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Citroën C3: Hipster ohne Hornbrille

Seit rund einem halben Jahrzehnt präsentiert sich Citroën nun schon im neuen, extravaganten Gewand. Aus den einst recht durchschnittlichen Franzosen sind echte Styler geworden, die nicht jedem gefallen wollen. Ein bisschen so wie Hipster. Nur dass C3 und Co. auf die affige Hornbrille mit Fensterglas verzichten, denn bei aller Andersartigkeit geht es hier immer noch um Leistung, nicht um Blenderei.

Deshalb tritt der kleine C3, um den es im Folgenden geht, auch nicht nur viel selbstbewusster auf als fast jeder andere Kleinwagen, sondern er hat auch allerhand auf dem Kasten. Klar, die Bicolor-Lackierung am Dach und die Plastikbeknubbelung an den Flanken sowie die potenziell 97 verschiedenen Außenstylings helfen weder bei der Höchstgeschwindigkeit noch beim Spritsparen. Doch das Hirnschmalz der Entwickler wurde nicht nur in die Optik gebuttert. Die inneren Werte des C3 stehen bei Citroën mindestens genauso im Fokus. Ob die Außenerscheinung letztendlich schön oder nicht ist, können wir nicht beurteilen. Es ist definitiv eine Geschmackssache, keine Frage. Manche witzeln darüber, andere finden lobende Worte. Fakt ist: Der geneigte Motorjournalist freut sich über ein anderes Auto. Hipster können eben doch cool sein.

Das gilt auch für das Interieur, das in unserem Testwagen eher in gedeckten Farben gehalten ist, das kann man aber auch ganz anders haben. Die Mixtur aus Schwarz, Grau und Beige passt jedenfalls gut zur Dreifaltigkeit aus „Sand Beige“, Schwarz und Weiß außen und vermittelt ein heimeliges Feeling. Dezent, aber Details wie die Holzapplikation im Armaturenbrett und die optisch durchstrukturierten, superbequemen Sitze sorgen für den Wiedererkennungswert. Sonst übt sich das Cockpit in zurückhaltung, vor allem was Tasten und Schalter angeht. Trotzdem ist alles leicht zu bedienen, hier geht Simplizität eindeutig vor übertriebenen Styling-Stunts. Gut so.

Kommen wir zum Fahrerischen, wofür sich in unserem Tester der 1,5 Liter-Vierzylinderdiesel mit 102 PS hauptverantwortlich zeichnet. Der sitzt in einem ausnehmend gemütlich gefederten Gesamtpaket, wie es in dieser Klasse kein zweites Mal zu finden ist. Der C3 mag durchaus der beste Kleinwagen für die Langstrecke sein, vom Fahrkomfort her gesehen. Doch an der Geräuschkulisse gibt es etwas zu mäkeln. Nicht speziell überland, sondern der leider auch nur mit fünf Gängen ausgestattete Antriebsstrang brummelt schon gar vernehmlich durch die Kabine. Gerade beim Beschleunigen ertappt man sich immer wieder dabei, wie man besonders früh hochschaltet, um den Lärmpegel niedrig zu halten.Da wäre der 110 PS-Benziner vielleicht die angenehmere Wahl – wobei der auch wieder drei Zylinder hat … kann auch schwierig sein. Wenn man sich allerdings dran gewöhnt hat und nicht mehr allzu sehr drauf konzentriert, nimmt dieses Manko allerdings eine sehr reduzierte Nebenrolle ein. Für ausgesprochene Dynamiker ist der Citroën C3 sowieso nichts, daher wird sich die nach V8-Sound lechzende Kundschaft in diesem Auto so oder so eher in Grenzen halten.

Wer aber sein Augenmerk auf Bequemlichkeit gerichtet hat und gerne abseits der Norm unterwegs ist, hat hier einen fast alternativlosen Kleinwagen gefunden. Preislich liegt unser Testwagen inklusive einiger auf die Topausstattung Shine draufgepackter Extras bei fairen 23.700 Euro. Das schreckt höchstens verbissene Hornbrillen-Hipster ab. Denn bei denen sollte es ja lieber etwas mehr kosten, schließlich zahlt der Papi. Der Citroën C3 hingegen beweist, dass hip sein – ohne die stereotypisch verzweifelte Gier nach Aufmerksamkeit – auch richtig cool sein kann. Und das reicht ihm. Egal, ob ihn jetzt alle lieben oder nicht, er zieht sein Ding durch.

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Jakob Stantejsky

Freut sich immer, wenn ein Auto ein bisserl anders ist. Lieber zu viel Pfeffer als geschmacklos.

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