Lasterhaft, ein wunderbar doppeldeutiger Begriff. Sowohl als praktischer Kombi ist der Seat Leon ST als schöner Bruder des Golf Variant tatsachlich ein Laster, der bis zu 1 470 Liter laden kann. Aber mit bis zu 280 PS ist der Seat Leon ST Cupra eben auch ein durch und durch lasterhaftes Auto, das jeder Vernunft spottet und allein das Vergnügen bedient: Platz und Power oder Pampers und Punch – das sind die zwei Charakteristika, mit denen die Spanier sportliche Familienväter locken wollen.

Text: Thomas Geiger

Das sportliche Zauberwort der Spanier lautet „Cupra“: Wie schon beim 3- und 5-Türer erhältlich steckt auch im Kombi der 2,0 Liter große Turbo, den es wahlweise mit 265 oder 280 PS gibt. Immer mit 350 Nm gesegnet, macht er nicht nur ein ordentliches Spektakel. Sondern er schiebt den Eiltransporter mächtig an: Wenn die Gummis greifen und die Sonne den Asphalt hübsch gewärmt und getrocknet hat, braucht er je nach Leistungsstufe und Getriebevariante im besten Fall 6,0 und im schlimmsten 6,2 Sekunden von 0 auf 100 – und die 250 km/h sind für alle Versionen nicht viel mehr als eine Formsache. Allerdings muss man den Kraft-Kombi mit einer gewissen Vorsicht bewegen – nicht nur, weil man sonst die Normverbrauchswerte zwischen 6,6 und 6,7 Litern glatt vergessen kann.

Satte Kraft an der Vorderachse

Vor allem, weil die Leistung hart an der Grenze dessen liegt, was man einem Fronttriebler gerade noch zumuten kann ist der Leon ST Cupra für Teenagersöhne weniger geeignet. Zwar ist der Leon sauber abgestimmt und steht mit dem variablen Fahrwerk auch einen ordentlichen Spagat zwischen Autobahn-Komfort und solider Kurvenlage, so dass Power-Papis mit Rücksicht auf die Bezüge des Rücksitzes den heißen Ritt über einsame Landstraßen am besten ohne den Nachwuchs proben. Außerdem hilft ihm eine Vorderachssperre wunderbar flott um die Kurve. Doch wer auch nur ein bisschen zu feste Gas gibt, der lässt den Vortrieb im Rauch der Reifen aufgehen und sieht nicht viel mehr als das Flackern des ESP-Leuchte. Und so gut die Progressiv-Lenkung auch abgestimmt sein mag, macht sich spätestens beim Herausbeschleunigen aus den Kurven ein Zerren im Lenkrad bemerkbar, das unbestechlich an die Gesetze der Fahrphysik erinnert.

Denn streng genommen haben wir bei diesem Auto gar keine Konkurrenten“, argumentiert der Markenpräsident: Was die anderen Volumenhersteller anbieten, hat deutlich weniger Leistung.

Typische Sport-Insignien für den Cupra

Zum potenteren Motor gibt es ein aggressiveres Design: Der jetzt mit einem schwarzen Gitter geschlossene Kühler ist deutlich größer, die LED-Scheinwerfer machen die Nacht zum Tage, abgedunkelte Seitenscheiben schärfen das Profil und ein Diffusor-Einsatz in der Heckschürze lässt den Cupra noch breiter und satter auf der Straße stehen. Außerdem gibt es innen dunkle Sportsitze mit weißen Nähten, ein besonders griffiges Lenkrad und mehr Zierrat in Aluminium. Und wer nicht allein auf die Signalwirkung des Sounds bauen möchte, der kann obendrein noch ein paar Farbakzente wie die knallroten Felgen ordern und wird so gar vollends zum bunten Hund. Mit dem bis zu 280 PS starken Kombi schreiben die Spanier nicht nur die mittlerweile 20 Jahre alte Erfolgsgeschichte der Cupra-Modelle fort und schließen die Familienplanung für den Leon ab. Sondern sie füllen ganz geschickt auch eine Lücke in der Konzern-Hierarchie und platzieren sich knapp unterhalb des neuen Golf R Variant.

Keine Konkurrenz im Umfeld

Der Golf R Variant hat zwar noch 20 PS mehr und bringt seine Kraft mit allen Vieren auf die Straße. Aber dafür sieht er nur halb so leidenschaftlich aus und dürfte obendrein rund 10 000 Euro mehr kosten – da kann man auf ein paar PS schon mal verzichten. Seat-Chef Jürgen Stackmann schaut bei der Positionierung allerdings weniger gerne nach der eigenen Konzernfamilie als nach der Konkurrenz – und hat für den ST Curpa dort einen so genannten „Sweet Spot“ ausgemacht. „Denn streng genommen haben wir bei diesem Auto gar keine Konkurrenten“, argumentiert der Markenpräsident: Was die anderen Volumenhersteller anbieten, hat deutlich weniger Leistung. Und was es bei den Premium-Marken gibt, ist gleich zwei Klassen teurer.

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