Polo mit Stelzen und Spaß

Der neue VW T-Cross

Es hat zwar ein bisschen gedauert, doch jetzt hat endlich auch VW eine Antwort auf den Boom der kleinen Geländewagen gefunden und bringt im Frühjahr gegen Renault Captur & Co den neuen T-Cross in Stellung. Als Polo für die Pampa soll er seinen Beitrag dazu leisten, dass der Anteil der SUV im VW-Absatz bald bei 50 Prozent liegt – und damit natürlich auch der Umsatz steigt. Denn bei einem Grundpreis von 17.975 Euro liegt der T-Cross rund 700 Euro über seinem braven Bruder mit identischer Motorisierung.

Von Thomas Geiger

Im Ringen gegen den Rückstand setzt VW vor allem auf die inneren Werte: Zur ohnehin schon erhöhten Sitzposition gibt es deshalb auch eine gehörige Portion Variabilität: So lässt sich der Beifahrersitz serienmäßig flachlegen und die Rückbank zumindest gegen Aufpreis um 14 Zentimeter verschieben. So können bei 4,11 Metern Länge und 2,56 Metern Radstand wahlweise auch zwei Erwachsene zumindest mal kurz im Fond mitfahren oder der T-Cross wird mit 385 oder 455 bis 1.281 Litern Ladevolumen zu einer modischen Weiterentwicklung des Polo Variant. Selbst dem zwölf Zentimeter längeren, aber sehr viel sportlicher geschnittenen T-Roc steht er in kaum etwas nach.

Überraschender als der Sinn fürs Alltägliche ist allerdings das Modebewusstsein, dass VW diesmal an den Tag legt. Denn während der Polo so aufregend wie ein Blutdrucksenker ist, will der T-Cross zum Pulsbeschleuniger werden und treibt es deshalb für die Niedersachsen ungewöhnlich bunt: Farbige Felgen, zwölf Lacktöne im Fächer, Kontrast-Lackierungen und auffällige Klebetatoos sollen den Nachzügler zum Blickfang machen, sagt Designchef Klaus Bischoff, der auch bei der Form etwas frecher war als beim Polo: Der T-Cross ist deshalb nicht nur fünf Zentimeter länger und deutlich bulliger als sein braver Bruder, sondern er hat einen stolzen Grill, der mit den Scheinwerfern verschmilzt, und auffällige Rückleuchten, die mit einem roten Reflektorband verbunden sind. Und innen geht es mit der Farbenfreude munter weiter. Deshalb gibt es knallige Konsolen rund um das auf Wunsch digitale Cockpit mit dem großen Touchscreen daneben, freche Sitzbezüge und bunte Nähte.

So erfrischend farbig und alltagstauglich der kleine Geländegänger ist, so wenig Überraschungen erlebt man beim Fahren – wie auch, wenn sich gegenüber dem Polo außer dem Schwerpunkt, dem Gewicht und mit ihm der Federung im Grunde nichts geändert hat. Achsen, Lenkung und Antriebe sind identisch und so fühlt sich der T-Cross bei der ersten Ausfahrt mit den ziemlich finalen Prototypen auch an: Gutmütig, erwachsen und ein kleines bisschen langweilig. Zumindest mit den aktuellen Motoren, die vom Dreizylinder mit 1,0 Litern Hubraum und 95 oder 115 PS bis zum Vierzylinder mit 1,5 Litern und 150 PS reichen und zunächst nur einen 1,6-Liter-Diesel mit 150 PS umfassen. Dazu gibt es später je nach Kundenwunsch und CO2-Vorgaben womöglich noch eine Erdgasvariante und mit etwas Glück vielleicht auch einen GTI, doch eine Option werden die Niedersachsen auch für alles Geld der Welt nicht anbieten: Den Allrad. Als erstes SUV aus Wolfsburg muss der T-Cross mit Frontantrieb auskommen. „Das ist auf der A0-Plattform nicht vorgesehen und wäre im gegebenen Preisrahmen nicht darstellbar gewesen“, sagt Baugruppenleiter Andreas Krüger und hält das nicht für einen Nachteil. Denn erstens fehlt der Allrad auch bei den meisten Konkurrenten wie dem so erfolgreichem Renault Captur, dem Peugeot 2008 oder dem spanischen Cousin Seat Arona. Und zweitens spielt sich das Abenteuer für SUV dieser Sorte ohnehin die meiste Zeit in der Stadt ab, wo die Straßen alle asphaltiert und im Winter auch geräumt sind.

Natürlich wissen sie auch in Wolfsburg, dass sie mal wieder spät kommen. Aber dafür kommen sie gewaltig. Und es spricht vieles dafür, dass sich genau wie bei Tiguan, Touran und all den anderen Spätstartern eine Goldene Regel bestätigt: Wer zuletzt lacht, lacht am besten.