Der VW Caddy hat sich vom spröden Nutzfahrzeug zum Auto für ein großes Publikum gemausert. In der neuen, vierten Generation wird noch deutlicher zwischen Lastenesel und smartem Freizeitvehikel differenziert. Die große Revolution bleibt aber aus.

Text: Philipp Stalzer

Die große Kunst beim VW Caddy ist der Spagat vom preiswerten Nutzfahrzeug, über ein praktikables Auto bis hin zur hippen Großraumlimousine authentisch hinzubekommen. Unterschiedlicher könnte das Anforderungsprofil an einen Klein-LKW bzw. an einen geräumigen Personenwagen nicht sein. Mit seinen fünf Ausstattungsvarianten, zwei Radständen, sieben Motoren und optionalem Allradantrieb wie auch Doppelkupplungsgetriebe findet aber jeder Kunde die richtige Konfiguration. Nicht umsonst sind nur noch etwa 55% der ausgelieferten Caddy ein LKW, der PKW-Anteil steigt zusehends. Der Trend geht verständlicherweise zu mehr Platz und gutem Komfort um weniger Geld als bei einem vergleichbaren Kombi oder Van – vor allem für Unternehmen. In die Kerbe schlägt die vierte Caddy-Generation mit voller Wucht und zurückhaltendem Design. Deshalb schicken wir vier Leute zum VW Autohaus, die sich nach ihren Bedürfnissen einen Caddy aussuchen.

Die fesche Mama

Karin legt Wert auf ihr Aussehen und achtet auch auf Accessoires, hat aber keine Lust sehr viel Geld für ein Auto auszugeben. Außerdem hat sie 2 Kinder, die sich im Urlaub nur sehr ungern von ihrem Tretauto, den jeweils 3 Stofftieren und dem schönen Biene Maja-Puzzle, das im Kindergarten gerade hypet, trennen. Ahja, ihr Mann kommt dann auch noch mit. Damit ihr Caddy auch hochwertig aussieht, entscheidet sie sich für das Sondermodell zur Markteinführung, den Caddy „Generation Four“. Der basiert als PKW auf der Ausstattungslinie Trendline und hat eine Volllackierung (also auch Stoßstangen, Seitenleisten und Spiegelgehäuse) in optimaler weise der Sonderfarbe „Fontana Rot“ eine Dachreling, verdunkelten Scheiben, 17-Zoll Aluräder sowieo getönte Rückleuchten als optischen Aufputz anzubieten. Das funktioniert gut und findet innen mit Teillederumfängen mit Kontrastnähten und den wichtigsten Extras wie Klimaanlage, Bordcomputer und Radio mit Farbdisplay eine würdige Fortsetzung. Karin entscheidet sich für die Standardmotorisierung, einen 2,0 Liter TDI mit 102 PS. Somit reichen 25.922 Euro für das optimale Familienauto mit einem Hauch von Stil und Noblesse.

Nicht umsonst sind nur noch etwa 55% der ausgelieferten Caddy ein LKW, der PKW-Anteil steigt zusehends.

Der Malermeister im VW Caddy

Stephan hat einen Malerbetrieb und wohnt am Stadtrand. Für seine Mitarbeiter, sie fahren vom Betrieb meist nur ein paar Kilometer zum Auftraggeber in der Stadt, ist seine Wahl der Kastenwagen mit dem 84 PS starken 1,2 TSI Benziner im „Entry“-Level. Kaufpreis: 11.990 Euro netto. Der geringere Wartungsaufwand, als auch der günstigere Anschaffungspreis fallen wesentlich mehr ins Gewicht, als der marginal höhere Verbrauch zum „kleinsten“ 75 PS-Diesel. Passend zum geringen Anforderungsprofil an das Auto reicht die Basis. Als Firmenwagen fährt Stephan ebenfalls einen Caddy. Erstens um Diskussionen mit seinen Mitarbeitern über die Autowahl aus dem Weg zu gehen und zweitens weil das Auto vorsteuerabzugsberechtigt ist. Stephan ist auch privat kein Freund des Selbstzünders, fährt aber über 20.000 Kilometer im Jahr. Deshalb rentiert der Griff zum Caddy mit der 110PS starken Erdgas-Motorisierung. Das turbogeladene Aggregat sorgt für Laufruhe und würdiges Vorankommen, sollte einmal keine Erdgas-Tankstelle am Weg liegen, fährt der „TGI“ genannte Gas-Caddy auch mit Sprit. Als Ausstattungsvariante ist Stephan mit dem mittleren Comfortline-Level zufrieden, aber technische Spielereien wie der aktive Einparkassistent und die Rückfahrkamera dürfen bei der Bestellung für ihn nicht fehlen. Sein Ab-Preis für den Angaser: 26.986 Euro.

Der Freizeit-Sportler und sein VW Caddy

Matthias hat einen Job im Büro, fährt zum Ausgleich in seiner Freizeit aber gerne Fahrradtouren, im Winter geht er oft Skifahren. Er und seine Kumpels sind spontan. Genauso spontan muss auch sein Caddy für alles mögliche herhalten. Wenn das Ziel wieder mal etwas weiter weg liegt, soll auf der Autobahn was weitergehen – den Berg hinauf muss auch im Schneegestöber funktionieren. Seine Wahl (auch wenn er noch bis Ende 2015 auf diese Kombination warten muss): der 150 PS-TDI mit Allradantrieb und DSG, langem Radstand (sprich Caddy Maxi) und der 7-Sitzer Konfiguration. Die beiden hintersten Sitze lassen sich umklappen, aufklappen und auch – falls mehr Stauraum gebraucht wird – ausbauen. Je nach dem ob gerade Personen oder Sportgeräte transportiert werden, ist der Innenraum variabel genug für jede Schandtat. Seine Wahl beim Trim-Level: Trendline. Mehr als eine Klimaanlage und die zweite Schiebetür braucht er für seine Freizeitaktivitäten nicht. Sein Einstiegspreis: noch nicht genau bekannt, etwa 32.000 Euro.

Camping-Enthusiastin und ihr VW Caddy

Sabine liebt die Freiheit und fährt gern Campen. Ein VW Bus mit Camping-Ausstattung sprengt sowohl ihr Budget, als auch den Platz in der engen Garage. Ihre Wahl beim Caddy: die „Beach“ genannte Campingausführung. Aus der Rückbank und einem Stück Matratze im Kofferraum ist schnell ein Bett zusammengeklappt, der spontanen Übernachtung an einem schönen Ort steht nix im Weg. Bei der Motorisierung ist der 102 PS starke Diesel mit DSG die optimale Wahl, um auf längeren Reisen entspannt anzukommen. Sabine bestellt das optionale Heckzelt, das in Kombination mit der geöffneten Heckklappe Raum in Stehhöhe anbietet. Für den kompakten Camper gibt es noch keine Preisauskünfte, die Markteinführung erfolgt Mitte des Jahres, also in Kürze.

Fazit

Der Caddy hat durch den in erster Linie technisch erfolgten Feinschliff deutlich gewonnen. Die Akustik und der Federungskomfort der Starrachse wurden merklich verbessert, während die dezenten Änderungen der Außenoptik nur ein Facelift vermuten lassen. Auch erfreulich: trotz Erweiterung des Hubraumes bei einigen Dieselaggregaten auf 2 Liter, ist der Normverbrauch weiter zurückgegangen. Sicherheitsfeatures wie die ab „Conceptline“ serienmäßige City-Notbremsfunktion und zusätzliche Airbags sind bei Vielfahrern gern gesehen, genauso wie der optionale Abstandsregeltempomat ACC. Kurzum: der Caddy ist unauffällig geblieben, aber merklich besser geworden.

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