Puristischer Performer

Handgerissen und leicht(er): Der Aston Martin Vantage AMR

Zwei Fliegen mit einer Klappe: Beim Aston Martin Vantage AMR dankt das Automatikgetriebe ab. Das macht ihn nicht nur emotionaler, sondern auch leichter.

Text: Maximilian Barcelli

Fast 100 Kilogramm speckt der Vantage als AMR ab – meint zumindest Aston Martin in der Pressemeldung. In eben dieser steht auch geschrieben, dass der neue Vantage AMR trocken 1.499 Kilogramm auf die Waage bringt. Der Vantage für Normalsterbliche (haha) wiegt allerdings auch nur 1.530 Kilogramm. Unser Ding ist zwar mehr so das Schreiben denn das Rechnen, aber dass die Differenz nicht 95 beträgt, können selbst wir uns noch zusammensubtrahieren. Lügt Aston Martin also? Nein. Es wird lediglich ein bisserl verschönt. Denn der Vantage wiegt nur mit den leichtgewichtigen Optionen 1.530 Kilogramm – klar, dass in der einen Pressemeldung das eine, in der anderen das andere steht. Schaut halt netter aus.

Tatsache ist aber: Der Vantage AMR hat mit einer Performance-Version des Vantage etwa genauso viel gemein, wie der Fiat Multipla mit dem 124 Spider. Der von AMG bereitgestellte V8-Biturbo leistet in beiden Versionen zwar 510 PS, ein bisserl Drehmoment verpufft beim AMR allerdings (625 anstelle von 685 NM). Die Beschleunigungswerte haben sich ebenso verschlechtert: Statt der 3,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h sprintet der Vantage als AMR in vier Sekunden auf Landstraßentempo. Tatsache ist aber auch: Das alles ist so relevant wie der Sack Reis, der in China umfällt.

Nein, der AMR ist keine Performance-Version (auch wenn AMR für Aston Martin Racing steht), er ist die Version für Puristen. Und als solche brilliert sie. Da kann die feine 8-Gang-Automatik von ZF noch so schnell die Gänge durchschnalzen, an die Emotionalität eines Schaltgetriebes kommt sie nicht ran. Dieses verfügt über sieben Gänge, die allerdings unorthodox im Dog-leg-Layout angelegt sind. Heißt, dass sich der erste Gang links unten befindet und mit keiner direkten Line mit dem zweiten verbunden ist. Der ist nämlich ein Gasserl weiter rechts platziert, und zwar oben, der dritte ist dann unten, der vierte wieder ein Gasserl weiter oben, und so weiter und so fort. Vorteil: Schnelles schalten zwischen zweiten und dritten, da der erste Gang ja quasi eh nur beim Anfahren verwendet wird. Nachteil: Versehentliches Retour- anstelle von Vorwärtsfahren. Oder so.

Die Dog-leg-Anordnung ist nicht der einzige Kniff, der das 7-Gang-Getriebe optimiert: Das integrierte AMSHIFT-System gibt beim Bremsen und Runterschalten einen automatischen Gasbefehl und ahmt somit die Spitze-Hacke-Technik nach. Zusammen mit den serienmäßigen Carbon-Keramik-Bremsen, die auch zur Gewichtsminimierung beitragen, dem Sperrdifferenzial und vielen weiteren technischen Gewieftheiten, beweist der Aston Martin Vantage AMR, dass er sich unterm Strich doch den Titel „Performance-Version“ verdient – auch, wenn das manuelle Schaltgetriebe Zeit kostet.

Insgesamt werden 200 Stück des Vantage AMR gebaut. Wem das zu unexklusiv ist, der kann zum Vantage 59 greifen, eine ganz besondere Variante des AMR, die 59 Exemplare der 200 ausmachen und wie schon der DBS 59 an den Le-Mans-Erfolg von vor 60 Jahren erinnert. Besonders ist aber auch der Preis: Für den normalen Vantage AMR sind in Deutschland rund 185.000 Euro fällig, beim Vantage 59 sind’s schon 210.000.