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Dieser 1969er VW T2 Pickup hat 450 Elektro-PS

Seit Elektroautos und damit auch potente E-Motoren zunehmend zu finden sind, ist das Umrüsten von Oldtimern auf Strom ein beliebter Sport unter Tunern geworden. Electric Classic Cars hat sich nun einen VW T2 Pickup aus 1969 zur Brust genommen.

Text: Jakob Stantejsky / Foto: Screenshot via Petrol Ped

Die Briten haben dem alten Herren seine Verbrennergene operativ entfernt und durch den Motor eines Tesla Model S und eine 100 kW-Batterie aus dem Model X ersetzt. Das bedeutet, dass der „Voltswagen“ jetzt nicht mehr 49, sondern 450 PS leistet. Und dass er rund 400 Kilometer weit düsen können soll – eine absolut respektable Reichweite! Das Schmankerl an der ganzen Geschichte: Die E-Maschine liefert ihre Power an die Hinterachse, es handelt sich hierbei also wohl um den spaßigsten T2 aller Zeiten. Denn 450 Rösser, die ab null Umdrehungen schlagartig zur Verfügung stehen, als Hecktriebler zu verwursten, das verspricht ordentlich Action. Und sicher auch ein bisschen Chaos. Damit das nicht überhand nimmt, haben die britischen Bastler ihrem Voltswagen Bremsen von Porsche und Stoßdämpfer von Bilstein gegönnt. Damit das gute Stück sich nicht gleich bei der ersten Ausfahrt selbst vernichtet.

Eine Servolenkung macht außerdem das Steuern leichter und versprüht etwas Komfortfeeling. Drive, Reverse und Neutral werden über den eigens eingebauten Touchscreen am Armaturenbrett gewählt. So weit ist es noch nicht mal bei Mercedes mit deren Bildschirmwüste gekommen. Unterm Strich ist der Voltswagen ein perfekter Allrounder. Praktisch, geräumig, schnell, umweltschonend und extrem stilvoll ist man mit dem Ding unterwegs.

Kaum zu glauben: Diese Autos sind jetzt Oldtimer

Was für Bilder schießen dir durch den Kopf, wenn du an das Wort „Oldtimer“ denkst? Ist es vielleicht ein 1949er Hudson, über dessen monstermäßigen Umbau wir schon mal berichtet haben? Vielleicht denkst du ja auch an die brachiale Rallye-Französin namens Alpine A110 aus den 1970ern? Keine Frage, bei Oldtimern dürften wir alle in eine ziemlich gleiche Richtung denken: Altes Auto, klassisches Design.

Doch hast du mal auf den Kalender geschaut? Exakt, 2020. Damit ist etwas passiert, was vor allem „mittelalten“ Lesern den Kopf schütteln lassen dürfte: In diesem Jahr werden Autos zu Oldtimern, die 1990 gebaut wurden.

Neunzehnhundertneunzig! Das ist nicht nur gefühlt für viele eigentlich weit weniger als 30 Jahre her. Vor allem aber sorgt es dafür, dass jetzt Autos zu Oldtimern werden, die entweder selbst heute noch futuristisch wirken oder aber nach wie vor durch den Alltagsverkehr rollen, oder es zumindest bis vor Kurzem taten.

Bevor wir mit unserer arg junggebliebenen Oldtimer-Parade starten, noch zwei Tipps vorweg: Viele der hier aufgezählten Autos befinden sich trotz Oldie-Status noch auf dem Tiefpunkt der Preis-Parabel. Gute Chancen also für alle, die eine Ballonfinanzierung online abschließen und dann gleich zuschlagen wollen; günstiger werden sie nicht mehr zumal sie bei den Deutschen in den Genuss des H-Kennzeichens kommen, das wird den Markt weiter leeren! Und: Auch von dieser „Young-Oldtimer“-Generation werden mit Sicherheit Modelle in die Liste der historischen Fahrzeuge eingetragen werden. Da lohnen sich die rund 90 Euro für das Bestellen mitunter.

BMW E36 (1990-2000)

Der „dritte Dreier“ von BMW gehört unbestritten zu denjenigen Fahrzeugen dieser Liste, denen man das Alter wirklich nicht ansieht. Der als Coupé, Limousine, Kombi und Compact gefertigte Hecktriebler gilt vielen nach wie vor als einer der schönsten Entwürfe der bayerischen Autoschmiede.
Einziger echter Nachteil: Lange Jahre war der Wagen auch unter Tunern sehr beliebt, dazu auch im (Amateur-)Rennsportbereich. Nach guten Exemplaren muss man deshalb suchen, mitunter unter Zuhilfenahme des offiziellen Clubs. Dafür gibt’s aber Dinge, die heute niemand mehr baut – etwa den unvergleichlich sanften Zwei-Liter Reihensechser im 320i.

Aston Martin Virage (1989-1996)

Der seit 1990 als Coupé und Cabrio erhältliche Virage war Aston Martins Versuch, den in die Jahre gekommenen V8 abzulösen. Doch obwohl der Wagen heute von wirklich vielen wegen seines pantherhaften Designs gefeiert wird, war er wohl für die frühen 1990er zu happig – mit weniger als 900 gebauten Exemplaren aller Varianten war der Wagen ein echter Flop.

Doch wie das mit Flops so ist, sie werden oft irgendwann wertgeschätzt – heute bekommt man den Virage nicht unter 50.000 Euro, gute Exemplare wechseln auch für das Doppelte den Besitzer.

Lamborghini Diablo (1990-2001)

Es ist mit Sicherheit das „teuflischste“ Gefährt unseres Artikels. Und wahrscheinlich auch einer derjenigen Supersportler, von dem dereinst die Historiker sagen werden, dass er ein zeitloses Design hat. Denn wo Countach und Testarossa aus heutiger Sicht ziemlich deutlich die 80er durchblicken lassen, wirkt der Nachfolger des erstgenannten wesentlich frischer.

Unter der Haube des Diablo steckt – natürlich – ein V12, der aus dem Countach übernommen, aber vergrößert wurde, sodass anfangs 5,7 Liter und üppige 492 PS anlagen – das damalige Design-Ziel war es, das weltschnellste Auto zu liefern. Mission Accomplished! 325km/h sind der offizielle Top Speed. Nicht umsonst schrieben die Kollegen von der Autozeitung zum 25. Geburtstag des Teuflischen ziemlich treffend „Mit dem Lamborghini Diablo erlebte die Welt der Supersportler ihr jüngstes Gericht“. Und das gilt auch im Jahr 30 noch unangefochten.

Opel Calibra (1989-1997)

Zugegeben, vonm Lamborghini zu einem Opel zu wechseln, hat denselben Touch, als würde man aus einer brandneuen E-Klasse in einen durchgesessenen Polo umsteigen. Allerdings wäre das beim Calibra reichlich unfair. Denn was am 29. Mai 1990 in die Showrooms rollte, war für damalige Verhältnisse ein echter Volkssportler, der die Linie der Mantas und Capris dieser Welt in schönster Manier fortführte.

Gut, die Basis war der zeitgleich produzierte Mittelklasse-Biedermeier Vectra A. Und in der Grundversion arbeitete unter der Haube ein schwachbrüstiger Zwei-Liter Vierzylinder mit acht Ventilen, der seine gerade mal 115 Pferde nur an die Vorderachse abgab. Aber: Am anderen Ende der Leistungsskala saßen der legendäre C20LET, Opels Zwei-Liter-Sechzehnventil-Turbo, den sie aus dem nicht minder legendären C20NE entwickelt hatten. Der stemmte damals spektakuläre 204 Serien-PS – auf alle vier Räder. Etwas weniger potent, dafür aber mit sechs Zylindern versehen war der später nachgelegte C25XE, ein V6, der 170PS leistete, aber nicht als Allradler verfügbar war.

Leider teilt sich der Calibra das Schicksal mit dem BMW E36: Er war viele Jahre lang bevorzugtes Tuning-Objekt – dass auch er unter Opels Rostproblemen der damaligen Epoche litt, kam zumindest bei den ersten Modellen noch hinzu.

VW Golf II Country (1990-1991)

Heute, im Zeitalter der SUVs, machen es sich Hersteller recht einfach – da wird oft genug eine normale PKW-Basis durch einige wenige Designänderungen zum hochgelegten City-Geländewagen. Auf den ersten Blick könnte man das auch VW vorwerfen, der Golf Country sieht zunächst wie ein höhergelegter normaler Golf II aus.

Allerdings gab man sich in Wolfsburg bzw. Graz, wo die Endfertigung bei Steyr-Daimler-Puch stattfand, deutlich mehr Mühe. Denn der Golf war durch den unter die Karosse montierten Rohrrahmen, von dem die vorn und hinten montieren Rammschutze abgingen, sowie das Synchro-Getriebe mit Viscokupplung ungleich geländegängiger als die meisten heutigen SUVs – obwohl es mangels vollwertigem Allradantrieb auch nicht zum vollwertigen Geländewagen gereichte.

Zielgruppe des vornehmlich (es gab sehr seltene Sondereditionen) mit 98-PS-Vierzylinder erhältlichen Gelände-Golfs waren damals alle, deren Beruf oder Freizeit sie in leichtes Gelände führte – etwa Jäger, Wanderer usw. Und auch wenn der Wagen aus heutiger Sicht durchaus ein wichtiger Wegbereiter für den SUV-Trend war, wirkt er heuer wegen seines bereits 1983 erschienenen Designs „Oldie-mäßiger“ als viele andere Fahrzeuge mit Baujahr 1990. Auch er war kein sonderlicher Erfolg, wurde knapp 7800 Mal produziert. Aber er ist ein Exot mit einer starken Fangemeinde, der jedoch leider selten geworden ist.

Weitere Nennungen
Diese fünf Oldies haben wir mit Absicht ausführlich beleuchtet, weil sie ein sehr schöner Schnitt für die Autowelt 1990 waren. Allerdings kamen in diesem Jahr auch noch andere Modelle auf den Markt:

Mazda MX-5
VW T4
Toyota MR-2
Volvo 900er Serie
Audi 100 C4
Ford Escort ´91
Audi S2
Lotus Elan

Etwas abwegig war dazu der Mini, das klassische Original, wohlgemerkt. Der wurde 1990 mit der sportlichen Cooper-Variante nochmals revitalisiert und blieb tatsächlich noch bis 2000 in Produktion – nachdem er bereits 1959 herausgekommen war.

Edel-Altblech auf Winterreise

Es ist wieder einmal so weit! 52 Starter mit Fahrzeugen aus 5 Jahrzehnten bestreiten von 3. bis 5.1.2020 die 24. Ausgabe der Planai-Classic. 

Foto Header: Ondrej Kroutil

Allen Teilnehmern und Fans dürfte die Vorjahres-Ausgabe der Planai-Classic noch gut in Erinnerung sein. Kein Wunder, denn pünktlich zum Start in Schladming brach der Winter über das Teilnehmerfeld herein – und brachte ein Schneechaos der Extraklasse mit sich. Härteste Bedingungen verlangten Mensch und Maschine alles ab, die Sonderprüfungen verdienten sich ihren Namen ganz besonders und der 40er-Schnitt war über weite Strecken nicht ansatzweise erreichbar. Die Bilder des Oldtimer-Walzers in Schneeweiß gingen letztes Jahr um die Welt …

 

Mit Prominenz aus Fleisch und Blut …
Das Sieger-Duo Florian und Alexander Deopito ist heuer natürlich erneut mit von der Partie. Mit dem eigentlich nicht so winterfesten, dafür umso beherzter bewegten Mercedes-Benz 350 SLC, wollen sie die Siege der beiden Vorjahre verteidigen. Rennfahrer-Legende Hans-Joachim Stuck wird mit einem Werks-Rallye Golf G60 als Vorausfahrzeug unterwegs sein, Schauspieler Wolfgang Böck, sonst eher dem englischen Automobil verhaftet, wird auf einem 68er Porsche 912 aus der Car-Collection Wittner starten. Ex-Rapid Präsident und Mobilfunk-Experte Michael Krammer nimmt die Rallye auf einem Fiat 850 von 1965 in Angriff.

Foto: Martin Huber

… und Blech und Benzin.
Unter den automobilen Schätzen sind vor allem zwei Vorkriegs-Modelle hervorzuheben:

Beim ältesten Teilnehmer im Feld handelt es sich um einen OM MM Superba von 1927, MM steht dabei für Mille Miglia, die das italienische Meisterstück dereinst gewann. Nicht viel jünger ist ein Riley 12/4 Special von 1936, der das Berliner Team Alexander Haller nebst Co-Pilot Lukas Lechler völlig ungeschützt den frostigen Bedingungen aussetzt. Da herrscht definitiv Haubenpflicht!

Doch auch wenn es dieses Jahr nicht nach dem ganz großen Winterwunderland aussieht, wird die Planai-Classic garantiert wieder für eine Menge Spaß und Furore sorgen. Geniale Bilder springen sowieso immer dabei heraus.

 

Welche Boliden lassen sich am Start blicken?
Jaguar XK und Mk II, Volvo PV 544, P1800, 144S, 121 und 142 S. Ford Anglia, Escort, Mustang und Capri, Porsche 356, 911, 914/6 und 912, Mercedes 200 und 350 SLC, VW-Käfer, Lancia Fulvia, MG B und C, Fiat 850, BMW Alpina, Lotus-Cortina, Jensen CV8, Opel-Kadett, Steyr-Fiat 1500, Mini-Cooper, Fiat-Abarth 2300 S, Oldsmobile Delta 88 und ein Datsun 240Z.

 

Der Defender wird zum 450 PS-Cabrio

Auch wenn der neue Land Rover Defender mittlerweile, nach jahrzehntelanger Warterei, offiziell angekündigt ist, erfreut sich der Altmeister ungebrochener Beliebtheit. Außerdem ist er jetzt als Sportcabrio zu haben – so ungefähr halt.

Text: Jakob Stantejsky / Fotos: Overfinch

Die Londoner Land Rover-Behübscher Overfinch wollen den originalen Defender ganz offenbar nochmals gebührend in den Ruhestand verabschieden und bieten deshalb nun einen Umbau namens „Defender Redefined by Overfinch“ an. Der schlägt in vielerlei Hinsicht ganz gewaltig über die Stränge, schließlich handelt es sich nicht nur um ein Cabrio, sondern unter der Haube befindet sich auch noch ein V8, der über 450 PS produziert.

Dafür haben die Briten nicht einfach einen Defender Works V8 überarbeitet, sondern ganz eigenständig einem „normalen“ Defender eine 6,2 Liter große Achtzylindermaschine eingepflanzt. Und eben auch das Dach abgezupft. Das Interieur kann sich auch sehen lassen und hat mit dem Original nicht mehr viel zu tun. Dieser Defender passt zwar eher nach Monaco als ins Unterholz, dürfte seinen Geländejob aber durchaus auch noch draufhaben.

Wobei es da um die herausgeputzte Außenhaut schon fast schade wäre. Denn unterm Strich sind 18 Zoll-Aluräder einfach nicht für Offroadabenteuer geschaffen. Aber cool ist dieses Teil zweifelsohne. Und wer doch lieber beim Original bleibt, kann das ja tun. Aber 450 PS hätten wir doch einfach zum Spaß an der Freude gern in einem Defender. Nur mal so zum Ausprobieren.

Die 1967er Corvette Stingray auf modern

Wie weit die Kunst der digitalen Bearbeitung mittlerweile gekommen ist, macht sich nicht nur bei Actionfilmkrachern bemerkbar, sondern auch bei Renderings. Die sehen mittlerweile täuschend echt aus, so wie diese modernisierte Corvette Stingray aus 1967.

Text: Jakob Stantejsky / Foto: TheSketchMonkey

Nur um eines direkt klarzustellen: Nein, wir finden nicht, dass die sowieso schon obergeile Corvette Stingray von damals irgendeine Behübschung braucht. Aber es ist doch immer wieder ganz interessant zu sehen, wie solch legendäre Fahrzeuge in modernem Gewand dastehen würden. Und Marouane Bembli alias TheSketchMonkey hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet. Denn mit zarten Retuschen holt er das Blechkleid der Stingray ins Jahr 2019, ohne dass man sie jemals verkennen könnte. An der Front gibt es ein etwas deutlicheres Update: Die neuen Scheinwerfer passen mit ihrem bösen Blick und der scharfen Formensprache aber perfekt zur kantigen und doch so schwungvollen Corvette aus den Sechzigern.

Im Video oben zeigt und erklärt Marouane Bembli übrigens, wie er die Corvette Stingray in die Gegenwart übersetzt. Ihm dabei zuzuschauen ist ja schon recht cool, aber je länger ich das tue, umso mehr will ich so etwas selbst können. Aber vielleicht sollte ich das um euret Willen lassen. Denn wenn ich erst kompetenter Render-Artist wäre, würdet ihr permanent mit Kreationen wie dem Fiat Multipla Coupé oder dem Jaguar E-Type-Kastenwagen zugespammt werden. Und das will doch keiner. Oder…?

Mercedes Vision Simplex: Ein Oldtimer aus der Zukunft

Von wegen Ladenburg, Bad Canstatt oder Stuttgart – wer auf die Suche nach den Wurzeln von Mercedes geht, der wird streng genommen erst in Nizza fündig. Denn dort residiert um die Jahrhundertwende ein gewisser Emil Jellinek. Der Geschäftsmann aus Österreich-Ungarn ist nicht nur leidenschaftlicher Autofahrer und erfolgreicher Fahrzeughändler, sondern auch Vater einer angeblich bildhübschen Tochter. Und als er bei der Daimler-Motorengesellschaft im Jahr 1900 mit vielen eigenen Konstruktionsvorschlägen ein neues Fahrzeug bestellt, soll es den Namen seiner Tochter tragen: „Mercedes.“

Von Thomas Geiger

So, wie sich der Name festsetzt und für die Ewigkeit etabliert, so tut es auch die Konstruktion. Denn der unter dem Kürzel Mercedes 35 PS entwickelte Wagen, mit dem Jellineks Mannschaft bei der Jungfernfahrt während der Rennwoche von Nizza hinauf zum Bergdorf La Turbie die Konkurrenz in Grund und Boden fährt, markiert die Abkehr von der Kutsche mit Motor und gilt als erstes modernes Auto: Frontal verbauter Motor, Kotflügel, vier gleich große Räder, mittig angeordnet der Platz für die Passagiere und eine Silhouette geprägt vom hohen Aufbau und der flachen Haube – so wird mit dem Mercedes 35 PS das noch heute gültige Drei-Box-Design geboren.  Und ganz nebenbei ist der Mercedes 35 PS so einfach zu bedienen, dass ihm der deutsche Kaiser kurz danach den Namen „Simplex“ gibt.

All das müsste eigentlich nur die Historiker interessieren – wenn Mercedes jetzt nicht zurück zu den Wurzeln gefunden hätte. Denn nachdem das vor allem aufs Interieur spezialisierte Designstudio in Como ohnehin aus allen Nähten geplatzt ist, haben die Schwaben jetzt stattdessen vor den Toren von Nizza ein neues Kreativcenter eröffnet, wo sie ganz nah am Kern der Marke an derer Zukunft feilen. Das ist in diesen Tagen wichtiger denn je. Denn selten hatten die Designer so viel zu tun wie heute. Nicht nur, dass ihre Disziplinen immer umfassender werden und sie sich zunehmend auch um das so genannte User Interface, also die digitale Erlebniswelt der Autos kümmern müssen. Sondern mit der temporären Koexistenz von konventionellen und elektrischen Fahrzeugen wächst auch die Modellpalette und die neue Antriebstechnik braucht auch eine neue Formensprache. Und als wäre das nicht schon genug, steigt zudem die Bedeutung des Designs: In Zeiten, in denen Technik immer vergleichbarer wird und Fahrdynamik immer weniger eine Rolle spielt, geht es mehr und mehr um Marke und Ästhetik. Designchef Gorden Wagener will Mercedes deshalb – auch hier in Nizza – vom Premiumhersteller zur führenden und meist geliebten sowie begehrtesten Designmarke der Welt machen oder in anderen Worten: „The most loved luxury brand“.

Und um diese Liaison aus Geschichte, Gegenwart und Zukunft am neuen Standort gebührend zu feiern und zugleich seine Leidenschaft für Luxus zum Ausdruck zu bringen, hat Designchef Gorden Wagener den Simplex kurzerhand von gestern nach morgen katapultiert. Geblieben sind dabei die freistehenden Räder und die beiden offenen Sitze kurz vor der Hinterachse. Doch wie man es von Wageners EQ-Modellen kennt, trägt der Simplex nun einen digitalen, schwarzen Kühlergrill, auf dem der Mercedes-Schriftzug nur noch eingeblendet wird. Der Rahmen darum ist nunmehr in Messing statt in Roségold gehalten und die offene Bank für Fahrer und Sozius gleicht mit aufwändig gesteppten Polstern und verspielten Instrumenten einer Schmuck-Schatulle. Und wo bislang ein Vierzylinder aus üppigem Hubraum mickrige 35 PS schöpfte, surren jetzt vier elektrische Radnaben-Motoren, die zumindest in der Theorie deutlich mehr Tempo erlauben als die rund 90 km/h, die in der Mercedes-Chronik für den „ersten Supersportwagen“ der Automobilgeschichte geführt werden. .

Doch so liebevoll Wagener und seine Mannschaft den Simplex 2.0 jedoch gestaltet haben, hat er einen entscheidenden Nachteil: Er kann nicht fahren, sondern ist nur eine Skulptur. Für ein voll funktionsfähiges Modell waren die Kosten zu hoch und die Kapazitäten zu knapp. Denn angesichts der bevorstehenden Umwälzungen in der gesamten Branche und im Mercedes-Portfolio haben Designer und Entwickler mit der kommenden Modellpalette mehr als genug zu tun.

Der schönste Miura aller Zeiten?

Viele Petrolheads haben den Lamborghini Miura völlig zu Recht ganz oben auf ihrer Liste der schönsten Autos aller Zeiten stehen. Doch dieser Miura namens Millechiodi (dt.: tausend Nägel) stellt all seine Brüder in den Schatten.

Text: Jakob Stantejsky

Man kann nicht behaupten, dass der normale Miura ein Volumensmodell war. Doch der Miura Jota erlangte als Unikat aus Sant’Agata einen wahrlich mythischen Status. Kein Wunder, schließlich ging das Auto schon nach kürzester Zeit ins Jenseits über, als es nach einem schweren Unfall verschrottet wurde. Der vormalige Besitzer Walter Ronchi, ein milanesischer Geschäftsmann, befand damals, dass dieses viel zu früh dahingeschiedene Meisterwerk in irgendeiner Form ersetzt werden müsste. Gemeinsam mit Achilli Motors, dem italienischen ehemaligen Formel 1-Mechaniker und Rennfahrer Franco Galli und zwei Ex-Mitarbeitern von Lamborghini machte er sich daran, einen Miura P400 S zu etwas Einzigartigem zu formen.

Dabei wurde nicht nur das Ex- und Interieur besonders edel gestaltet, sondern auch den Fahreigenschaften noch auf die Sprünge geholfen. Der Millechiodi ist somit nicht nur der schönste, sondern vielleicht auch der brutalste Miura aller Zeiten. Nach seiner Verwandlung in den 70ern wechselte das Einzelstück einige Male den Besitzer und erhielt dabei hin und wieder Ersatzteile, die dem Original nicht entsprachen. 2015 bekam ihn sein jetziger Besitzer in die Finger, der den Boliden in einer 290.000 Dollar teuren Aktion wieder zu alter Herrlichkeit restaurieren ließ.

Nun steht der Lamborghini Miura Millechiodi übrigens zum Verkauf. An welch feines Sümmchen der Anbieter dabei denkt, wissen wir unglücklicherweise nicht. Oder doch glücklicherweise? Eventuell würden wir nämlich aus den Latschen kippen.

Dieser Schrotthaufen kostet 480.000 Euro

Auf der Monterey Car Week werden jedes Jahr die exklusivsten Fahrzeuge für teuerstes Geld versteigert. Dieses Jahr kam außerdem ein Schrotthaufen unter den Hammer und brachte immerhin 533.000 Dollar (rund 480.000 Euro) ein. Die spinnen, die Reichen.

Text: Jakob Stantejsky / Fotos: Robin Adams/RM Sotheby’s

Maserati 5000 GT nennt sich das verrostete Objekt der Begierde. Von dem eleganten Coupé wurden ab 1959 34 Exemplare gebaut und nur ein einziges vom Designstudio Ghia veredelt. Genau um ebenjenes handelt es sich bei unserem Modell von 1961. Die rollende Rostschicht ist also aufgrund ihrer Seltenheit trotz ihres Zustands so immens teuer. Unten könnt ihr euch am Originalzustand der edlen Karosse erfreuen.

Sobald dieser erst wieder soweit wie möglich hergestellt ist, steigt der Wert des Italieners sicherlich in Millionenhöhe. Sowohl der neue Besitzer als auch ein glücklicher Restaurator stehen hier also vor einem guten Geschäft. Auf letzteren wartet jedoch eine Unmenge an Arbeit, denn der 5000 GT stand seit den 1970ern unter freiem Himmel in Saudi Arabien herum – dementsprechend hat sich die Natur daran ausgetobt. Kurz vor seiner Verschrottung erkannte dann doch jemand den Wert des Maserati und so kam es zur Auktion.

In zumindest einem Punkt ist dieser Maserati 5000 GT übrigens doch noch fast neuwertig: Dank seiner jahrzehntelangen Vernachlässigung hat er nur 15.000 Kilometer drauf. Dennoch wird sich der Fünfliter-V8 wie auch das gesamte restliche Auto einer Generalüberholung unterziehen müssen. Denn bei den Bildern unten blutet jedem Autofan das Herz.

638 PS in einem Oldtimer von 1949

Angenommen, ihr fändet einen legendären Oldtimer in armseligem Zustand, was würdet ihr tun? In Tennessee hat jemand seinen Fund zu Icon gebracht, die aus dem 1949er Hudson Coupé ein waschechtes Monster gemacht haben.

Text: Jakob Stantejsky / Fotos: Icon

Im Austausch gegen einen dicken Geldsack hat die amerikanische Tuning- und Restaurationswerkstatt aberhunderte Arbeitsstunden – allein das Interieur verschlang 400 Stunden – in das Hudson Coupé gesteckt. Das Ergebnis ist ein rundum erneuertes Vehikel, dessen Prunkstück unter der Motorhaube lauert. Ein LS9 V8 mit 638 PS und 819 Nm Drehmoment schickt seine gesamte Gewalt über eine 4L85-Viergangautomatik an die neue Hinterachse. Obendrein gibt es natürlich ein komplett neues, tiefergelegtes Fahrwerk und fette Brembo-Bremsen. Irgendwie muss der betagte Herr ja seiner jugendlichen Power Herr werden.

Passend zum Oldschool-Gangster-Flair des Straßenkreuzers wurde das Interieur mit Alligator- und Kalbsleder ausgekleidet. Gefällt sicher nicht jedem, aber muss es ja auch nicht. Schließlich handelt es sich hierbei um ein eigens für einen Stammkunden angefertigtes Unikat.

Wenn ihr noch mehr über das Hudson Coupé erfahren oder das nostalgische Wunderwerk einfach nur in Bewegung sehen wollt, dann gönnt euch doch mal das Video oben. Ansonsten hätten wir unten noch eine kleine Galerie, mehr so im altmodischen Diashow-Stil.