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Neuer Golf GTI: Heck und Leistungsdaten geleakt!

Die achte Generation des VW Golf war erst wenige Stunden enthüllt, als die Spekulationen um den GTI schon begannen. Wie würde er aussehen? Wie stark würde er sein? Beide Fragen können wir nun dank zweier Leaks beantworten, die erste halb und die zweite bis ins letzte Detail.

Text: Jakob Stantejsky

Denn gestern tauchte ein Foto in den Weiten des Internets auf, das wohl den Popsch des kommenden Golf GTI zeigt. Rassetypisch zeigt sich der Allerwerteste zwar durchaus schnittig, aber nicht allzu extravagant – wie es sich für einen Golf halt gehört. Schlecht schaut er jedenfalls nicht aus, und Käufer wird er sowieso wieder en masse finden.

Eine Spur spannender finden wir allerdings die Leistungsdaten des gesamten sportlichen Golf-Lineups, die wenig später zu kursieren begannen. Vor allem deshalb, weil der versammelten Familie teils deutliche Upgrades verpasst werden. So klettert der GTI von 230 auf 245 PS, der GTI TCR bietet zukünftig 300 statt 290 Pferde, und die Spitze der Nahrungskette, der R, schlägt schon bald mit 333 Rossen zu. Das wäre ein Plus von 23 PS.

Auch GTD und GTE dürfen demnächst ein paar Unpaarhufer mehr ausführen: Der Diesel steigert seinen Kurs von 184 auf 200 und der Hybrid addiert zu seinen bisherigen 204 PS satte 41 Pferde und ist somit genauso stark wie der herkömmliche GTI. Dank seiner Elektrounterstützung könnte er also durchaus auch schneller beschleunigen als sein Ottobruder. Wenn das Volkswagens Art ist, Kunden zum Hybrid zu verführen, können wir damit verdammt gut leben.

All diese Überlegungen wären natürlich hinfällig, wenn sich die Leaks als Fakes entpuppen. In der Regel ist dies allerdings nicht der Fall und wer weiß: Vielleicht kommt das ganze ja von VW selbst, um den PR-Ofen anzuheizen.

VW Golf 8: Zurück an die Spitze?

Der VW Golf ist so ausgereift und perfekt, dass er schon fast fad ist. Gut, dass die Wolfsburger Generation 8 einen spektakulären Innenraum mit auf ihren Weg geben.

Text: Maximilian Barcelli

Denn der Weg einer Golf-Generation kann ja durchwegs langwierig ausfallen. Mit neun Jahren Amtszeit ist der Golf 1 der, wie man in der Politik so schön sagt (insbesondere der unsrigen), Sesselkleber unter den kompakten Wolfsburgern. Auf der anderen Seite des Spektrums befindet sich die sechste Generation: sie wurde nur vier Jahre lang gebaut und von Golf 7 – oder auch: dem ersten MQB-Golf – abgelöst. Auf eben dieser Plattform baut auch der Golf 8 auf. Eine der wenigen Gemeinsamkeiten.

Eine weitere: das Exterieur-Design. Was aber echt kein Drama ist – aus zweierlei Gründen. Erstens war der Golf ja noch die der große Revoluzzer beim Design. Zwar war eine neue Generation immer als solche erkennbar, dennoch wurde sein Aussehen eher behutsam evolviert anstatt radikal revolutioniert. Und selbiges gilt auch für den Wechsel von der siebten in die achte Generation. So verändern sich die Abmessungen nur geringfügig – mit freiem Auge ist das ungefähr so sichtbar wie Pluto. Außerdem steht die C-Säule steiler. Die größten Auffrischungen gibt es bei den Leuchten, eh klar. Wobei die Verlängerung der Front-LEDs an den Seiten (oder in einem Wort: der Lidstrich) unserer Meinung nach nicht hätte sein müssen (klar, Geschmackssache). Wirkt ein wenig so, als hätte VW da noch unbedingt was Neues designen wollen, damit er dem Vorgänger ja nicht zu ähnlich sieht. Dabei ist der 7er-Golf ja eh ein fescher Kampel! Was übrigens der zweite Grund ist, warum das verwandte Design überhaupt nicht stört.

Außerdem: Oberflächlichkeiten sind sowieso out, die inneren Werte zählen – und das ist nach #bodypositivity und #Co. nicht mehr nur eine leere Floskel. Oh ja, das Interieur haben die Wolfsburger wirklich auf den Kopf gestellt. Quasi alle Knöpfe und Schalter mussten abdanken, auf der Mittelkonsole ist nur noch die Warnblinkanlage analog. Trotzdem ist der Golf 8 viel intuitiver bedienbar, als andere Fahrzeuge, die auf große Screens und wenig bis gar keine Knöpfe setzten.

Der Grund: Jede Menge berührungssensitive Oberflächen, mit denen etwa die Temperatur der Klimaanlage oder die Radio-Lautstärke verändert wird oder die direkt zu den Assistenzsystemen oder den Fahrmodi weiterleiten. In weiterer Folge können diese dann am Infotainment-Touchscreen gesteuert werden.

Den gibt es in zwei Ausführungen: Entweder 8,25- oder 10-Zoll groß. Optisch verschmilzt er mit dem digitalen Armaturendisplay. So radikal fugenlos wie das Widescreen-Cockpit von Mercedes gibt sich das Layout aber nicht. Eher erinnern Instrumenten- und Infotainment-Display an das Interieur vom 3er BMW (und zwar ziemlich stark, so bei genauerer Betrachtung). Übrigens; Mega uncoole, super altbackene analoge Armaturen gibt’s im neuen VW Golf gar nicht mehr. Bedeutet im Umkehrschluss, dass das zehn Zoll große Instrumentendisplay serienmäßig mit an Bord ist.

Ein persönlicher Wehrmutstropfen; die Wolfsburger bieten auch weiterhin keine alternativen Bedienelemente fürs Infotainmentsystem an. Erst wieder im BMW X1 gemerkt: der verfügt natürlich über einen Touchscreen, trotzdem habe ich quasi ausschließlich den iDrive-Controller benutzt – insbesondere während der Fahrt. Wobei; so ganz korrekt ist das freilich nicht. Der VW Golf 8 verfügt nämlich über eine verbesserte Sprachsteuerung. Die kann mit den Worten „Hallo Volkswagen“ aktiviert werden und versteht auch Umgangssprache. Beispiel: Auf „meinem Hintern ist kalt“ aktiviert der Golf 8 die Sitzheizung. So ganz auf dem Niveau von BMW und Mercedes ist die Sprachsteuerung zwar nicht, allerdings nur sehr knapp nicht.

Und ja, der immer wiederkehrende Vergleich mit den Premium-Marken ist berechtigt! Egal ob bei der Materialienauswahl (viel Leder, Softtouch und wertige Stoffe, wenig Hartplastik), dem Ambientenlicht (bis zu über 30 Farben), der Verarbeitung (hier gilt es den ultrafeinen Startknopf am Mitteltunnel hervorzuheben), kurzum; der gesamten Atmosphäre, die im Innenraum herrscht, steht der Golf 8 der A-Klasse oder dem 1er BMW in kaum etwas nach. Vom Audi A3 wollen wir gar nicht anfangen … 

Der extra lang gezogene Lidstrich müsste nicht sein. Lässt sich aber unter „Geschmackssache“ verbuchen.

Was besonders verwundert, ist, wie fahrerorientiert das Cockpit gestaltet wurde. Hält der Golf das dieses Versprechen, das der Innenraum gibt?

Denn auch, wenn die achte Generation punkto Digitalisierung und Vernetzung (Golfs kommunizieren nun miteinander und können sich beispielsweise gegenseitig von einem heranfahrenden Einsatzfahrzeug mit Blaulicht warnen) wirklich Maßstäbe setzt, so muss sie vor allem auf der Straße abliefern – und das tut sie. Selbst auf nasser und suboptimal präparierter Fahrbahn verhält sich der Golf 8 völlig neutral, sehr präzise und schiebt verblüffend spät über die Vorderräder. Und wenn er dann einmal im Grenzbereich untersteuert, meldet er das stets an und ist niemals heimtückisch.

Außerdem ist die Lenkung direkt, wird im Sportmodus sogar richtig schwergängig (im positiven Sinne) und das Fahrwerk findet nicht nur den Kompromiss zwischen Dynamik und Komfort, sondern beherrscht beides erstaunlich gut. Lange Rede, kurzer Sinn: VW Golf 8 fahren macht Spaß. Und das, obwohl wir maximal „nur“ 150 PS, sowohl als TDI, als auch als TSI, unterm gewärmten Hintern hatten – was in Wirklichkeit eh mehr als ausreichend ist.

Grundsätzlich gibt es einstweilen nicht viel über die Motorisierungen zu erzählen. Die Triebwerke machen einen soliden Job und ziehen sauber an. Der Verbrauch ist kein Quantensprung, aber doch sehr gut (okay, zugegeben; wir sind nicht besonders ökologisch gefahren). Sowohl das 7-Gang-DSG als auch die manuelle 6-Gangschaltung überzeugen. Richtig pulsbeschleunigend werden dann Golf GTI und R. Punkto Verbrauch sollen später die Plug-in-Hybride elektrisieren und die Erdgas-Variante Gas geben. Einen E-Golf wird es ob es ID.3 natürlich nicht mehr geben. 

Ach, und weil wir ja irgendetwas kritisieren müssen; als der Golf 8 bei der Testfahrt etwas forcierter bewegt wurde, auf Untersteuern Übersteuern folgte und er sich auf eine Kollision vorbereitete, zu der es natürlich nicht kam, lockerte der Wolfsburger die Gurte anschließend nicht von selbst. Zumindest nicht in den ersten zehn Sekunden, bis es dem gewürgten Fahrer zu blöd wurde und sich dieser ab- und wieder anschnallte. Einen zweiten Grund zum Nörgeln könnte uns VW auch noch liefern: die Preise wurden nämlich noch nicht verraten. Allerdings sollen sie sich an denen des Vorgängers orientieren. Also vermutlich doch nur ein Kritikpunkt – und seien wir uns ehrlich: der ist ziemlich substanzlos.

VW Golf: Die letzte große Reise?

35 Millionen in 45 Jahren und sieben Generationen – wahrscheinlich kein anderes Auto aus Deutschland ist so wichtig wie der VW Golf. Entsprechend groß ist die Aufmerksamkeit, wenn die Niedersachsen das Tuch von der Nummer Acht ziehen. Nachdem er auf der IAA seinem elektrischen Enkel ID.3 den Vortritt gelassen hat, ist es endlich soweit und der deutsche Meister startet zur Titelverteidigung durch. Gerade eben wurde in Golfsburg Wolfsburg die große Weltpremiere gefeiert und schon im Dezember soll der Bestseller zu Preisen knapp unter 20.000 Euro (D) in den Handel kommen.

Von Thomas Geiger

Allerdings startet der Golf diesmal in einer schweren Zeit. Nicht nur, dass VW ihm mit dem ID.3 schon mal die Zukunft an die Fersen geheftet hat und so zum internen Wettstreit zwischen alter und neuer Welt aufruft. Sondern bis die elektrische Revolution so richtig an Fahrt gewinnt, graben ihm auch noch die immer zahlreicheren SUV das Wasser ab. So wird der Millionseller zu einem Altmeister auf Abruf, für den alle schon bei der Neuvorstellung einen Nachruf schreiben.

Aber halt, stopp, Moment – ruft es da aus Wolfsburg und die VW-Manager rücken das Weltbild wieder ein bisschen zurecht. Denn auch wenn man es ihm – wie eigentlich nie bei einem derart klassenlosen und deshalb eher konservativen Auto, das den breiten Massengeschmack treffen muss und sich deshalb kein Risiko leisten kann – von außen kaum ansieht und die Form genau wie das Format nur mäßig modifiziert wurden, macht der neue Golf einen riesigen Sprung: Maximale Vernetzung und die weitgehende Digitalisierung des Innenraums machen ihn auch im historischen Kontext zum modernsten Vertreter in der langen Ahnenreihe.

Das erschließt sich auf Anhieb bei der ersten Sitzprobe. Denn die analogen Anzeigen hinter dem Lenkrad sind einem großen Display gewichen, das ähnlich wie beim Touareg am anderen Ende der Modellpalette mit einem noch größeren Touchscreen daneben verschmilzt. Dazu gibt es eine pfiffige Sensorleiste unter dem Bildschirm und statt der üblichen Taster und Schalter fast überall nur noch sensitive Oberflächen. Selbst das Licht aktiviert man nun mit einem Fingerzeig und zumindest bei den DSG-Varianten verkommt der Gangwahlhebel zu einem winzigen Schaltstummel.

Wie es sich für den Geist der neuen Zeit gehört, ist der Golf dabei permanent online und vernetzt sich nicht nur mit dem World Wide Web und dem Smartphone, das auf Wunsch auch als Schlüssel fungiert. Sondern zum ersten Mal haben die Niedersachsen den Sprachassistenten Alexa integriert, sie bieten Updates „over the air“ an und vor allem setzen sie ebenfalls erstmals im großen Stil auf Car-To-X-Kommunikation. Dabei verbindet sich der Golf automatisch mit seiner unmittelbaren Umgebung und macht sich so zum Beispiel die Sensoren der vorausfahrenden Autos für eine Art Frühwarnsystem zu eigen. Die Idee gibt es schon lange, aber umgesetzt hat das mangels Masse noch keiner, weil es bislang weder einen Industriestandard noch ausreichend groß Flotten gibt. Doch bei dem noch immer rekordverdächtig hohen Golf-Absatz ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich im Umfeld eines neuen Golfs bald ein weiterer Golf Acht finden wird, der dann zum Späher taugt.

Zwar predigt VW lauter als die Konkurrenz die Segnungen der Elektromobilität und als Konzern gibt dafür wohl keiner so viel Geld aus wie die Niedersachsen. Doch beweist die Premiere des Golf zugleich, dass sie in Wolfsburg die Verbrenner noch nicht zum Alteisen sortiert haben. Schließlich sind stolze acht Motoren neu oder maßgeblich weiterentwickelt worden und stoßen deshalb nicht nur weniger Schadstoffe und Partikel aus, sondern haben zudem bis zu 17 Prozent Verbrauchsvorteil.

Natürlich wird es ein bisschen dauern, bis das ganze PS-Portfolio ausgerollt ist. Doch mittelfristig reicht die Palette von 90 bis 300 PS und es wird neben klassischen Benzinern vom Dreizylinder mit 1,0 Litern Hubraum bis zum 2,0-Liter-Vierzylinder und zwei 2,0-Liter-Dieseln mit 115 und 150 PS und dem neuen Twindosing-Verfahren im Kampf gegen die Stickoxide – natürlich alle mit Turbo und Direkteinspritzung – auch wieder eine Erdgas-Version, gleich drei Mild- und zwei Plugin-Hybriden geben. Die haben mit 13 kWh beide anderthalbmal so viel Akkuleistung, unterscheiden sich aber in der Performance und kommen deshalb mit 204 oder 245 PS. Nur die Elektro-Version ist mit Rücksicht auf den ID.3 aus dem Programm genommen worden.

Wird das reichen, um den Golf weiter auf dem Thron zu halten? Das könnte schwer werden, glaubt Stefan Bratzel von der Hochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach: Denn für ihn vollführt VW mit der nahezu zeitgleichen Premiere von Golf und ID.3 einen diffizilen Spagat zwischen alter und neuer Automobilwelt. Das dürfte nicht ohne Konsequenzen bleiben, ist er überzeugt: „Während mit dem ID 3 gerade lautstark ein neues Zeitalter bei Volkswagen eingeleitet wurde, dürfte der „Dauerbrenner“ Golf dagegen in dieser Form wohl auf seine letzte große Reise gehen.“

Dieser 1600 PS-Golf hat zwei Motoren

2 x 40 Jahre Jubiläum beim Golf