Semi-Power-SUV

Honda HR-V Sport: Sein statt Schein

Futuristische Hybridsportler, der schnellste Frontkratzer der Welt und Motoren, die Karosserien zu Formel-1-WM-Titel verholfen haben – Honda und Sport, das passt zusammen wie die Faust und das Auge, wie Snoopy und Charlie Brown, Kebap und Scharf oder seinerzeit BMW und der Heckantrieb. Mit dem HR-V Sport, der viel mehr als nur eine neue Ausstattungslinie ist, stellen die Japaner das mal wieder unter Beweis.

Text: Maximilian Barcelli

Klar, ganz so radikal wie Honda Civic Type R und NSX ist der HR-V Sport nicht – und mit einem Formel-1-Motor hat er höchstens die Größe des Hubraums gemein. Und trotzdem ist das neue Spitzenmodell des Kompakt-SUVs irgendwie genau das, was noch gefehlt hat. Abgesehen von den fahrdynamischen Eigenschaften bekommt man für den Aufpreis von fast 10.000 Euro gegenüber dem Einstiegsmodell auch ein serienmäßig gut ausgestattetes Familienauto.

Das beginnt beim nicht gerade sparsamen Einsatz von rotem Leder. Zwar ist dieses – falls zu knallig – oft ein bisserl zu sehr Porno, beim HR-V gibt die Kombination mit Stoff jedoch eine elegante Figur ab. Zusammen mit der soliden Verarbeitung und dem dominierenden Softtouch vermittelt der HR-V im Innenraum Wertigkeit.

Nur das Infotainment ist nicht ganz so auf zack, obwohl Japan ja eigentlich in genau diesen Bereich vorn dabei ist – quasi das Silicon Valley Asiens. Doch nicht jedes Auto muss ein Smartphone mit Bereifung sein und Must-Haves wie ein manchmal leicht überfordertes Navigationssystem (und eh noch viel, viel mehr) sind sowieso mit an Bord – beim Sport sogar serienmäßig.

Den Wohlfühlfaktor treiben aber nicht nur Verarbeitung und Materialqualität nach oben, auch die Optik des Innenraums ist durchdacht. Gutes Beispiel: die hübsch designten Luftauslässe mit Chromeinfassung. Ebenfalls schön: die Steuereinheit für die Klimaanlage unterhalb des Touchscreens. Der 3D-Effekt des Tachos kann einem gefallen – muss er aber nicht.

Ausschlaggebend für die Wahl zum Honda HR-V Sport ist aber natürlich nicht das sichtbare, sondern das Erfühl- und mehr noch das Erfahrbare. Der Motor zieht mit seinen 182 PS sauber an – und trotzdem ist auch er nur ein Pinselstrich von vielen, die den HR-V Sport zu diesem hübschen Gemälde machen. Einen mindestens genauso großen Anteil am Gesamtkunstwerk haben auch Fahrwerk sowie Federn – und zwar von Haus aus. Den Honda-Ingenieuren gelang nämlich auf ehrliche Weise, also ohne adaptiven Luftzeugs, ein verblüffender Spagat zwischen sportlich und komfortabel. Bei forcierter Fahrt hält der HR-V tapfer die Spur, schwammig wird’s höchstens im Magen vom Beifahrer, und ruhiger gleiten tun sowieso nur Segelflugzeuge – sehr zugespitzt formuliert.

Wer es tatsächlich ernst mit dem Sport meint und diesen nicht nur als Hobby betreibt, der sollte erstens grundsätzlich zu keinem HR-V, sondern eher zum Civic Type R greifen. Und zweitens, wenn’s unbedingt ein HR-V werden soll – weil hohe Sitzposition, weil Gehsteigkanten-verträglich, weil (optisch) familienfreundlicher – dann ist das manuelle 6-Gang-Getriebe Pflicht. Nicht, weil die CVT-Automatik enttäuscht (die soll sogar sehr gut sein), sondern weil das manuelle Getriebe so überzeugt.

Das Rezept: Ein griffiger, kleiner Schaltknauf sowie kurze, knackige Schaltwege und eine feine Übersetzung, die den 1,5-Liter-Turbo gefühlt zum drehfreudigen Sauger graduiert. Beim Ausdrehen knurrt der Motor hörbar, aber unaufdringlich vor sich hin, im unteren Drehzahlbereich herrscht im Innenraum wohltuende Ruhe.

Klar bleibt der HR-V auch als Sport noch immer ein gemütliches SUV, das sich dank 448 Litern Kofferraumvolumen und annehmbaren Platzverhältnissen als Familienwagen qualifiziert und von der absurden Brachial- und Radikalität eines Type R weit entfernt ist. Wenn dann aber der Spross im Kindergarten ist und der Weg ins Büro zufälligerweise über eine mit Kurven gespickte Landstraße führt, dann sorgt der potente Motor zusammen mit dem großartigen Fahrwerk und dem noch großartigeren 6-Gang-Schaltgetriebe schon für ein aufrichtiges Grinsen, das so schnell auch nicht verfliegt – da kann sich der Chef über die Verspätung noch so lauthals beschweren.