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Bentley Mulliner Batur: Vollgas in die Zukunft

Jemand erklärt dir, dass er ein streng limitiertes Modell baut, das einen Blick in die elektrische, CO2-neutrale Zukunft der Marke gewährt. Und zieht dann das Tuch von einem 1,65 Millionen Pfund (natürlich netto) schweren Ultra-Luxus-Grand-Tour-Coupé, unter dessen Haube der stärkste V12 der Markengeschichte waltet. Nein, du bist hier nicht im Wunderland, sondern bei Mulliner. Wobei das irgendwie das gleiche ist.

Fotos: Hersteller

Denn der älteste Coachbuilder der Welt hat sich mal wieder selbst übertroffen und den Bentley Mulliner Batur auf Basis des Continental GT gezaubert. 18 Exemplare dieses rollenden Superlativs werden gebaut. Reserviert sind sie selbstredend bereits, der erste soll Mitte 2023 an die betuchte Kundschaft gehen. Da wartet man derzeit bei so manchem Volumenmodell kaum kürzer. Nun hat der Batur also standesgemäß in Monterey debütiert. Dort waren wir zwar nicht, aber wir durften trotzdem bereits andernorts einen Blick auf das herrschaftliche Vehikel werfen. Und lasst es euch gesagt sein: Der Mulliner Batur beeindruckt in natura noch mehr als auf den Bildern. Ja, das geht.

Anyhow, wie der geneigte Brite zu sagen pflegt. Ihr seid im Hinterkopf sicher immer noch beim Punkt „stärkster W12 der Markengeschichte“. Der Motor ist kein neuer, man kennt den 6,0 Liter-Biturbo Zwölfzylinder aus diversen Bentleys. Dass er aber 1.000 Nm Drehmoment und mehr als 740 PS leistet, das ist neu. Damit ist der Batur der stärkste Bentley aller Zeiten und läutet als solcher natürlich den Beginn der E-Ära ein. Denn „Sag beim Abschied leise Servus“ spielt es hier nicht. Doch alle Beteiligten pochen entschieden darauf: Die Design-DNA des Batur weist den Weg in die elektrische Zukunft der Marke. Und das war von Anfang an der Plan. Denn das Projekt, die Marke Bentley 2030 zu hundert Prozent CO2-neutral zu machen, ist wahrlich kein kleines.

Es fällt nicht schwer, die neuen Elemente zu erkennen. Vorne trifft manch einen Bentley-Enthusiasten vielleicht direkt der Schlag, denn die traditionellen kreisrunden Scheinwerfer sind weg. Zwar werden sie nicht direkt von Leuchten Marke „megaminimalistisch“ ersetzt, wie es aktuell so beliebt ist. Doch das Gesicht Bentleys wird doch deutlich schärfer und grimmiger. Ein gigantischer Grill muss natürlich an Bord sein. Wie der beim ersten Elektriker 2025 neu interpretiert wird, lässt Chefdesigner Andreas Mindt noch nicht aus sich herauskitzeln. Er verspricht nur: Irgendetwas wird da sein, sonst wäre es kein Bentley. Fragt sich nur was – denn für einen Kühlergrill hat ein Elektroauto keinerlei Verwendung, egal ob Bentley oder nicht. Die sich von der C-Säule bis weit in die Motorhaube durchziehende kräftige Leiste ist ebenfalls neu. Ob es die auch in die Elektro-Serie schafft, sei dahingestellt. Sie riecht schon eher nach exklusives Sondermodell. Aber wer weiß …

Am Heck des Batur dürften sich die Geister scheiden. Einerseits fällt das Dach so schneidig und sexy ab wie bei kaum einem anderen Auto auf dieser Welt. Doch ob jeder Bentley-Fan die extrem schmalen Rückleuchten ins Herz schließt, sei dahingestellt. Auch die Entscheidung, den Allerwertesten des Batur so hart in zwei Teile zu spalten sagt vielleicht nicht jedem zu. Doch hier hat Mindt eine überzeugende Erklärung parat: „Wenn wir das ganze Heck aus einem Guss machen, sieht es zu schwerfällig aus, wie ein Ziegel.“ Und wenn man da mal drüber nachdenkt, ist man geneigt zuzustimmen. So hat es auf jeden Fall etwas Besonderes und verleiht dem Bentley Mulliner Batur noch einmal eine satte sportliche Note. Und nicht vergessen: Den 18 glücklichen Kunden werden bei ihren Batur so gut wie keine Grenzen auferlegt. Da kann aus dem beim Ausstellungsstück schwarzen Teil gut und gern ein spektakuläres Schauspiel werden. Zeit und Geld sollten keine Rolle spielen. Nur so zur Einordnung: Auch neuartige Naturfasern und sogar 3D-gedrucktes 18 Karat-Gold können im Batur auf Wunsch verbaut werden.

Aber der Batur ist nicht nur ein atemberaubendes Kunstwerk, sondern hat auch technisch allerhand auf dem Kasten. Eine Allradlenkung erhöht die Wendigkeit des Zweisitzers (ja, beim Batur hat man die Rückbank endgültig rausgeschmissen), die Luftfederung passt sich dem Untergrund an wie eine Katze und die aktive 48 Volt-Wankstabilisierung sorgt auch in rasanten Kurven für ein seidiges Gefühl. Und irgendwie kann man sich eine Fahrt im Batur gar nicht anders als perfekt vorstellen, wenn man das Auto vor sich sieht. Das ist laut Mindt dem Design geschuldet. „Ein moderner Bentley muss sowohl muskulös als auch grazil sein“, referiert er. Das erreicht er durch die sogenannte „resting beast stance“. Darunter stellt man sich einen auf der Lauer liegenden Tiger oder Löwen vor – tief auf den Boden geduckt, die kraftvollen Muskeln angespannt. Dieses Bild will der Mulliner Batur im Stand erwecken. Das schafft er auch … und wie.

An manche Details in der neuen Bentley-Designsprache müssen sich vor allem hartgesottene Fans der Marke sicher erst gewöhnen. Der Abschied von den ikonischen Scheinwerfern fällt auf jeden Fall nicht leicht. Objektiv gesehen ist der Batur aber unbestreitbar ein umwerfendes Automobil. Power und Eleganz vereinen sich so harmonisch wie sonst kaum wo. Dass seine Leistung dem mehr als nur gerecht wird, nehmen wir den nackten Zahlen gerne ab. Wie das dann in ein paar Jahren beim ersten E-Bentley aussieht, wissen wir natürlich noch nicht – untermotorisiert wird der aber garantiert nicht sein. Und irgendwo ist der elektrische Bentley auch der ultimative Bentley. Denn das Ziel der Marke war seit jeher, flüsterleise Autos zu bauen, die dennoch konkurrenzlos viel Kraft bieten. Und das Andreas Mindt bei der Optik einen guten Job machen wird, darauf darf man vertrauen. Selten sieht man einen Designer so begeistert angesichts der Ideale „seiner“ Marke. Der Bentley Mulliner Batur ist ein Vorgeschmack auf eine drastische Veränderung – und er macht dabei Lust auf mehr.

Jakob Stantejsky

Freut sich immer, wenn ein Auto ein bisserl anders ist. Lieber zu viel Pfeffer als geschmacklos.

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