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BMW 330d xDrive Touring: Das vollkommene Auto?

Sportiver Auftritt, sparsames wie kraftvolles Triebwerk, dazu ein edler Innenraum, der die Vorzüge der Digitalisierung unterstreicht, ohne aber auf intuitive, analoge Lösungen zu verzichten. Und punkto Fahrdynamik passt, wie man es von den Bayrischen gewohnt ist, sowieso alles. Ist der BMW 330d xDrive Touring das vollkommene Auto?

Text: Maximilian Barcelli

Ein 3er muss sitzen. Mag sein, dass sich hierzulande mittlerweile der BMW X1 besser verkauft. 3.318 gegen 2.668 Einheiten waren es letztes Jahr. Doch wenn’s ums Image der Marke geht, darum aufzuzeigen, wofür BMW steht, ist der X1 so wichtig wie der Sekretär eines Untersekretärs im Landwirtschaftsministerium. Der 3er ist Bundeskanzler. Und Präsident. Vielleicht wurde die neue Generation auch deshalb optisch nur behutsam überarbeitet.

Behutsam freilich nur, wenn man andere neue Modelle aus dem Hause BMW zum Vergleich zieht. Also vor allem jene, deren Nieren auf eine gesundheitlich bedenkliche Größe angeschwollen sind. Im Gegensatz zu 7er und X7 tritt der BMW 3er G20/21 grazil und elegant auf, die Proportionen stimmen. Zwar liegt Schönheit immer im Auge des Betrachters, aber wir meinen hier einen der feschesten Kombis der Neuzeit zu sehen. Gleichzeitig ist das Design massentauglich. Eine Spagat, der nicht immer gelingt.

Überhaupt ist der BMW 3er Touring ein Auto, das viele, schwierige Spagate steht. Viel Gegensätzliches wird kombiniert, jedoch ohne Kompromisse einzugehen. Nehmen wir zum Beispiel den Innenraum: Mal abgesehen vom hochwertigen Materialienmix, bei dem Softtouch und Leder überwiegen, darf sich auch die Verarbeitung über Bestnoten freuen. Und wir freuen uns wiederum darüber, dass es überhaupt noch analoge Knöpfe und Schalter, Regler und Tasten gibt, die verarbeitet werden können!

Man kann es nicht oft genug erwähnen: Die Steuerung des Infotainments oder der Klimaanlage einzig und allein auf den Touchscreen zu beschränken, ist vom verkehrssicherheitstechnischen Aspekt her Bullshit. Deshalb: Danke, BMW, dass ihr an analogen Lösungen festhaltet. Sie sind nicht nur sicherer, sondern auch intuitiver. Geben, zumindest im Falle des 3er BMW, haptisch richtig was her. Und außerdem können wir doch nicht die Einzigen sein, die analoge Lösungen schöner und einladender finden, als so eine bloße Display-Landschaft!

Natürlich lässt sich das Infotainment gleichzeitig via Touch bedienen. Mit „Hey, BMW!“ bittet man die Sprachassistentin zum Dienst, die sich nur in Ausnahmefällen Fehler erlaubt. Und das Digitaltacho rückt wichtige Informationen ins Blickfeld. Wie den Durchschnittsverbrauch, zum Beispiel.

Der ist bei einem 330d xDrive Touring offiziell mit 5,4 bis 5,6 Litern angegeben. Wer das ernst nimmt, der glaubt auch daran, dass der Weihnachtsmann auf seinem Rentierschlitten die Geschenke bringt. (Er verteilt sie in seinem neuen 3er Kombi, ist doch klar: 500 – 1.510 Liter Kofferraumvolumen, Ho-Ho-Ho!) Doch trotz Allradantrieb und großem Motor ist es keine Hexerei, einen Siebener, vielleicht sogar einen Sechser vor dem Komma stehen zu haben. Falls man das überhaupt will. Wir empfehlen, es nicht zu wollen.

Zu verführerisch ist der potente Reihensechszylinder-Diesel: Aus seinen drei Litern Hubraum holt der Turbolader 265 PS raus. Richtig bärig: das Drehmoment von 580 Nm. Das steht schon bei 1.750 Umdrehungen an, was erklärt, warum der 330d xDrive Touring schon von unten raus so bravourös durchzieht. Landstraßentempo ist in nur 5,4 Sekunden geknackt. Und mit einer Spitzengeschwindigkeit von 250 km/h ist auch der Führerscheinentzug leicht gemacht.  

Zu hecklastig verteilt xDrive die Antriebskräfte: Großer Dieselmotor heißt ja eigentlich auch viel Gewicht auf der Vorderachse, was wiederum zu einem tendenziell untersteuerndem Fahrverhalten führt. Der heckbetonte Allradantrieb wirkt da gemeinsam mit dem M Sportdifferential an der Hinterachse erfolgreich entgegen. Der BMW 330d xDrive Touring zieht durch Kurven, dass es eine Freude ist.

Zu präzise werden Befehle am hochwertigen Ledervolant befolgt: Schon auf kleinste Bewegungen am Steuerrad reagiert die Fuhre. Und weil die variable Sportlenkung verbaut ist, ist die Lenkung zwar durchwegs schwergängig, dafür verändert sie ihre Übersetzung etwa beim Parken, Rangieren oder Abbiegen. Ein nicht zu unterschätzendes Komfortfeature!

Und um die Lobhudelei abzuschließen: Freilich sind auch Fahrwerk und insbesondere die 8-Gang-Automatik ganz großes Kino. Aber Sport war schon jeher die Paradedisziplin des 3er Touring. Mit der neuen Generation zieht BMW jetzt auch punkto Praktikabilität nach. Die schon erwähnten 500 Liter Kofferraumvolumen sind nicht mind-blowing, aber solide. Praktisch: Die rutschfesten Leisten im Laderaum fahren erst bei geschlossener Klappe zu, damit das Einschlichten weniger mühsam ist.

Weil die neue Generation deutlich in der Länge gewachsen ist (rund acht Zentimeter), geben sich nicht nur Kinder mit den billigen Plätzen hinten zufrieden, die sich so gar nicht billig anfühlen und auch nicht so aussehen. Was sehr gut ist, weil man sich nach dem Kauf eines BMW 330d xDrive Touring wohl eh keine Kinder mehr leisten kann, außer sie können ihr Leben selbst finanzieren, was selten der Fall ist.

Kurz und so schmerzvoll, wie ein Eiertritt, exekutiert vom Sicherheitsschuhe tragenden Cristiano Ronaldo: 91.789 Euro werden für unseren Testwagen fällig. Wir starten den Versuch einer Relativierung, warum auch immer. Vermutlich, weil uns der BMW 330d xDrive Touring wirklich begeistert hat.

Also: Ein Basis-330d kostet schon eher kinderverträgliche 56.500 Euro. Bedeutet im Umkehrschluss, dass rund 35.000 Euro für Sonderausstattung drauf gehen. Folglich gibt’s ein bisserl Einsparungspotential. Nur bitte nicht das Panorama-Glasdach für 1.260 Euro abbestellen. Oder das 1.600 Euro teure Komfort-Paket, das ergänzt sich so schön zur Modellvariante M Sport für 5.550 Euro. Und Finger weg von der ultrafeinen, 3.655 Euro teuren BMW Individual Volllederausstattung „Merino“ Tartufo/Schwarz. Die muss sein! Dennoch ist es schon möglich, den Preis unter 75.000 Euro zu drücken und der 3er bleibt noch immer ein sehr gut ausgestattetes Auto. Nur: Ob er dann noch vollkommen ist? Die Konkurrenzlimousine aus Ingolstadt hat erst kürzlich gezeigt, was übrigbleibt, wenn man sich bei einem deutschen Premium-Hersteller beim Ausfüllen der Optionenliste in Zurückhaltung übt.

Er lässt uns also zwiegespalten zurück, der BMW 330d xDrive Touring. Ja, mit dieser All-you-can-eat-Ausstattung ist der bayrische Kombi wohl vollkommen. Er fährt sich großartig, Motor und Getriebe sind zum Niederknien. Im Innenraum spielt er sämtliche digitale Stücke. Lässt sich gleichzeitig durch den Erhalt von analogen Elementen äußerst intuitiv bedienen. Und er sieht fantastisch aus, innen wie außen. Aber, Herrgott noch einmal, über 90.000 Euro für einen 3er …   

BMW M340i knallt beeindruckende Zeit auf den Hockenheimring

Das deutsche Magazin sport auto bittet mal wieder zum Track Test auf den Hockenheimring. Heutiger Kandidat: der BMW M340i xDrive.

Text: Maximilian Barcelli

Bis der neue BMW M3 präsentiert wird ist der BMW M340i die sportliche Spitze der Münchner Mittelklasse. Der kann nicht nur verdammt scharf aussehen (besonders, wenn man tief in die BMW Individual-Kiste greift, wie dieses Modell in Nardograu zeig), sondern ist auch noch verdammt schnell. Dafür hauptverantwortlich zeigt sich der zwangsbeatmete Reihensechser, der satte 374 PS an alle vier Räder abgibt. Das Triebwerk macht gemeinsam mit dem heckbetonten Allradantrieb und dem tollen Fahrwerk die beeindruckende Zeit von 2:01,1 Minuten möglich. Zum Vergleich: Auf die Alpine A110S fehlt dem starken 3er nur eine Sekunde und der ein Segment weiter unten angesiedelte Mercedes-AMG A 45 S ist gar um nur vier Zehntel flotter – trotz ordentlicher Mehrleistung.

Mehr vom 3er BMW?

Hier geht’s zum Test!
Und wer’s besonders sportlich macht: Hier fahren wir den „alten“ M3 CS!

BMW M340d: Selbstzündend in 4,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h

Mit dem M340d setzt BMW der neuen 3er-Reihe die Dieselkrone auf. Der Name ist Programm.

Text: Maximilian Barcelli

Exakt 340 PS liefert das Triebwerk nämlich an alle vier Räder. Bei diesem handelt es sich um einen Reihensechszylinder mit Turboaufladung und drei Litern Hubraum. Richtig üppig geht’s Diesel-typisch aber beim Drehmoment zur Sache: Satte 700 Nm stehen ab 1.750 Touren zur freien Entnahme. Das wirkt sich selbstredlich auf die Beschleunigung aus: Lediglich 4,6 Sekunden vergehen, bis die Limousine auf Tempo 100 wuchtet. Beim Kombi sind’s zwei Zehntel mehr.

Damit sprintet der BMW M340d xDrive exakt so schnell auf 100 wie sein großer Bruder M550d. Und nicht nur das: der neulich mit Dieselmotor befeuerte Audi S4 zieht am Stammtisch mit einem Wert von 4,8 Sekunden ebenfalls den Kürzeren.

Der selbstzündende Reihensechser und die mittlerweile fast schon obligatorische 48 Volt-Mild-Hybrid-Technologie sind zwar Herzstück des M340d, doch wer das M-Emblem trägt, selbst wenn es nur ein halbes ist, muss schon mehr in petto haben (weshalb auch die ganzen basisausgestatteten 318d ein solches montiert haben…).

Das weiß auch BMW und spendiert dem M340d Feinheiten wie das Sportgetriebe, das M Sportdifferential, das M Sportfahrwerk und die M Sportbremsen. So, genug des Ms und des Sports an einem Tag. Preislich jedenfalls beginnt der M Sportspaß bei 68.400 Euro. Wer den Touring will, muss mindestens 70.700 Euro blechen. Zum Vergleich: der S4 TDI ist nochmals um rund 4.000 Euro teurer.