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Brabus baut wieder eine G-Klasse mit V12

Aufgebaut hat sich die G-Klasse ihren Ruf eigentlich als unverwüstlicher Geländewagen, der bis ans Ende der Welt fahren kann. Doch AMG und in weiterer Folge auch Brabus haben längst einen weiteren Nutzen für den eckigsten aller Mercedes gefunden. Okay, „Nutzen“ kann man das nicht nennen. Aber sie haben was Nettes draus gebastelt. Nachdem AMG sich beim neuen G 63 auf acht Zylinder beschränkt, hält nun Brabus ein letztes Mal die V12-Fahne in der G-Klasse hoch.

Text: Jakob Stantejsky

585 PS aus einem vier Litern großen V8 klingt für einen Geländewagen sowieso schon nach komplettem Irrsinn. Aber Brabus genügen diese Rookie-Zahlen nicht. Deshalb haben die Tuner nun auf der IAA den G V12 900 vorgestellt. Ja, die Zahlen bedeuten genau das, was ihr gerade befürchtet. 12 Zylinder spucken dank 6,3 Litern Hubraum und zwei Turbos unfassbare 900 PS aus, die theoretisch mit bis zu 1.500 Newtonmetern Drehmoment an der Erdoberfläche reißen. Damit das Monster von Motor die G-Klasse nicht in ihre Einzelteile zerfetzt, wurde das Drehmoment auf 1.200 Nm begrenzt. Ganz sanft also.

Auch die Höchstgeschwindigkeit musste Brabus wohl oder übel elektronisch abriegeln, denn rein karosserietechnisch ist die G-Klasse schlicht und einfach kein Highspeedvehikel. Schon bei 280 km/h ist deshalb Schluss – Moment mal, ZWEIHUNDERTACHTZIG?! In diesem rollenden Rechteck?! Sagen wir es mal so: Ein Erlebnis wäre das sicher. Aber kein Schönes.

Mit vergleichsweise entspannten 100 Sachen ist man übrigens schon nach 3,8 Sekunden unterwegs. Auch dezent abgefahren, diese Zahl.

Damit man den bisher unbekannten Preis (das wird wohl auch so bleiben) noch zusätzlich beliebig ansetzen kann, wird Brabus nur zehn Stück des Gaga-Geländewagens bauen. Höchstwahrscheinlich handelt es sich hierbei um die letzten zehn V12-G-Klassen. Gerüchtehalber kostet der Spaß um die 700.000 Euro, aber das ist wirklich nur Hörensagen. Neben dem Leistungstuning hat Brabus sich natürlich auch optisch an dem ehemaligen Nutzfahrzeug ausgetobt. Vorne, seitlich, hinten, oben, unten und innen wird alles veredelt und kohlefaserlaminiert, was nicht niet- und nagelfest ist. Der Rest dann auch noch. Zum Beispiel mit handlichen 24 Zoll-Felgen. Das ist wohl das erste und einzige Mal, dass die perfekt zu einem Auto passen.

Der Super-G von Alpha Armouring

Nein, hier ist nicht die Rede von einem Wintersport-Bewerb in einem unbekannten Schi-Ort. Bei Alpha Armouring wird die G-Klasse zum Traumwagen für Aufschneider und Angsthasen. Pullman trifft Panzerwagen, sozusagen.

von Thomas Geiger

Alpha Armouring07

 

Mit einer normalen Mercedes G-Klasse kann man in München keinen Staat mehr machen. Denn auf den Flaniermeilen der bayerischen Hauptstadt ist der Geländewagen so präsent wie anderenorts der VW Golf. Doch wenn Klaus Ackermann mit seinem Vierkant aus Graz auftaucht, sind ihm alle Blicke sicher und selbst nach den vielen Porsche, McLaren oder Ferrari dreht sich keiner mehr um. Aber der Chef von Alpha Armouring aus dem Vorort Garching sitzt auch nicht in einer gewöhnlichen G-Klasse. Sondern Ackermann thront bei den letzten Testfahrten im Titan, der zum neuem Flaggschiff in seiner Flotte von bis zu 50 Sonderschutzfahrzeugen pro Jahr werden soll.

Der Super-G

Den Namen kann man dabei durchaus wörtlich nehmen. Denn als Basis für den Umbau dient dem 50-Mann-Betrieb aus dem Münchner Nordosten der G 4x4hoch2, der mit seiner um 30 Zentimeter verbreiterten Spur und den hochbeinigen Portalachsen ohnehin schon eine imposante Erscheinung ist. Doch weil genug nicht genug ist und Ackermanns Kunden meistens Angsthasen oder Aufschneider und bisweilen auch mal beides in einem sind, wird der Bulle von Benz bei Alpha Armouring für bescheidene 900 000 Euro („Plus Steuer, versteht sich“) nicht nur schusssicher ausgestattet, sondern auch noch einmal um rund 60 Zentimeter in die Länge gezogen und stellt so auch den größten Geländewagen auf der Leopoldstraße buchstäblich in den Schatten.

Damit erst gar niemand auf dumme Gedanken kommt, verschafft sich der jetzt mehr als fünf Meter lange Titan mit einem betont finsteren Auftritt zusätzlichen Respekt: Hinter dem Innenspiegel und im Kühlergrill blitzen deshalb auf Knopfdruck Blaulichter auf, die Front schützt ein massiver Rammbügel und mit hunderten von Dekornieten im gewehrkolbengrauen Mattlack sieht der Titan aus wie Rambos Dienstwagen.

Alpha Armouring01 @ Thomas Geiger

Luxuriöser Arbeitsplatz

Währen der Titan damit außen so einschüchternd wirkt wie ein Panzerwagen, ist er innen so einladend wie ein Pullmann. Nicht umsonst hat Ackermann den Wagen mit mehr Lack und Leder dekoriert als die Suiten in einem Luxushotel – Massagesitze, Kühlfächer und Deckenbildschirme inklusive. Und weil Selbstdarsteller schließlich ein bisschen Publikum brauchen, nutzt Alpha Armouring die größere Kabine für eine dritte Sitzreihe im Fond.

Aber auch wer hier nur seinen Job macht und vorne links am Lenkrad sitzt, hat einen luxuriösen Arbeitsplatz. Und vor allem hat er die Befehlsgewalt über einen mächtigen Motor. Denn wenn der 4,0 Liter große V8 aus dem G500 erst einmal von Brabus zurück ist, hat er statt 421 knappe 500 PS und tut sich auch mit diesem schweren Brocken leicht. Bei mehr als 600 Nm jedenfalls fallen auch knapp vier Tonnen nicht ins Gewicht. Selbst wenn ihm beim Sprint ein paar Zehntel fehlen sollten und er nicht ganz die 230 km/h schafft, die Brabus für das Standardmodell verspricht, ist man wie vom Donner gerührt, wenn der Koloss seine Muskeln spielen lässt und unaufhaltsam wie eine Lawine davon walzt. Und vor allem ist man überrascht, wenn man auf die Bremse tritt und einem die Verzögerung buchstäblich den Atem raubt, weil Ackermann der Bremse für das Gewicht den nötigen Biss mitgegeben hat.

@ Thomas Geiger

@ Thomas Geiger

@ Thomas Geiger

@ Thomas Geiger

Stadtauto

Zwar braucht es etwas mehr Umsicht oder eine gewisse Rücksichtslosigkeit, wenn man den Koloss durch die Innenstadt bugsiert. Doch sobald die Kurven weite rund die Straßen breiter werden, taugt der Riese sogar als Reiselimousine: Dem langen Radstand und der breiten Spur sei dank fährt der Titan ruhig und ungerührt und lässt sich anders als die normale G-Klasse weder von Bodenwellen noch von Spurrillen aus der Spur bringen. Und abseits des Asphalts gibt es ohnehin kaum etwas, was dieses Auto stoppen kann.

Aber selbst wenn Ackermann den Motor für harten Offroad-Einsatz speziell abgedichtet und für die Luftversorgung zwei riesige Schnorchel bis aufs Dach gezogen hat, wird man dieses majestätische Auto wohl nur selten im Matsch sehen, räumt der Spezialumrüster ein und erwartet den Titan eher auf dem Boulevard als auf der Buckelpiste.

@ Thomas Geiger

@ Thomas Geiger

Bald is er weg

Sehr zur Freude der lokalen Schickeria wird der Riese aber nicht mehr lange durch Schwabing & Co rollen. Denn nach mehr als einem halben Jahr Entwicklungszeit ist Ackermann mit dem Auto auf der Zielgeraden und bereitet so langsam die Übergabe vor. Wo genau der Wagen hingeht, mag der Firmenchef nicht verraten. Doch während die Münchner Eitelkeiten bald aufatmen und sich mit ihren Ferraris, Porsches oder Lamborghinis wieder der ungeteilten Aufmerksamkeit sicher sein dürfen, ist in irgendeiner ehemaligen Sowjetrepublik die Show für die lokale PS-Prominenz bald vorbei.

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