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Groupe PSA – Automatisiert Autofahren

Groupe PSA – Automatisiertes Autofahren

I can drive, no hands!

Automatisiertes, gar Fahrer-loses Autofahren hat sich auch die Groupe PSA – Peugeot, Citroën, DS – auf die Fahnen geschrieben. Einen Vorgeschmack lieferte ein kurzer Trip über die Periphérique von Paris.

Text: Beatrix Keckeis-Hiller
Fotos: Groupe PSA

Schauplatz ist die Avenue de la Grande Armée. Das ist jene Prachtstraße in Paris, die vom Triumphbogen zum Place de la Porte Maillot führt. Dort befindet sich das Hauptquartier der Groupe PSA. Auf dem Gehsteig davor parkt ein Citroën C4 Picasso. Garniert mit Antennen, mit fünf Kameras, fünf Radar- und einem Laser-Gerät, adjustiert mit Kabeln, Bildschirmen und Computern. Ans seltsam anmutenden Volant – der obere Bogen ist abgesägt, damit der Blick auf ein weiteres Display garantiert ist – dürfen wir nicht. Vorne sitzen die Technikerin und der Entwicklungsleiter. Mehr als Über-die-Schulter-schauen aus dem Fond ist nicht drin.

Virtueller Pilot

Zuerst geht’s, gewissermaßen manuell, also lenkend, in den wie üblich dicht dahinwuselnden Verkehr à la Parisienne. Durch den Kreisverkehr rund um den Arc de Triomphe. Direkt auf die Périphérique. Einmal eingeschleust in den endlosen, am Vormittag immerhin flüssigen Fahrzeugstrom, geht es los: Auf Tastendruck am Lenkrad wird an den virtuellen Piloten übergeben, damit in den automatisierten Modus gewechselt.

Derweilen legt unsere Chaffeuse die Hände in den Schoß. Oder sie spricht, gewissermaßen händisch, mit ihrem Beifahrer. Lebhaft gestikulierend. Jedoch immer einen Blick auf der Straße oder auf dem Display. Trotzdem werden Erinnerungen wach. An die Flugzeug-Szene aus dem Marx Brothers-Film „A Night in Casablanca“: „I can fly, no hands“.

Befehl per Knopfdruck

Allerdings geht’s auf dem Tablet-großen, zentral postierten Kontroll-Display nicht satirisch, sondern pragmatisch zu: Grün angezeigt ist der korrekte Abstand zum Vordermann, rot markiert sind Hindernisse, etwa Fahrzeuge, auf der Nebenspur. Fahrbahnwechsel, Beschleunigen und Bremsen, das wird automatisch erledigt, das Lenkrad dreht sich von selbst. Auf Wunsch hebt unsere Chauffeuse auch die Hände, streckt sie in die Luft und winkt, wedelt, wachelt. Befehle wie Spurwechsel werden per Tastendruck erteilt. So geht’s dahin. Bis sie auf der Abfahrt von der Autobahn das Lenken wieder reell übernimmt.
Die Basis der Funktion des automatisierten Fahrens ist eine Kombination aus Kommunikationssystemen und elektronischen Fahrhelfern (vom Tempomat bis zum Kurvenfahr-Unterstützer), wie sie großteils bereits Standard sind: Navigation, Infotainment und Telematik, Kamera-, Radar- sowie Laser-basierte Assistenten. Dazu kommen nebst weiterem V2V (Vehicle to Vehicle)- und V2I (Vehicle to Infrastucture)-Verständigung. Was derzeit zur Orientierungs und Ortung das Um und Auf ist, das ist die Infrastruktur. Dazu gehören auch Bodenmarkierungen. Die es auf der Grande Armée und im Kreisverkehr wenn überhaupt, dann nur rudimentär gibt. Weshalb die Autonom-Demonstration erst auf der mit Leitlinien versehenen Stadtautobahn starten konnte.

Alptraum & Wunschtraum

Autonomes Fahren ist für die einen ein Alptraum, für die anderen ein Wunschtraum, für die Gesetzes-Tüftler der Verkehrskommissionen ist es das Credo der künftigen individuellen Mobilität. Wobei: Im Sinne der Bedeutung des Wortes „autonom“, also selbständig, ist die automobile Zukunft wohl kaum, auch das Automobil ist ja nicht selbsttätig mobil, ohne Antriebsenergie – sei es Benzin, sei es Diesel, sei es Strom oder sonst etwas – geht es nach heutigem Entwicklungsstand gar nicht.

Das einmal beiseite gelassen kündet eine Reihe von Autoherstellern – europäische wie asiatische und auch amerikanische – stetig lauter plakativ von ihrem derzeitigen Stand der Forschung und Entwicklung des Zusammenwirkens automatisierter Fahr-Systeme. Recht still war es bislang aus der französischen Ecke gewesen, vor allem seitens der PSA-Gruppe, des Zusammenschlusses der Marken Peugeot, Citroën und DS Automobiles. Doch hat man die Zeichen der Automatisierungszukunft nicht verschlafen. Seit der wirtschaftlichen Konsolidierung des Konzerns wird auch hier in Kooperation mit einer wachsenden Reihe von Unternehmen an der Digitalisierung des Autofahrens gearbeitet. Mit Selbstfahr-Equipment ausgerüstete Prototypen – ingesamt gibt es derzeit sechs, in Europa sind drei unterwegs – wurden bereits unter anderem von Paris nach Madrid und retour geschickt, automatisiert genehmigte Strecken absolvierend.

Individuelle Bewegungsfreiheit

Der Pariser Autosalon und die von der Groupe PSA ausgerufenen Mobility Days waren die passende Plattform, den derzeitigen Stand der Entwicklung live zu präsentieren. Die kurze Fahrt über die Périphérique hat gezeigt, mit welchen Unwägbarkeiten außer fehlenden Leitlinien der Weg zum automatisierten Fahren gepflastert ist: Fußgänger, Radler, Tiere und – in Paris besonders – Motorradfahrer. Propagiert wird das sogenannte autonome Fahrens mit Argumenten (Verkehrs-)Sicherheit und (Energie-)Effizienz. Kaum deutlich ausgesprochen wird das Thema Kontrollierbarkeit. Oder auch Überwachung. „Geführt“ oder auch „ferngesteuert“ trifft damit wohl eher auf die Autofahr-Zukunft zu. Auch wenn es aufregend und spannend ist, die aktuellen technischen Entwicklungen mitzuerleben: Mit der Individualität der automobilen Bewegungsfreiheit ist es möglicherweise bald nicht mehr weit her.

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