Suzuki Swift: Auf, in die große weite Welt!

Dauertesttagebucheintrag

In die große weite Welt im Suzuki Swift

Eigentlich schaut er ziemlich erwachsen aus, habe ich mir gedacht, als ich unseren Dauertest-Swift vor rund einem Monat abgeholt habe. Aber trotzdem nicht fad, sondern fesch und fresh. Jetzt, vier Wochen später, denke ich noch allerhand anderes über Suzukis Zwergerl und versuche mich in diesem ersten Dauertesttagebucheintrag als Swiftologe.

Text: Jakob Stantejsky

Denn man muss sich schon einlassen auf dieses Auto, um all seine Facetten kennenzulernen. Klar, die Versuchung, ihm einen fetten Stempel mit der Aufschrift „Stadtflitzer“ auf die Windschutzscheibe zu verpassen und es gut sein zu lassen, ist groß – mittlerweile weiß ich jedoch, dass dem Swift damit nicht Genüge getan werden würde. Natürlich liegt das natürliche Habitat des Wunderwuzzis im urbanen Bereich, aber dieser Swift kann und will mehr. Das hat mir die Austattung schon beim Einsteigen signalisiert: Abstandstempomat, Spurhalteassistent – Suzuki macht sein Traditionsmodell fit für die große weite Welt. Doch wie tut er sich da draußen tatsächlich, der Kleine?
Nach zwei Landpartien komme ich zu dem ersten Urteil, dass der Swift tatsächlich auch abseits vom Verkehrsgetümmel und mit mehr Platz und langen Geraden einiges mit sich anzufangen weiß. So kommt er etwa auf der Autobahn nicht schwachbrüstig daher, sondern gibt schon noch einmal ordentlich Zunder, wenn man bei 120 km/h nochmal auf das Gaspedal latscht. Eine stundenlange Autobahnausfahrt habe ich mit ihm bisher nicht unternommen, doch auch in dieser Hinsicht sollte der Kleinwagen nicht enttäuschen – wenn er auch keinen Limousinenkomfort bieten kann und sich unsanfte Unterlagen sowie die Fahrgeräusche mit der Zeit sicher etwas prominenter zur Stelle melden dürften. Das liegt aber in der Natur der Sache und der Swift befindet sich hier definitiv am oberen Ende der Kleinauto-Nahrungskette. Auf der Landstraße sausen wir jedenfalls munter dahin und nehmen jede Kurve mit Freude und einem von der Leichtigkeit des Swiftens beflügelten Lächeln auf den Lippen.
Die Spritzigkeit verdankt der Swift übrigens einer interessanten Motorenentscheidung. So bietet Suzuki einen 1,2 Liter-Vierzylinder mit 90 PS in fünf verschiedenen Varianten an (normal, SHVS, CVT, ALLGRIP und SHVS ALLGRIP) und zusätzlich gibt es einen Dreizylinder mit nur einem Liter Hubraum, der dank Abgasturbolader und Direkteinspritzung allerdings auf 112 PS kommt und somit der Häuptling unter den Aggregaten ist. Letzterer steckt auch in unserem Dauertester und macht dort einen unaufgeregten, aber effektiven und fröhlichen Job. Denn auch wenn der Swift kein röhrender Spurter ist, so schießt er doch recht flott durch die Gegend und gibt einem nie den Eindruck, man würde vom Auto zurückgehalten.
Nach all der (berechtigten) Lobhudelei muss ich jetzt aber auf zwei Dinge zu sprechen kommen, die statt Begeisterungsstürmen bisher regelmäßig Schimpftiraden ausgelöst haben. Einerseits hätten wir da den Notbremsassistenten, den man ja mittlerweile aus zahlreichen Autos aller Klassen kennt: Der hat mich schon einige Male wild angepiept und -blinkt, wenn dazu absolut kein Anlass war. Gut, dass er sich vielleicht ein wenig zu früh meldet, wäre ja okay. Aber mich zu terrorisieren, wenn ich schnurgerade auf eine Gasse zusteuere, in der nunmal links und rechts Autos parken, sorgt lediglich für einen großen Schreck bei mir und damit im schlechtesten Fall erst recht zum Unfall. Ein anderer Kritikpunkt ist der Rückwärtsgang, der hin und wieder unauffindbar ist, bis man ein paar Mal im Getriebe umgerührt hat. Oft kommen beide Probleme nicht vor, sie schmälern auch das Fahrerlebnis nicht, doch ohne sie wäre es einfach noch schöner.

Alles in allem hinterlässt unser Dauertester einen sehr guten Eindruck und zeigt, dass nur die Stadt längst zu klein für ihn ist. Ihre speziellen Anforderungen erfüllt der Suzuki Swift immer noch mit links und verbundenen Augen, doch mittlerweile will er eben auch mal raus in die Freiheit und bietet auch hier großen Spaß im kompakten Paket. Das war’s erst mal, liebes Dauertesttagebuch, in einem Monat sprechen wir uns wieder.

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