Lars Verbraeken

Gymkhana auf höchstem Niveau

In Holland fährt man bekanntlich am liebsten Fahrrad. Es soll jedoch auch dort Menschen geben, die keinerlei Bezug zu ebendiesem, zweirädrigen und motorlosen Fortbewegungsmittel haben. Einer von diesen ist Lars Verbraeken.

Von Karl Jereb

Gymkhana, eine Einführung

Der Mann mit dem überaus sympathischen Namen des Kleinen Eisbären, ist ein wahrer Virtuose seines Handwerks. Dieses nennt sich Gymkhana und ist eine Motorsportart, die ihren Ursprung in den 60er Jahren hat. Im Grunde geht es dabei um die geschickte Koordination der Extremitäten gepaart mit ordentlicher Geschwindigkeit. Der Fahrer muss versuchen einen Parcours möglichst schnell und präzise zu durchfahren während er sein Fahrzeug durch Gas-, Brems-, Handbrems- oder Kuppelbewegungen in einer recht unnatürlichen Position manövriert, nämlich Quer. Umgangssprachlich wird diese reifenvernichtende Praktik auch als „Driften“ bezeichnet. Selbstverständlich ist diese Disziplin nicht mit Frontangetriebenen Autos zu bewältigen. Obwohl sich durchaus auch „Allradler“ mit einer hinterachslastigen Verteilung des Antriebs in diesem Milieu ansiedeln, sind die „wahren“ Driftkings die hinterradangetriebenen Gesellen. Bei der Bewertung der internationalen Wettkämpfe ist nicht nur die Geschwindigkeit ausschlaggebend, sondern auch der Driftwinkel. Also wie weit sich das Heck drehen lässt, ohne den Fahrer zu überholen.

Lars, gib mal Gas!

Nach dieser kurzen Einführung in die allseits beliebte Disziplin des Gymkhana, kommen wir nun wieder zu einem der wenigen wahren Koryphäen auf diesem Gebiet. Die internationalen Events dieser Sportart werden mehrmals jährlich ausgetragen. So auch im Oktober 2012 in Bad Dürkheim/Eisenach. Lars Verbraeken ging mit seinem türkisen BMW E30 323 mit 503 PS an den Start. Ziel war aber diesmal kein geschickter Tanz mit dem Auto um einen Parcours, sondern ein Weltrekord in der Königsdisziplin, dem schnellen Driften. Die Regeln: Eine Strecke von 50 Metern mit einem Tempo von mindestens 160 km/h und einem Driftwinkel von mindestens 30° zurückzulegen. Die Kontrahenten hatten jeweils 3 Versuche um das Ziel zu erreichen. Im dritten Durchgang stellte Lars schließlich den Weltrekord mit einer atemberaubenden Durchschnittsgeschwindigkeit von 179,59 km/h und einem Driftwinkel von 45° auf. Sein Lieblingszitat soll hier für Aufklärung sorgen: “FWD is for scared Drivers, RWD to scare Passengers!”

Das Objekt der Begierde

Der BMW E30 323 aus dem Jahre 1983 ist einer der extremsten seiner Art. Der Motor stammt aus Japan, nämlich von Toyota, leistet 503 PS und maximal 581Nm. Interessant ist hierbei, dass es sich um einen Front-Mittelmotor handelt, der das Gewicht des Wagens optimal verteilt. Bei all den Vinyls, Decals und sonstigen Folien auf dem Auto ist es umso überraschender dass tatsächlich noch Werksteile am Fahrzeug angebracht sind. Zum Beispiel das Getriebe. Ein Standard 5-Gang Getriebe von Toyota, ja der BMW bezieht seine essentiellsten Teile aus Japan. Weitere Sonderheiten sind ein zu 75% sperrbares Differenzial aus einem M5 e28, eine hydraulische Handbremse von Wilwood, Brembo-Bremsen und eine K&W Federung mit selbstgemachten „Controlarms“. Eine nicht unwesentliche Besonderheit wäre da noch, das Gewicht. Nur 1070 Kilogramm wiegt der modifizierte BMW. Bei rund 500 PS kann man sich da recht leicht das Leistungsgewicht pro Kilogramm ausrechnen.

„Beim Driften kommt es darauf an, in Extremsituationen die Kontrolle über das Fahrzeug zu behalten“, so Verbraeken. Der Holländer scheint die physikalischen Grenzen immer wieder aufs Neue zu überwinden. Einen besonders schön inszenierten „Tanz“ vom Meister höchstselbst und seinem höllischen BMW wollen wir natürlich nicht vorenthalten.