Etablierter Newcomer

Der Škoda Scala

Škoda – dieser Name steht nun schon seit einiger Zeit für durchdachte, zuverlässige und qualitativ hochwertige Autos zum (doch mittlerweile wachsenden) kleineren Preis. Aus Jungbunzlau kommt in der jüngeren Vergangenheit kaum eine Neuentwicklung, die sich nicht exzellent verkauft. Das wird auch beim Scala nicht anders sein, der zwar brandneu ist, aber sich eigentlich jetzt schon etabliert hat.

Text: Jakob Stantejsky

Was zuerst widersprüchlich klingen mag, spießt sich in diesem Fall tatsächlich gar nicht allzu sehr. Denn schon bei der Enthüllung der ersten Daten und Bilder zum Škoda Scala war jedem klar: Dieses Auto wird funktionieren. Als Ablöse für den Rapid ist der Scala zwar ein paar Zentimeter länger als sein quasi-Vorgänger, poliert Škodas Standing in der Kompaktklasse allerdings gehörig auf. Denn vor allem jetzt, wo sich die achte Golf-Generation noch bedeckt hält und auch der Leon schon sieben Jahre auf dem Buckel hat, schreitet der Scala konzernintern mit Strahlkraft voran. Nicht nur, dass er rein äußerlich modern und elegant durchdesignt ist, auch in allen anderen Bereichen bietet er ausschließlich das Neueste vom Neuesten. Auch wenn die neuen Brüder aus Wolfsburg und Barcelona bei ihren Enthüllungen sicher ebenfalls ordentlich auf den Putz hauen werden, momentan weist vor allem der tschechische Kompaktwagen in die Zukunft.

Dafür haben sich die Designer auch richtig ins Zeug gelegt und zwar den bekannten Škoda-Stil übernommen, aber mit einigen Premiumdetails wie dem selbstbewussten Schriftzug auf der schwarz getönten Heckklappe ein deutlich imposanteres Auftreten erwirkt. Auch im Innenraum gibt es neben feschen Sitzen und einem riesigen Touchscreen (auf Wunsch) ein auffälliges, cooles Dashboard in einer insgesamt sehr stylishen Cockpitlandschaft – aufdringlich ist die Geschichte zwar nicht, aber falsche Bescheidenheit wird auch nicht mehr geübt. Gut so, denn das verleiht dem Wagen mehr Persönlichkeit.

Dass die Tschechen jetzt aber nicht schlagartig in Größenwahn verfallen und vielleicht morgen schon Konzernbruder Audi den Premiumrang ablaufen wollen, ist allerdings ganz klar. Die feinen Simply Clever-Gadgets bleiben genauso an Bord wie der insgesamt nüchterne, aber solide Charme. Škoda will sich nicht zu irgendetwas hochstilisieren, dass die Marke nie verkörpert hat, aber man zeigt, dass auch preisgünstigere Autos knackig und modern interpretiert werden können.

So großzügig man bei Design, Infotainment und Sicherheit auch mit allen erdenklichen Features, Technologien und Assistenten um sich wirft, so tendenziell fad geht es allerdings bei den Antrieben zu. Selbstverständlich sind sowohl der 1,0 Liter-Dreizylinder- und der 1,5 Liter-Vierzylinder-Benziner, als auch der 1,6 Liter-Vierzylinder-Diesel technisch auf dem allerneuesten Stand und punkten mit hervorragenden Verbrauchswerten. DSG, Handschaltung – alles gibt es. Aber bei den alternativen Antrieben ist derzeit nur von einem Erdgasmotor mit drei Töpfen und 90 PS die Rede, der im Laufe des Jahres folgen wird. Dabei wird es sich allerdings auch noch um das schwächste aller Aggregate handeln, da die Ottos mit 95, 115 oder 150 Pferden und der Selbstzünder mit 115 Rossen zu Buche schlagen. Echte Bekenntnis zu alternativen Antrieben sieht definitiv anders aus. Aber wer weiß, was noch nicht ist, kann ja noch werden.

Wie fühlt man sich denn nun, wenn man in dem guten Stück Platz nimmt? Von den optionalen feschen Felgen über das neue Design bis hin zum knackig-coolen Interieur versprüht der Škoda Scala echtes Styler-Feeling. Das neue Navigationssystem namens Amundsen – wie passend – bereitet sowohl optisch als auch bedienerisch eine große Freude und die Materialwahl sorgt im ganzen Cockpit für Wohlfühlfaktor. Eine Überraschung bietet der 115 PS-Benziner in Kombination mit der Handschaltung. Denn der Dreizylinder spuckt schon gar keine großen, aber sogar nicht mal kleine Töne. Einen derart leisen Dreiender zu betätigen hatte ich bis dahin noch nie das Vergnügen. Trotzdem ist die Power schnell und kräftig da, geschaltet wird präzise und flott, aber tendenziell doch eher gemütlich als knackig. Der Diesel fällt da im akustischen Vergleich schon sehr ungut auf und brummelt oft doch gar intensiv vor sich hin, das schöne Drehmoment macht den leichten Scala allerdings zum echten Blitzstarter.

Den Topmotor, seines Zeichens mit 150 Benzinpferden und in diesem Fall mit DSG versehen, konnte ich auch erleben und während die zusätzliche Kraft zwar schon ein nettes Pro-Argument ist, fühlt sich das Auto im Gesamtpaket mit dem schwächeren Ottomotor fast stimmiger an. Aber das liegt möglicherweise an mir und meiner manuellen Vorliebe. Auf den Bergstraßen rund um Split flitze ich im Škoda Scala vergnügt umher, auch bergauf beim Ausgang aus der Spitzkehre mangelt es weder an Feuer noch an Wendigkeit.

Unterm Strich hat Škoda mit dem Scala quasi alles richtig gemacht. Die bewährten Konzepte bleiben erhalten, alle Bereiche bekommen eine durchwegs gelungene Modernisierung verpasst und das Auftreten ist nun deutlich stylischer. Wenn Škoda diesen Weg so weitergeht, gibt es eigentlich überhaupt keine Berechtigung mehr, weshalb Volkswagen-Fahrzeuge mehr kosten sollen als die tschechischen Brüder. Der Scala hat sich jedenfalls auf Anhieb etabliert, jetzt ist es am Golf, demnächst zurückzuschlagen. Einfach wird der Kampf definitiv nicht.