Der Bulli wird digital

Der facegeliftete VW T6.1

Er ist der heimliche Traum aller Familienväter und Weltreisenden und ein Held für Handel, Handwerk und Gewerbe – denn seit sechs Generationen bedient der VW Transporter so ziemlich alle Bedürfnisse, die mit reichlich Raum einhergehen. Dabei ist der Dauerbrenner aus Hannover zwar zur Ikone gereift, doch ist er zugleich eingestaubt und hinter der Zeit zurückgeblieben. Doch damit machen die Niedersachsen jetzt Schluss und spendieren ihrem Erfolgsmodell ein gründliches Update. Und weil sie sich dabei vor allem auf die Elektronik konzentrieren und damit nicht zuletzt die Digital Natives ansprechen wollen, übernehmen sie sogar deren Terminologie und führen Transporter, Multivan, Caravelle und California künftig als T6.1.

Von Thomas Geiger

Wenn der Urenkel des Bulli im Herbst in die zweite Halbzeit geht, wird man die Unterschiede von außen deshalb nur schwer erkennen. Doch innen macht der Raumkreuzer einen riesigen Sprung und kommt mit virtuellen Instrumenten und einem neuen Infotainment-System und einem großen Touchscreen in der digitalen Welt an. Außerdem gibt es nun eine vernünftige Sprachsteuerung und eine eingebaute SIM-Karte, mit der man „always on“ ist und zum Beispiel Musik streamen oder online navigieren kann.

Smarter sind auch die Assistenzsysteme – zumal die Lenkung nun elektromechanisch unterstützt wird und deshalb ebenfalls offen für elektronische Eingriffe ist. So gibt es nun einen Seitenwind-Assistenten, der den Bulli auch bei Böen in der Spur hält, auf der Autobahn unterstützt den Fahrer die aktive Spurführungshilfe, und eine Parkassistent nimmt auch engen Lücken künftig den Schrecken.

Unter der Haube gibt es ein Update für die 2,0-Liter-Diesel, die pflichtschuldig auf die Euro6d-Temp-Norm umgestellt werden und dabei sogar ein wenig an Leistung gewinnen. Der Basismotor kommt deshalb jetzt auf 90 statt 84 PS, in der nächsten Leistungsstufe hat er 110 statt 102 PS und darüber rangieren wie bisher zwei Diesel mit 150 oder 199 PS.

Die spannendste Motorisierung kommt allerdings nicht von VW selbst, sondern von Tuner und Entwicklungspartner Abt. Denn in Kempten bauen sie den Bulli vom Brummer zum Summer um und montieren statt des Diesels eine E-Maschine. Die hat 112 PS und wird aus Akkus mit 38,8 oder 77,6 kWh gespeist, für die VW eine Normreichweite von bis zu 400 Kilometern in Aussicht stellt. Das ist allerdings nur der Anfang der Elektrifizierung und die nächste Ausbaustufe steht schon in den Startlöchern. Schließlich wechselt der Bulli zum Anfang der neuen Dekade in den Modularen Elektrobaukasten und wird zum ID Buzz – mit einem Design im Geist von gestern und der Technik für morgen.