Beiträge

Probefahrt im Mercedes GLB und AMG GLB 35

Mercedes hat mit dem GLB einen interessanten Weg eingeschlagen. Denn ein als Kompakt-SUV getarnter Van mit sieben Sitzen ist uns davor noch nicht untergekommen. Und dann gibt es diesen Vernunft-Innovations-Hybriden auch noch als AMG. Was soll man davon halten?

Text: Jakob Stantejsky

Er erinnert ein bisschen an die gute alte G-Klasse, dieser GLB. Denn auch bei der handelt es sich ja um eine sehr funktionsbetonte Hülle, in der es dann ganz anders zugeht, als erwartet. Man denke nur an den G 63, in dem die Schere zwischen Optik und Motorisierung so weit auseinander geht wie bei keinem anderen Auto. Auf den ersten Blick ist der GLB also ein (Groß-)Familienvan, der trendbedingt zum SUV umgemodelt wurde. Doch so bieder das jetzt klingt, so begrenzt ist diese Ansicht. Denn das Auto ist nicht nur Mercedes-typisch auf erstklassigen Komfort, sondern auch auf feinste Ausstattung ausgelegt  – vom Interieur über die Assistenztechnologie bis hin zum Fahrwerk. Dieser Wagen ist nicht Mittel zum Zweck, sondern möchte auch seine eigene Note einbringen.

Auf die AMG-Version trifft das natürlich besonders zu. Als GLB 35 leistet der Zweiliter-Vierzylinder saftige 306 PS und ist natürlich auch optisch nachgeschärft worden. Der Spagat zwischen SUV und Sportwagen ist normalerweise bei den Performance-Modellen schon weit genug, doch jetzt handelt es sich auch noch um ein Fahrzeug, das von Beginn an als Siebensitzer konzipiert war – braucht da noch irgendwer eine AMG-Version?

Die Mitfahrer in der letzten Reihe sicher nicht, denn dort dürfte das Mulmigkeitsgefühl bei artgerechter Fahrweise das Vergnügen deutlich überwiegen. Aber zumindest am Fahrersitz macht er schon Spaß, der AMG GLB 35. Der kraftvolle Antritt passt gut zum stattlichen Vehikel, das von innen übrigens viel größer wirkt als von außen. Muss er auch, denn 4,6 Meter Länge sind eigentlich mitten in der Kompaktklasse anzusiedeln. Damit in ein Auto dieser Größe sieben Leute passen, mussten Designer und Ingenieure gleichermaßen tricksen, doch schlussendlich hat es echt funktioniert. Fünf Stunden will man in der dritten Reihe vielleicht nicht verbringen, aber mäßig lange Fahrten sind definitiv kein Problem. Und wenn man die Hinterbänkler dann abgeladen hat, legt man die Rück-Rücksitze einfach um und hat wieder einen schön fetten Kofferraum – bis zu 1.805 Liter können rein.

Auch offline brilliert der GLB übrigens. Auf einem wirklich eindrucksvollen Offroad-Parkour walzt er ungerührt steil bergauf, bergab, über Buckelpisten und Steilkurven. Auch das kann er also. Nachdem wir uns am AMG gütlich getan haben, kommt übrigens auch noch der 220d mit 190 selbstzündenden Pferden dran. Und so lustig die Affalterbacher Überarbeitung auch ist, dieser Motor will irgendwie besser passen. Denn die Gelassenheit und Souveränität des allradgetriebenen Diesels fügt sich hervorragend ins Bild.

Der gigantische Innenraum samt angenehmen Materialien und natürlich dem fortschrittlichen MB UX gibt den Insassen ein entspanntes Wohnzimmergefühl, das auch nach entsprechender Ruhe verlangt. Die hat man im AMG nur mit ausreichend Feingefühl, was einerseits ja Sinn der Sache ist, im Alltag aber wohl nicht immer ganz dazupasst. Für all jene, die voll und ganz auf Vernunft pur abfahren, hat Mercedes auch den 180d als Einstiegsmotor mit 116 PS im Programm, da geht es dann bei 41.650 Euro los. Zusätzlich gibt es noch einen Selbstzünder mit 150 und zwei Benziner mit 163 undd 224 Rossen.

Für Familien mit einem gewissen Bedürfnis nach Stil und Style könnte der Mercedes GLB ein echter Renner werden, schließlich opfert er nicht, wie viele andere Autos, die Praktikabilität dem Design, sondern verbindet beide zu einem idealen Ganzen. Mehr Raum auf diesem Platz gibt es derzeit wohl kaum und das macht den GLB gepaart mit seinem Premiumanspruch zu einer Alternative, die zurzeit keine Alternative hat. Und als AMG GLB 35 ist er halt einfach verdammt witzig. Wer sich der Rationalität also nicht ganz hingeben möchte, greift zum einzigen Familienvan-Performance-SUV dieses Planeten.