Lifestyle-Würfel

Der Suzuki Jimny

Auf den ersten Blick und von der Weite sieht der Suzuki Jimny aus wie eine z’sammgedampfte G-Klasse. Zu viel der Ehre, finden die Japaner. Will der kompakte Geländewürfel doch bloß nur in die Fußstapfen seiner Vorfahren SJ 410, 413 und Samurai treten.

Text: Franz J. Sauer

Wer in den Achtzigerjahren in Mitteleuropa aufwuchs, dem ist der Suzuki SJ allzu präsent. Ab 1982 mauserte sich der kleine Geländewagen hierzulande einerseits schnell zum beliebtenVehikel unter Jägern, weil sich die heimischen, engen Waldwegerln leichter mit einem schmalgepickten Geländewagen (SUV gab es damals noch nicht …) befahren ließen als mit einem wuchtigen Kaliber à la Landcruiser oder G-Klasse. Andererseits wurde das Teil vor allem in der chicen Fetzendach-Variante zum hochbeliebten Lifestyle-Tool der urbanen Wiener Yuppie-Szene. Während die echten Förster und Offroad-Freaks ihre Samurais (so hießen die Teile ab 1988) mit Seilwinden und Riffleblecheinlagen aufmotzten, klebten die juvenilen Stadtförster ihren Cabrios widerliche Blitzkleber in schrillen Farben an die Flanken. Erst Mitte der Neunziger wurden die Samurais vor den In-Lokalen durch VR6-Golfs oder, eine Nummer größer, durch Jeep Grand Cherokees ersetzt.

Zu fahren war Suzuki-Jeep der Achtzigerjahre jedenfalls abscheulich. Hochstelzig, behäbig, mit miserablem Wendekreis und stets untermotorisiert, weil alles in allem doch ein schwerer Klumpen. Dass die zunächst 45 PS des Einliter-Vierzylinders mit dem Fahrzeuggewicht kaum klarkamen, liegt auf der Hand. Aber auch die 69 PS der Kat-Version ab 1990 brachten ausschließlich puncto Verbrauch Höchstleistungen. Wer mit seinem Samurai auf längere Reisen ging, brauchte viel Geld, guten Gehörschutz und hernach einen Chiropraktiker.

Trotzdem kam der würfelige Suzuki saugut an, gehörte zum innerstädtischen Straßenbild wie einstmals der Käfer und trumpfte durchaus auch mit eherner Robustheit auf. Selbst die übelsten Rostlauben waren technisch noch immer tipptopp und fristeten ihre Nachpickerl-Rente auf privaten Feldwegen. Mit dem Facelift 1992 griff Suzuki ein wenig in den Gatsch, zu beliebig war der einstmals eigenwillige Klassiker nun geworden, und spätestens mit der Verschlimmbesserung 1998 war es endgültig vorbei mit dem Kultstatus des 4WD-Suzuki.

Ein Status, bei dem der neue Jimny durchaus anzuknüpfen versteht. Unsere Vorfreude war jedenfalls groß, als die ersten Bilder des runderneuerten Gelände-Würfels auf der Bildfläche erschienen. Allerdings ließ sich da die Größe des Vehikels noch schwer abschätzen: Würde er in der Größenordnung Vitara über uns kommen, oder ebenso niedlich wie einst der Vorfahre? Als Motorisierung wurde jedenfalls ein 1,5-Liter-Motor mit 102 PS versprochen, was zumindest guttural klang.

Erwachsen ist er geworden, der kleine Suzuki-Jeep. Und was uns schon der Dauertest-Ignaz im letzten Jahr verhieß, setzt sich im Jimny fort: vernünftige Motorleistung, nüchterner Verbrauch, allseits gefälliges Innenleben, diesfalls vielleicht eine Spur zu sehr am Ahnen orientiert. Aber „retro“ heißt nun mal das Zauberwort, das uns an die gute alte Zeit erinnert und so zum gepflegten Sprint von Null auf Kult verhilft. Ausstattung und Anmutung präsentieren sich jedenfalls top (Notbremsassistent und Verkehrszeichenerkennung sind Serie!), die Sitze sind sogar so was wie bequem, einzig das impertinente Gurtschloss sticht dem feisteren Jimny-Fahrer unentwegt in den Schenkel.

Auch das Fahrverhalten im neuen Jimny gibt sich gewissermaßen retro, und spätestens ab hier wird die Rezension zur Geschmackssache. Mir persönlich wurde das dem kurzen Radstand geschuldete Gehoppel bald zu viel, andere Redakteure kamen gut damit zurecht.

Als Themenverfehlung kann jedenfalls die Riffleblech-Imitation aus Plastik an der Rückseite der Rücksitze bezeichnet werden. Um irgendeine Art von Kofferraum mitzuführen, hat man diese nämlich fast immer umgeklappt. Auf dem Riffleblechplastik wird aber jedes noch so gutmütige Ladegut zum aggressiven Geschoss, das es nur so durch das Auto fetzt. Bitte klebt hier einen Teppich an!

Suzuki Jimny 1,5 VVT ALLGRIP

Hubraum: 1.462 ccm
Leistung: 102 PS
Verbrauch: 6,8 Liter
Drehmoment: 130 Nm / 6.000 U/min
Beschleunigung: 0–100: 16 s
Spitze: 145 km/h
Gewicht: 1.090 kg
Preis: ab 17.990 Euro