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Citroën C3 und C5 Aircross Hybrid: Soft und softer

Citroën hat sich in den letzten paar Jahren wie keine andere Marke gemausert. Aus den recht durchschnittlichen Fahrzeugen der Franzosen sind komfortable Charmebolzen geworden, die sicher nicht jedem taugen, aber dafür umso eigenständiger auftreten. Die Weiterentwicklung des Verkaufsschlagers C3 und der neue C5 Aircross Hybrid präsentieren sich ehrgeizig, bleiben aber beim Fahrgefühl wolkig.

Fotos: Christian Houdek

Denn das ist seit knapp fünf Jahren die neue Identität von Citroën: Modern will man sein, ohne jedem Trend zu folgen. Auffällig will man sein, ohne sich billig anzubiedern. Und Komfort ist gemeinsam mit Originalität die neue Obertugend der Autos aus Vélizy-Villacoublay (Das habt ihr nicht gewusst, gell?). Die eigenwillige Plastikbeplankung diverser Modelle und die quietschbunten Farbkombinationen sind mittlerweile schon zu Markenzeichen geworden. Und ganz klar: Manche lieben den neuen Stil, anderen graust. Gewagtes Design polarisiert eben, das weiß man bei Citroën auch. Aber die Rechnung geht auf, schließlich klettern die Zahlen brav nach oben.

So viel zur Ausgangslage. Der Citroën C3 fungiert als das kompakte Massenmobil, der C5 Aircross Hybrid bietet nicht nur mehr Platz, sondern tritt auch als technologisches Flaggschiff der Marke auf. Im Grunde ihrer Herzen sind die beiden aber ganz eng verwandt. So wird Individualisierung immer groß geschrieben, fett gedruckt und unterstrichen: Der C3 etwa kann in 97 verschiedenen Außenvarianten bestellt werden. Lackierungen, Farbpakete, Dachfarben und Aufkleber sorgen für die schier endlose Qual der Wahl. Nicht jeder will seinen C3 in Elixir-Rot mit Smaragd-Akzenten, einem Opal-Weißen Dach und dem Techwood-Dachaufkleber haben, eh klar. Aber man kann, wenn man will. Und das ist in dieser Klasse ein Alleinstellungsmerkmal. Auch innen gibt es natürlich drei verschiedene Ambiente und die erstmals auch beim C3 verfügbaren Advanced Comfort-Sitze sorgen für noch mehr Bequemlichkeit im Kleinwagen.

Die verstärken auch satte zwölf Assistenzsysteme, die mit an Bord sind – einzig der Abstandstempomat hat es aufgrund technischer Limitierungen nicht geschafft. Aber sonst spielt der C3 wirklich alle Stückerln, sei es in puncto Fahrsicherheit oder Vernetzung. Der große Bruder C5 Aircross Hybrid spielt dieses Konzert natürlich aus dem Stegreif mit, kann selbstverständlich in quasi allen Belangen noch ein bisserl mehr. Bei Ab-Preisen von 11.890 zu 34.490 Euro logisch. Doch beim C5 liegt das Augenmerk ganz klar auf dem Plug-in-Hybridantrieb.

Der setzt sich aus einem 1,5 Liter-Vierzylinderotto mit 180 Pferden und einem 80 kW starken Elektromotor zusammen, die gemeinsam 225 Rosse und 320 Nm Drehmoment mobilisieren. Die Kraft wird dabei per Achtgang-Automatik an die Vorderachse übergeben. Allrad Fehlanzeige. Der Fokus liegt eben eindeutig auf Komfort, nicht auf Bergpartie, SUV hin oder her. 55 WLTP-Kilometer sind elektrisch drin, bis zu 135 km/h geht es ohne Verbrenner – so weit, so Standard.

Bei der Testrunde gibt es keine groben Überraschungen. Im E-Modus fliegt man stumm dahin, erst richtig energische Vollgasstöße wecken den Benziner aus seinem Schlummer. Dann brummt er allerdings unter Volllast auch missmutig. Im Hybridmodus teilt sich das System seine Kräfte selbst ein, das funktioniert unmerklich und geschmeidig. Kraft ist ordentlich da, das spürt man. Dennoch ist der C5 Aircross Hybrid weder scharf noch hart abgestimmt. Seine Stärke liegt im entspannten Gleiten, wilde Beschleunigung befremdet ihn genau wie allzu dynamische Kurvenhatz ein wenig. Aber das ist nicht des Autos Problem. Denn wer sich dieser Tage einen Citroën zulegt, der wird sicher wissen, was er da tut. Denn nicht nur für das extravagante Design muss man sich bewusst entscheiden, auch die totale Hingabe an den Komfort wird offenherzig kommuniziert. Auch hier gilt, es mag nicht jedermanns Sache sein, doch wer es will, wird es lieben. Denn bequemer kann man in dieser Preisklasse nicht unterwegs sein. Punkt. Deshalb ist Kritik hier fehl am Platz, man kauft sich ja auch keinen M3 und motzt dann über das harte Fahrwerk und die engen Sitze.

Während es den C5 Aircross Hybrid nur in einer Antriebsvariante gibt, kommt der C3 natürlich breiter aufgestellt daher. Zwei Dreizylinder-Benziner mit 83 und 110 PS, letzterer auch mit Automatik, sowie ein 102 PS-Diesel werden angeboten. Auf unseren Kurztest haben wir den Selbstzünder entführt, der sich erwartungsgemäß gechillt gibt. Fünf Gänge lassen den Fahrer zwar immer einen sechsten vermissen, insgesamt gibt sich das Auto aber beinahe noch tiefenentspannter als der C5 Aircross Hybrid. Denn wo der immerhin einen ganzen Batzen Kraft mitbringt, ist der C3 komplett auf ruhige Fortbewegung ausgelegt. Klein und wenig ist er definitiv, doch wildes Rotieren ist trotzdem nicht seine Expertise. Doch wieder gilt: Im Gegenzug findet man garantiert keinen Kleinwagen, der mehr Komfort bietet – die neuen Sitze sind wohltuend und von außen dringen weniger Geräusche an das Insassenohr als bei anderen Marken in der Kompaktklasse. Die Federung ist außerdem smoother als ein Seidenpyjama. Das bringt Vor- und Nachteile, doch wer den Citroën C3 artgerecht betreibt, wähnt sich ein bis zwei Klassen höher, was die Geschmeidigkeit angeht.

Citroën geht mit den neuen C3 und C5 Aircross Hybrid all-in auf die Werte, die den Franzosen in der jüngsten Vergangenheit so viel Erfolg gebracht haben. Dabei entstehen zwei Autos, die polarisieren können. Vor allem in puncto Optik und Fahrgefühl. Die (konkurrenzlos komfortable) Nische, die Citroën damit allerdings besetzt, gehört einzig und allein ihnen. Wer sich in seinem Auto richtig wohlfühlen, Stress eine Abfuhr erteilen und Persönlichkeit auf die Straße bringen will, findet zu diesen Preisen keine Alternative. Vom Einheitsbrei ist man mit den beiden Neuen definitiv meilenweit entfernt – und das allein macht sie schon zu richtig coolen Zeitgenossen. Dass sie ihr Ding dazu konsequent und gekonnt durchziehen, sollte auch Dynamikfetischisten Respekt abringen. Gerade wenn man bedenkt, dass auf der anderen Seite des Spektrums derzeit Hinterradantriebe und Zylinder abgeschafft werden und generell viel Persönlichkeit verloren geht. Da wirkt ein Citroën plötzlich viel kompromissloser als so manches Sportmodell. Wenn auch auf andere Art.

Jakob Stantejsky

Freut sich immer, wenn ein Auto ein bisserl anders ist. Lieber zu viel Pfeffer als geschmacklos.

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