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Renault Arkana Esprit Alpine: Sinn fürs Schöne

SUV-Coupés sind nicht gerade als typische Volumensmodelle bekannt. Doch der Renault Arkana hat sich rund drei Jahre nach seiner Markteinführung schon sehr ordentlich ins heimische Straßenbild integriert. Als Belohnung haben die Franzosen ihm Ende letzten Jahres eine Auffrischung inklusive neuer Topausstattung gegönnt, die vollmundig Renault Arkana Esprit Alpine getauft wurde.

Fotos: Jakob Stantejsky, Renault Communications

Wie der Name schon vermuten lässt, soll das Flair der dynamischen Schwestermarke eingefangen und in den deutlich komfortableren Alltag übersetzt werden. Denn so gern SUV-Coupés ihre Sportlichkeit betonen, will doch niemand seinen Arkana bretthart abgestimmt und bis auf den Asphalt tiefergelegt ausgeliefert bekommen. Deshalb darf man sich vom Esprit Alpine eben auch hauptsächlich optische Highlights erwarten. Das Luftleitelement an der Frontschürze, der neu gestaltete Dachspoiler und die speziellen 19-Zöller mögen zwar rein theoretisch messbare Unterschiede bei den Fahrleistungen verantworten, in der Praxis wird aber kein Arkana der Welt in diese hauchdünnen Grenzbereiche vorstoßen. Davon abgesehen gibt es eine Hand voll Alpine-Plaketten, Sitzbezüge mit entsprechenden Ziernähten und Logos und Nähte im klassisch französischen Blau-Weiß-Rot der Trikolore an den Türen und dem Lenkrad. Das Rad erfindet der Arkana somit zwar nicht neu, aber das gehobene Ambiente passt hervorragend zum Fahrzeug und auch zum neuen, imposanteren Kühlergrill samt dem überarbeiteten Renault-Rhombus.

Unter der Haube vertraut unser Arkana auch mit Esprit Alpine auf den E-Tech Full Hybrid-Antrieb mit insgesamt 145 PS aus einem 1,6 Liter-Vierzylinderbenziner und zwei Elektroaggregaten. Eine 1,2 kWh-Batterie fungiert als Zwischenspeicher und ermöglicht vor allem in der Stadt ein ordentliches Maß an rein elektrischer Fortbewegung. Per Knopfdruck auf den E-Save-Schalter werden immer mindestens 40 Prozent Ladung aufbewahrt, damit sie zum gewünschten Zeitpunkt zur Verfügung stehen. Im Alltag funktioniert all das reibungslos und zuverlässig. Natürlich kommt man mit 1,2 kWh nicht kilometerweit, aber überraschend oft erfreut man sich an der Stille des E-Antriebs und es macht schon Laune, wenn bei einer kurzen Bergabfahrt der Batterieladestand rasant ansteigt. Die kleinen Freuden des modernen Automobils eben. Dazu gehört natürlich auch der Sechser vor dem Komma, den man mit dem Arkana E-Tech Hybrid verlässlich hinbekommt. Das ist bei einem gut viereinhalb Meter langen SUV mit rund eineinhalb Tonnen Gewicht absolut in Ordnung und unterbietet auf jeden Fall jeden reinen Benziner mit vergleichbarer Leistung.

Wo wir schon beim Thema Vernunft sind: SUV-Coupés leiden ja generell sehr an dem Stigma, dass sie Praxistauglichkeit der Optik opfern. Kleinerer Kofferraum, schlechte Sicht nach hinten sind die beliebtesten Stichworte. Alles nicht so wild, lautet unser Fazit nach zwei Wochen. Natürlich ist die Heckscheibe eher schmal. Aber eine Schießscharte ist es auch wieder nicht und man behält im Rückspiegel schon gut den Überblick. Der Kofferraum bietet auch gut Platz. Ein Fahrrad schluckt er bei umgelegten Sitzen dank der großformatigen Heckklappe anstandslos, auch zwei sind bei ein bisschen Willen zu Tetris kein Problem. Wenn es mal ein bisschen mehr Raum sein darf, lässt man den doppelten Kofferraumboden zuhause und gewinnt somit noch einmal rund zehn Zentimeter an Tiefe. Ach ja, da war ja noch die abfallende Dachlinie, wegen der man in SUV-Coupés hinten so schlecht sitzt. Aber wenn der knapp 190 Zentimeter große Schwager auf die Rückbank passt, kann es so schlimm nicht sein.

Auch der Fahrer selbst nimmt gern im Arkana Platz. Der Franzose gibt sich gelassen und komfortabel, aber ist ausreichend direkt abgestimmt, dass man sich auch an einer geschwungenen Landstraße mal erfreuen kann. Außerdem gefällt das gute Stück einfach. Renault fährt in puncto Design aktuell sowieso viele Erfolge und damit Lorbeeren ein, der Arkana ist da keine Ausnahme. Man geht gerne darauf zu, man steigt gerne ein und ein schönes Auto fährt man auch gerne. Schrecklich, diese Oberflächlichkeiten. Als Reiseauto bewährt er sich aber auch und vor allem dank seiner inneren Werte: Wertiges Ambiente, gemütliche Platzverhältnisse und nette Goodies wie ein Heer an Assistenten, die allesamt brav ihren Job tun – und nicht mehr. Lediglich der Notbremsassistent agiert vereinzelt übereifrig und kreischt drauf los, ohne dass ein menschliches Auge den Grund dafür finden kann. Der Sprachassistent ist ebenfalls in der Kategorie solala zu verorten. Selbst die Ansage von Adressen funktioniert nicht fehlerfrei – hier sind die Premiumhersteller mit ihren beinahe organisch anmutenden Assistenten immer noch einen großen Schritt voraus.

Die Kombo aus Ästhetik, Praxistauglichkeit und Vergnügen bleibt mit einem Startpreis von 37.510 Euro für den Renault Arkana Esprit Alpine E-Tech Full Hybrid sehr zivil eingepreist. Das war es dann auch fast schon wieder. Die Lackierung kann man sich natürlich noch etwas kosten lassen, darüber hinaus gibt es noch das Bose-Soundsystem, das City-Plus-Paket mit Parksensoren rund ums Auto, ein Notrad, das Schiebedach und eine schwarze Optik für das Dach. Packt man wirklich alles mit rein, was Renault bietet, stehen 41.384,50 Euro unter dem Strich. Immer noch ein grundsolides Angebot für ein Auto, das alles bietet, was man diesseits von opulenten Lederwelten und hyperintelligenten Assistenten wollen kann.

Jakob Stantejsky

Freut sich immer, wenn ein Auto ein bisserl anders ist. Lieber zu viel Pfeffer als geschmacklos.

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