Range Rovers neue Mittelklasse

Velar: Die Geländejacht

von Thomas Geiger

Der Name ist von gestern, doch das Auto weist weit in die Zukunft. Denn wenn Land Rover jetzt zum Genfer Salon den Range Rover Velar auf die Bühne rollt, erinnert die vierte Baureihe der noblen 4×4-Abteilung zwar an den allerersten Prototypen, mit dem die Briten vor fast 50 Jahren die Entwicklung des Range Rover gestartet haben. Aber die Form soll Range Rover fit machen für die Zukunft, sagt Chefdesigner Gerry McGovern, der die noblen Land Rover-Ableger mit diesem ebenso schlanken wie schnörkellosen Schmuckstück gar vollends zur Modemarke im Matsch machen möchte. In London jedenfalls oder in New York kann man sich dieses schnittige Raumschiff auf seinen bis zu 22 Zoll großen Rädern viel besser vorstellen, als in der Savanne oder der Wüste – selbst wenn Projektleiter Kevin Stride keinen Zweifel daran lässt, dass für den Velar das gleiche gilt wie für alle anderen Geländewagen der Briten: Above and beyond – also höher und weiter zu kommen als die Konkurrenz.

Ob Stride damit recht hat, wird sich erst noch zeigen müssen. Doch was jetzt schon klar ist, ist dass der Sommer erhältliche Range Rover Nummer Vier kreativer ist als die Wettbewerber. Denn auch wenn er eindeutig auf Autos wie das Coupé des Mercedes GLE oder den BMW X6 zielt, ist er eben nicht einfach nur ein Range Rover mit flachem Dach, sondern tatsächlich ein ausgesprochen eigenständiges Modell mit einer ganz eigenen Positionierung, die sich nicht zuletzt auch im Preis niederschlägt. Denn mit einem Grundtarif von 56 400 Euro kostet er zwar 15 000 Euro mehr als ein Evoque, bliebt aber knapp 4 000 Euro unter dem Range Rover Sport. Beim Platzangebot ist die Sache dagegen nicht ganz so einfach. Denn mit einer Länge von 4,80 Metern und 2,87 Metern Radstand sieht der Velar bei der ersten Sitzprobe nicht schlechter aus als der Range Rover Sport: Selbst im Fond lässt es sich gut aushalten und der Kofferraum fasst bis zu 673 Liter.

Mit den schlankesten LED-Scheinwerfern, die McGovern je einem Serienauto ins Gesicht gerückt hat, mit vollkommen glatten Oberflächen, für die Land Rover sogar im Tesla-Stil versenkte Türgriffe einführt und einem Heck, das ohne Ecken und Kanten auskommt, wird der Velar nicht nur zu einem Blickfang, sondern zugleich zum windschnittigsten Range Rover aller Zeiten. Und vor allem macht das Design neugierig auf einen Innenraum, der nicht minder futuristisch ist: Die Instrumente digital, die ganze Mittelkonsole wirkt wie ein einziger Touchscreen und wo man sich sonst in einem Range Rover bisweilen noch immer fühlt wie in einem altehrwürdigen Londoner Gentlemans Club ist der Velar so cool und stylish wie ein In-Club für die Yuppie-Szene. Wäre da nicht noch ein Lenkrad vor der Bedienlandschaft und der vertraute Knubbel für die Gangwahl, man könnte sich fast in einem Raumschiff wähnen.

So futuristisch der Velar gezeichnet ist, so konventionell ist er konstruiert. Denn im Grunde ist der Lückenfüller zwischen Evoque und Range Rover Sport nichts anderes als ein neu eingekleideter Jaguar F-Pace. Er nutzt die gleiche Aluminium-Architektur, hat auf Wunsch ebenfalls eine Luftfederung und fährt mit denselben Motoren: Zunächst mal drei Dieseln mit 180, 240 oder 300 PS und zwei Benzinern mit 250 oder 380 PS. Und genau wie das erste SUV von Jaguar, das 10 000 Euro günstiger ist, muss der Velar ohne Geländeuntersetzung auskommen. Doch wer die Briten kennt, der weiß, dass sie Offroad keine Kompromisse machen und deshalb auch dieser Range Rover mehr können wird, als die allermeisten Kunden sich selbst je zutrauen. Wozu gibt es schließlich die Terrain Response, einen Geländetempomaten und eine Wattiefe, bei der andere Geländewagen längst baden gehen.

Zwar weiß McGovern, dass Geländewagen bei aller Liebe zum SUV auch als blech gewordene Unvernunft in der Kritik stehen. Und selbst mit seinem ultraschlanken Design und Verb4auchswerten ab 5,4 Litern kann sich der Velar davon nicht freimachen. Doch beweisen die Briten mit diesem Auto zugleich einen Sinn für gesellschaftliche Trends und nachhaltige Verantwortung. Nein, nicht weil es eine Elektrovariante oder wenigstens einen Plug-In-Hybrid gäbe. Davon ist bei Land Rover noch immer keine Rede. Aber statt dessen wird der Velar zum ersten Range Rover, den man auch in einer veganen Variante kaufen kann.