P.S.Hunter rides The Studebaker Lark

Treat her like a Lady

Selbst hier in den Staaten verzieren alten Studebaker Klassiker nur noch selten das Straßenbild. Noch viel seltener sieht man eines der frühen 60iger Jahre Modelle aus der Studebaker-Packard Corporation. Aber noch nie zuvor hatte ich einen in einem solch makellosen Zustand gesehen.

Text: Pacey S. Hunter

Es ist doch immer das Gleiche: Was man hat ist nie genug und was man nicht bekommen kann, ist immer am begehrenswertesten. Die Österreicher treibt es nach Amerika um hier den großen Traum zu leben und die Amis schwärmen nur von europäischen Autos. Das war früher nicht anders und da die kleinen importierten GT Autos den amerikanischen Markt eroberten, versuchte Studebaker 1960 mit dem Studebaker Lark – übersetzt: die Lärche – den kompakten Sportwagen-Sektor zu erobern. Unsere wohlbekannte steirische Eiche hatte dabei jedoch mehr Erfolg als die klassisch amerikanische Lärche, die damals gerade mal mit heißen 90PS aus einem faden V6 versorgt wurden. Da war unser Testwagen, ein Lark VIII, immerhin schon mit einem 180PS starken V8 ausgestattet, das war aber keineswegs das Volums-Modell. Rund 2.500 Dollar musste man damals für den Kompaktsportler hinlegen. Hat man ihn bis heute konserviert, war das doch ein gutes Geschäft:  nowadays ist ein gut erhaltenes Modell in etwa das Vierfache wert.

Ich für meinen Teil wäre vielleicht damals mit der Einführung der Hochleistungsmotoren der „R-Serie“ und diverser Leistungspakete als Kundin zu gewinnen gewesen, doch Mr. und Mrs. Amerika der 60iger Jahre leider nicht.

Bereits einige Jahre bevor unser 1960iger Studebaker Lark vom Band lief feierte Studebaker bereits sein 100jähriges Jubiläum. Man kann also guter Dinge behaupten, dass sich die Marke zu den amerikanischen Urgesteinen des Automobilbaus zählen darf. Der kompakten Lärche kam damals die Rolle des Markenretters von Amerikas ältesten Fahrzeughersteller zu, der Lark sollte die gloriose Geschichte des Studebaker Champion kurz vor dem zweiten Weltkrieg wiederholen.

Studebaker Lark – er sollte die Marke retten

Die Verkaufszahlen der 1960er-Modelle waren zwar recht ordentlich, trotzdem war dieser Traum mit der Einstellung der Produktion im Jahre 66 ausgeträumt. Trotz aller Bemühungen, Stiländerungen, fortschrittlicher Technik und einiger Konstruktionsverbesserungen (am Ansaugsystem und auch an der Lenkung wurde ein wenig herumgebastelt) schaffte es Studebaker nicht, die Verkaufszahlen wieder aus dem Keller zu holen. Allerdings, die Verbesserung der Lenkung war auch wirklich notwendig, denn die kleine Lady war wesentlich schwammiger zu fahren als gedacht. Ich für meinen Teil wäre vielleicht damals mit der Einführung der Hochleistungsmotoren der „R-Serie“ und diverser Leistungspakete als Kundin zu gewinnen gewesen, doch Mr. und Mrs. Amerika der 60iger Jahre leider nicht. Gekauft wurden hauptsächlich die „Big 3“ – GM, Ford und Chrysler.

Der Duft der Frauen

Genug in der Vergangenheit geschwelgt, denn wir haben ja schließlich hier und jetzt eines dieser schönen Exemplare „in der Reiß’n“. Dieser Studebaker möchte behandelt werden wie eine Lady und das verlangt vor allem Eines: Aufmerksamkeit. Und Hut ab: Devin, der charmante Besitzer, hätte nicht mehr Gentleman sein können. Weder zu mir, noch zu seinem Auto. Ich konnte weder ein noch so kleines Fleckchen Rost finden, noch einen mikroskopisch kleinen Riss im gepflegten Leder. Wenn ich mir die Tage so manches neue Gefährt näher ansehe wird mir im Gegensatz dazu leicht mal übel.

Obwohl dieser Lark mit einer Höchstgeschwindigkeit von 106 Meilen angepriesen wurde: eine Viertelmeilen-Queen wird sie nicht, die fesche Studebakerin. Da sind die gut  20 Sekunden für diese Wegstrecke eher nicht ausreichend. Es gilt also, den Duft der Frauen zu genießen und langsam mit ihr durch die Straßen La Jollas in Richtung Sonnenuntergang zu cruisen.