vertretenen Komfortfeatures kommt das gute Stück eben doch auf fast zwei Tonnen und ist deshalb vielmehr ein schnittiger Gleiter als ein sinnloser Heizer. Der Motor in unserem Testexemplar war aber besonders interessant. Denn im 840d werkelt ein Sechszylinderdiesel mit 320 PS, was jetzt nicht wahnsinnig nach Emotion und Sport klingt, aber einen erstaunlich coolen Kompromiss anbietet. Denn, sind wir uns mal ehrlich, 320 Pferde sind auf der Straße weit mehr als genug und die bringen den 8er dank Selbstzünderdrehmoment (fette 680 Nm Drehmoment stehen zur Verfügung) auch sehr rasch auf Touren. Sparsamer und auf vielerlei Arten günstiger als der 850i mit seinen 530 PS und „auch nur“ 750 Newtonmetern ist die Geschichte dann definitiv. Und das sonore Dieselgrollen passt eigentlich sehr gut zum 8er, der ja wie gesagt eher ein Gentlemansportler als ein Brutalobrecher ist. Zugegeben, ich würde natürlich zu dem Ottoachtzylinder niemals nein sagen, aber der 840d macht sich viel besser, als es man es ihm vielleicht zutrauen würde. Der M8 wird allerdings trotzdem durchaus interessant…

Auf der Straße eine geschmeidige Wucht und am Schnee dank xDrive ebenso souverän wie der X5. Klar, die wilden Offroadexperimente des SUVs schafft der 8er lange nicht, keine Frage. Aber ein Schönwetterauto ist er genausowenig. Nur ins Gemüt scheint mir die Sonne, während ich in den beiden BMW-Neuheiten kreuz und quer über den Berg fetze. War da nicht was mit der Freude am Fahren?