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Peugeot 508 GT Hybrid 225: Feschak mit Dampf

Elegante Limousinen sind beinahe so untrennbar mit der Faszination Automobil verbunden wie Sportwagen. Doch im Zuge der allgemeinen SUV-Werdung und der oft im Fahrzeugboden verstauten Akkus von Elektroautos stirbt die klassische flache Flunder langsam aus. Der Peugeot 508 hält die Fahne noch hoch und lässt auch als Plug-in-Hybrid echtes Limo-Feeling aufkommen.

Fotos: Eryk Kepski

Neben diversen Dieseln und Benzinern hat Peugeot für den 508 gleich drei Teilzeitelektriker im Programm, von 180 bis 360 PS. Im Test bewegen wir uns mit der 225 Pferde starken Version auf dem goldenen Mittelweg. Das bedeutet allerdings auch Frontantrieb, anders als beim allradgetriebenen Topmodell Hybrid4 PSE. Die 225 PS sind dennoch mehr als genug Power, um für enthusiastischen Vortrieb zu sorgen, gerade dank der allzeit bereitstehenden Elektro-Unterstützung. Da geht sowohl von der Ampel weg als auch beim Überholen jenseits der Stadtgrenzen ganz gut was weiter. Etwas mehr als 1,8 Tonnen Gewicht merkt man der Hybrid-Limousine aber natürlich auch an. Dementsprechend ist der Peugeot 508 kein erbarmungsloser Kurvenräuber, sondern will eher souverän, aber bestimmt dahingleiten – typisch Limousine eben. Der Vierzylinderbenziner alleine leistet übrigens 180 PS, die er aus 1,6 Litern Hubraum schöpft. Ist die 12,4 kWh-Batterie komplett ausgequetscht, merkt man ihm den kleinen Hubraum bei beherzter Beschleunigung akustisch schon an. Aber wirklich störend ist das Geräusch auch wieder nicht – außerdem hat man eine Limousine sowieso nicht so grobschlächtig zu treten, nicht wahr?

Zumindest nicht, wenn man ihrer eleganten Optik gerecht werden will. Zwar macht der Peugeot 508 mit seinen Säbelzahn-Scheinwerfern ein wenig auf martialisch, der mosaikartige Grill relativiert die Aggression aber schnell wieder. Ein böse aufgerissenes Maul schaut doch deutlich anders aus. Auch das Heck ist zwar dynamisch, aber nicht aufdringlich gezeichnet. Und die Silhouette ist mit das Feinste, was es derzeit für den geneigten Freund fescher Formen am erschwinglichen Automobilmarkt zu beäugen gibt. Selbstredend sind die 58.840 Euro, bei denen unser 508 GT 225 Hybrid startet, kein Schnäppchen. Aber erstens findet man so eine üppige Ausstattung mit einem Plug-in-Hybrid-Antrieb in dieser Klasse sonst auch nicht oft billiger (aber gerne deutlich teurer) und zweitens kann man ja auch zum reinen Verbrenner umsteigen, wenn es rein um die Optik geht. Dann geht es bei rund 47.000 Euro los.

Das Interieur des 508 GT zieht mit dem knackigen Äußeren mit – so gut es geht. Denn einerseits ist bei einer Volumensmarke wie Peugeot natürlich nicht die ganz große Opulenz möglich. Und andererseits ist der Löwe jetzt auch schon ein wenig in die Jahre gekommen. Da kann er in puncto Digitalität einfach nicht mit den Jungspunden von heute mithalten. Zugegeben: Manch einen mag das gar nicht so stören. Denn der Infotainment-Touchscreen tut seinen Job trotzdem verlässlich und bietet alle wichtigen Funktionen. Und die Absenz von allzu verschachtelten Untermenüs mit zahllosen kosmetischen und vernetzten Features ist in einem sich bewegenden Automobil durchaus sinnvoll. Das kleine, tiefergelegte Lenkrad ist aber auch 2024 noch cool und angenehm und die Oberflächen mögen nicht interaktiv aufleuchten, aber sie wirken wertig und fühlen sich solide an. Sehr nett ist die Sitzmassage für die erste Reihe mit diversen Varianten und Intensitäten – das versprüht schon fast High Class-Feeling.

Generell wohnt es sich auf dem Gestühl, im Testwagen standesgemäß mit Leder bezogen, sehr entspannt und man fühlt sich auch nicht aus der Zeit gefallen. Obwohl die aktuelle Generation doch schon seit 2018 auf dem Markt ist, macht der Peugeot 508 inner- wie äußerlich einen modernen Eindruck. Die Klaviertasten unter dem Touchscreen beispielsweise waren damals ein echtes Schmankerl und funktionieren heute immer noch exzellent als Blickfang. Die Designer in Frankreich werden beim Nachfolger auf jeden Fall ihr Bestes geben müssen, um sich noch einmal zu übertreffen.

Beim Verbrauch wird sich hingegen sicher einiges tun, vor allem, falls der Nachfolger als Vollelektriker kommt. Alles andere als unwahrscheinlich, angesichts der Stellantis-Philosophie, bei der jedes Modell jeden Antrieb bekommt. Denn als Plug-in-Hybrid schlägt das Pendel zwischen Abstinenz und Durst beim 508 je nach Art des Betriebs wild hin und her. Ist der Akku voll, sind rund 40 Kilometer rein elektrisch drin. Aber wenn der Saft zuneige geht, klettert die Verbrauchsanzeige logischerweise rasant in die Höhe, vor allem auf der Autobahn. Rund 1,8 Tonnen wollen von dem Benziner eben erst mal in Wallung versetzt werden. Aus dem guten Liter auf 100 Kilometern werden dann ganz schnell knapp acht Liter, wenn es über längere Zeit mit 130 km/h dahingeht.

Der Peugeot 508 GT hat auch als Plug-in-Hybrid zweifellos seine Daseinsberechtigung. Allerdings sollten chronische Viel- und vor allem Weitfahrer vielleicht einstweilen doch lieber beim reinen Verbrenner bleiben. Wer allerdings auch viel durch die Stadt pendelt und eine praktische Lademöglichkeit hat, kann sich mit dem 225 Hybrid eine Menge sparen. Als Bonus obendrauf gibt es einen kraftvollen E-Punch, der dem schönen Löwen einen animalischeren Antritt verleiht. So ist der Franzose nicht nur ein Feschak, sondern macht auch brav Dampf.

Jakob Stantejsky

Freut sich immer, wenn ein Auto ein bisserl anders ist. Lieber zu viel Pfeffer als geschmacklos.

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