Der Mitsubishi Eclipse Cross im Test

Mitsubishi Eclipse Cross: Manga macht Mode!

Der Mitsubishi Eclipse Cross macht einen auf scharf und wild. Inwieweit er das erfüllt haben wir mit rotem Lack & schwarzem Leder respektive Stoff auf 3.000 Kilometern ausprobiert.

Text: Beatrix Keckeis-Hiller / Fotos: Eryk Kepski

Ein Auto, das aus Japan kommt, darf auch so ausschauen. Es scheint im Land der aufgehenden Sonne im Trend zu liegen, sich der eigenen Comic-Kultur zu bedienen: der Mangas, in markig-zackig martialischem Stil. Das suggeriert Entschlossenheit und Wildheit, auch Rasanz. Wie das Exterieur-Design des Eclipse Cross, mit dem Mitsubishi – auch – mit der Mode geht, und zwar mit jener der fast schon grassierenden Karosserie-Fasson der Crossover-Coupés.

Der keilförmig geschnittenen Fünftürer – dreitürige Flachdächler sind in in allen Segmenten ohnehin selten, weil wenig(er) familienfreundlich & praktisch – soll eine Lücke gefüllt werden. Womit nicht jene gemeint ist, die der ins Ausgedinge geschickte Pajero reißt, sondern eine, die man zwischen dem ASX und dem Outlander ausgemacht hat. Weshalb alle drei auf derselben Frontantriebs-Plattform bauen. Ersterer ist um fünf Zentimeter kürzer, Zweiterer 29 Zentimeter länger als der 4,40-Meter-Kompakte mit dem geradezu apokalyptischen Typennamen – Eclipse bedeutet unter anderem die Verfinsterung von Gestirnen -, der sich wiederum auf ein in den 1990er-Jahren kreiertes Sport-Coupé bezieht.

Kleines Herz, großer Auftrag

Eine ganz schöne Befrachtung eines Modells, das im nach wie vor sich scheinbar unaufhaltsam verdichtenden SUV-Segment mitmischen soll. Der Verwandtschaft mit der Allrad-Ikone Pajero trägt er mit optionalem Allradantrieb Rechnung. Das aber auf die heutzutage übliche elektronische Art, ohne Untersetzungen oder gar Differenzial-Sperren. So oder so ist er nicht aufs Gelände-Ackern ausgelegt, er soll den Asphalt-Dschungel erobern.

Dafür präpariert ist er mit einem vergleichsweise kleinen Antriebsherz. Unter der Haube schlägt ein 1,5-Liter-Vierzylinder. Mit Turbo-Aufladung leistet er 163 PS. Der kann, wem Frontantrieb genügt, mit einer manuellen Sechsgang-Schaltung kombiniert sein. In der Allrad-Version muss man ein CVT-Getriebe in Kauf nehmen. Das simuliert sieben Fahrstufen, die via Schaltpaddles kommandiert werden können. Ein Diesel kommt demnächst, es ist ein 2,2 Liter mit 150 PS, gekoppelt an eine Achtgang-Automatik.

Praktisch und smart

Doch das ist eine künftige Geschichte, die ersten Ausläufe legte der Comic-Prinz als 4×4-Otto (Fahrmodi: Auto, Schnee, Schotter) hin. In der Stadt fällt er auf, vor allem in roter Montur. Laut Passanten-Rückmeldungen macht er einen g’schwinden Eindruck. Mit seinen nicht ganz viereinhalb Metern trägt er nicht allzu dick auf. Dem Faktum, dass der Heckabschluss nicht auf Anhieb abschätzbar ist – die geteilte Heckscheibe trägt das Ihre dazu bei – hält eine Park Distance Control fleißig Piepstöne entgegen. Hilfreich wirkt sich’s aus, wenn eine Rückfahrkamera installiert ist. Dass er trotz abgeflachter Dachlinie recht praktisch-pragmatisch ist hat sich bewiesen, als ein mittelgroßer Ohrensessel von A nach B verfrachtet werden musste. Das simpel und manuell gehaltene Fondsitzlehnen-Faltsystem hat sich dabei bewährt.

Auch ist alles an Bord, was aktuell auf der Höhe der Zeit verordnet ist. Samt Infotainment-System, inklusive – in den gefahrenen Versionen – Touchpad Controller. Was es allerdings nicht gibt, auch nicht in der Top-Ausstattungsstufe „Diamond“, das ist ein Navigationssystem. Mitsubishi verlässt sich drauf, dass eh jeder ein Smartphone hat. Immerhin funktioniert dessen Integration – ob iOS oder Android – flott und die Kommunikation friktionsfrei.

Mehr gleiten, weniger streiten

Auf dem Reiseprogramm stand viel Autobahn. Jeweils von Wien ausgehend der Wörther See, die Stadt Salzburg, der Neusiedler See und Kitzbühel. Samt Nebengeräuschen in der Stadt und übers Land machte das gut 3.000 Kilometer. Ob er wirklich g’schwind ist, das war in der City – dank Baustellen-Sommer – weniger das Kriterium. Aber der Turbo sorgt schon recht gut für flotte Ampelstarts. Bei offenem Fenster und/oder laut aufgedrehtem Radio fällt das Aufheulen des CVT-Getriebes nicht gar stark auf. Selbiges gilt auf der Autobahn, wobei da die Fenster doch meistens zu waren.

Auf Bundesstraßen macht der apokalyptisch auftretende Reiter beim Gleiten die beste Figur. Wilde Beschleunigungsorgien und Überholduelle sind trotz streitbarer Optik weniger seine Sache. Auch ist die Fahrwerksabstimmung auf kommode Gangart gepolt. Schnelle Abfolgen von Schlägen, Fugen, oder Wellen quittieren Federung und Dämpfung recht poltrig, mit einem Hang zur Hölzrigkeit. Dazu passt die zwar nicht unpräzise, doch nicht über die Maßen zackig ansprechende Lenkung.

Zeitweilig durstig

Sportlich erscheint nach Ausreizen und teils auch ein wenig Überreizen der geltenden Tempolimits die Durchschnitts-Normverbrauchsangabe von sieben Litern pro hundert Kilometer. Auf zugegebenermaßen eilig absolvierten Autobahn-Etappen genehmigte sich der Eclipse Cross doch an die zwölf Liter Sprit. Am liebsten mag er Tempo 80. Da zeigte der Bordcomputer einen Konsum von 7,7 Litern an. Was immerhin, laut Datenblatt, unter dem für die Stadt angegeben Verbrauch liegt.

Verarbeitungs-seitig gibt’s nicht zu bekritteln. Doch erwies sich die Ausstattung mit Stoffbezügen fürs Mobiliar als angenehmer als die Leder-Variante. Es war das Interieur-Klima im Verein mit textiler Inneneinrichtung erträglicher und weniger dampfig hinzukriegen. Das mag aber auch am lang anhaltend heißen Sommer liegen. Auch ist die Mitgift an elektronischen Helfern, zieht man das Preisniveau – als 2WD kostet er ab 25.900 Euro, die Top-Variante kommt auf ab 38.900 Euro – in Betracht, sehr ordentlich. Es neigen aber die elektronischen Wächter zur Bevormundung. Zuerst den Motor anwerfen und sich erst dann anschnallen ist nicht. Da wird protestierend, anhaltend und nervig gepiepst. Darauf ist man weniger scharf.