Mazda verpasste dem 6er ein Technik- und Facelift: außen minimal und innen dezent, neu ist ein Fahrdynamik-System namens G-Vectoring Control. Damit startet er heuer im Herbst ins Modelljahr 2017.

Text: Beatrix Keckeis-Hiller

Fotos: Mazda

Zu den Unauffälligen gehört der Mazda6, seit er nicht mehr 626 heißt, definitiv nicht. In den vergangenen bald fünfzehn Jahren sind die Japaner vom Weg der optischen Radikalisierung kaum eine Haaresbreite abgewichen. Warum der 6er so ausschaut wie er aussieht ist philosophisch untermauert. Die Design-Linie heißt seit dem Start in die aktuelle Generation (2012) „Kodo“, was bei Mazda nichts mit dem Sauseschritt-Codo der 1980er-Jahre zu tun hat. Gemeint ist damit „die Seele“ der Bewegung, laut Erklärung von Akira Tamatani, im Augenblick des Losbrechmoments. Das hat Mazda im Vorjahr, für den Combi gezähmt, mit der Option auf Allradantrieb.

Jetzt ging’s, im Zuge der jüngsten Modell-Überarbeitung, einen Schritt weiter. Neu ist, als Fahrdynamik-Regelung, ein Torque Vectoring-System. Die Eigenwilligkeit der Auto-Schmiede mit Sitz in Hiroshima prägt sich auch hier wieder einmal aus. Während andere Hersteller ihr Torque Vectoring mit gezielten Bremseingriffen an einzelnen Rädern umsetzen, gehen die Mazda-Techniker über die Motorsteuerung. Die G-Vectoring Control dirigiert je nach Lenkeinschlag und Fahrsituation die Drehmomentverteilung (dabei macht GVC keinen Unterschied zwischen Front- und Allrad-getriebenen Versionen).

Davon verspricht man sich stabileres Fahrverhalten, präziseres Handling und Minimierung von störenden Einflüssen auf die Lenkung. Summa summarum sollen die 6er sportlicher und dynamischer um die Ecken zirkeln, auch souveräner geradeaus fahren. Als Probier-Terrain stellte Mazda eine gemischt motorisierte Flotte von Viertürern und Sport Combis nach Barcelona und schickten die Vectorisierten ins nahe Hinterland. Das erste Fazit ergibt eine nicht nur individuell gefühlt gesteigerte Sportlichkeit und Exaktheit im Einlenk-Response, unabhängig, ob Diesel ob Benziner. Am deutlichsten spürbar kommt die Fahrverhaltensstraffung in den Top-Versionen – 192 Benziner-, 175 Diesel-PS – rüber.

Ein weiteres Technik-Detail ist in bezug auf die Diesel zu erwähnen. Mit innermotorischen Maßnahmen soll dem Ölbrenner die Nagelneigung aberzogen werden. Der Eingriff trägt den schönen Namen „Natural Sound Smoother“ und überlagert (etwa nach Art von White Noise) akustisch die Geräusch- und damit Schwingungsentwicklung des Verbrennungsvorgangs. Ähnliches ist – hörbar . bereits beim Einstiegsdiesel des 3er – dem CD 105 – im Einsatz.

Zu diesen Technik-Feinschliffen addierte Mazda am Exterieur eine kleine Äußerlichkeit an den Ohren: Die Blinkleuchten sind jetzt in die Außenspiegel integriert. Im Interieur wurde ein wenig aufgeräumt, das ist sichtbar unter anderem an einer Neuinterpretation des Lenkrads, der Anzeige-Graphiken – das optionale Head Up-Display zeigt jetzt farbig an – und der Gruppierung der Bedienelemente. Das Volant kann man nun beheizbar bestellen.

Zur Abrundung der 2017er-Modelle hat Mazda dem 6er nicht zudem nicht nur etwas fürs Gefühl, die Optik und für die Ohren spendiert. Gemäß dem Zug der Zeit setzte es eine Ergänzung der Assistenz-Elektronik: um eine Verkehrszeichenerkennung. Dafür zuständig ist eine Kamera im Bereich der Frontscheibe. Meistens erkannte sie die spanischen Speed-Limits richtig. Die ersten 2017er-Modelle werden schon im kommenden Herbst ausgeliefert. Das G-Vectoring-System ist serienmäßig (übrigens auch für alle neu produzierten 3er-Modelle). Die Preise: Ab 27.090 Euro für den Viertürer, ab 31.090 Euro für den Sport Combi.