Das Äußere zählt (auch).

Lexus LS500h: Das Topmodel in der Oberklasse

Dem Lexus LS500h fehlt es im Vergleich zur S-Klasse und Co. vielleicht etwas an deutscher Perfektion. Das macht der Japaner mit einer betörenden Optik wieder wett.

Text: Maximilian Barcelli

Doch wir wollen uns zunächst den zwei, drei Schwachpunkten der Oberklasse-Limousine von Lexus widmen, bevor wir uns der Sonnenseite des Lebens zuwenden. Einer liegt auf der Hand – oder besser gesagt im Getriebe. Das ist nämlich, wie bei asiatischen Herstellern nicht unüblich, stufenlos. So ein CVT kann manchmal der blanke Horror sein, Freddy Krueger nix dagegen. Und manchmal ist’s okay. Wirklich angenehm geschweige denn besser als Wandler, Doppelkupplung und Co. ist’s aber quasi nie. Auch nicht beim Lexus LS500h.

Der darf sich wenigstens in die Okay-Spalte einordnen, meist sind die ganzen 359 PS, die der V6-Verbrenner gemeinsam mit der E-Maschine zur Verfügung stellen, nicht von Nöten und die Limousine kann untertourig bewegt werden. Leider nicht immer. Und da stört das Geheule des Motors dann schon, vor allem weil es das sonst wunderbar smoothe Gesamtbild umwirft. Grundsätzlich ist der LS500h nämlich fabelhaft gedämmt, viel Lärm von draußen dringt nicht ins Auto. Dafür geht oft im Innenraum beim Losfahren akustisch die Hütte ab.

Nervig: Die sehr penetrant klingende Erinnerung an unangeschnallte Passagiere, die zu allem Überfluss keine zwei gefahrene Meter wartet, bis sie loslegt. Und wenn sie loslegt, dann gleich mit vollem Karacho. Dass wird der japanische Geschäftsmann halt nicht so schätzen.

Ein letztes Negativum ist uns noch im Interieur aufgefallen: Das Lenkrad wirkt ein bisserl altbacken und die Pfeiler links und rechts von diesem – zuständig für die Einstellung der Fahrmodi sowie der Schärfe der Traktionskontrolle – tragen dick auf, was uns schon beim LC500h aufgefallen ist.

Ist aber Geschmackssache, also sei’s drum. Kleine Details in einem sonst wunderschönen Innenraum. Also zur Sonnenseite: Besonders gut gefallen haben uns die metallenen Streben, die sich von einer Tür über die Mittelkonsole zur anderen Tür ziehen und die Lüftungsdüsen integrieren. Apropos Türen: Fesch ist auch die Innenverkleidung dieser. Das Bediensystem für das Infotainment wird wohl nicht jedermanns Sache sein, wir konnten uns allerdings gut damit anfreunden. Es muss ja wirklich nicht immer ein Touchscreen sein, Verkehrssicherheitstechnisch ist dieser sowieso Quatsch. Großes Kino: Das Fond. Da zeigt Lexus, dass man in Sachen Lounge-Feeling der deutschen Konkurrenz in nichts nachsteht. Ein weiteres Schmankerl sind die schön designten und hochwertigen Schaltwippen am Lenkrad.

Das größte Feuerwerk wird aber nicht Innen gezündet, sondern außen. Gott sei’s gedankt, wäre ja eine ziemliche Sauerei. Beim Exterieur spielt Lexus die Trumpf-Ass aus. Andere Luxuslimousinen sehen verglichen mit dem Japaner wie die Biederkeit in Automobil aus. Für die extravagante Optik sorgt in erster Linie die sehr coupéhafte, flache Silhouette. Auch Front und Heck geben richtig was her. Nur wenigen Herstellern gelingt es einen solch exorbitanten Kühlergrill zu verbauen, der die Fuhre trotzdem nicht plump und protzig wirken lässt. BMW zeigt beim Facelift-7er ja eindrucksvoll vor, wie’s nicht geht.

Das Leuchtendesign ist ebenso gut geglückt – hinten sowie vorne. Und wenn wir schon bei den Münchnern sind: Die Heckleuchten erinnern bei eingeschaltetem Zustand durch ihre L-Form etwas an BMW. Halb so schlimm, immerhin ist die Schokoladenseite des 7ers ja der Popsch. Fazit: Der Lexus LS500h wirkt trotz Riesengrill edel, ja fast schon filigran. Dass er ein absoluter Exot auf unseren Straßen ist, ist auch kein Schaden. Wir würden wetten: So viele Blicke hätten wir in einer S-Klasse nicht eingesammelt. Im 7er eventuell schon. Aber die Sorte von Aufmerksamkeit will man vielleicht gar nicht.

Auf der anderen Seite ist auch das Design der Münchner Luxuslimousine Geschmackssache – und live gesehen haben wir ihn ja noch nicht. Wir lassen das jetzt aber links liegen, immerhin steht ja der Lexus LS500h im Mittelpunkt.

A und O bei einer Oberklasse-Limousine, besonders wenn, der Ausstattungslinie „President“ sei Dank, mit einem so feinen Fond ausgestattet, ist das Fahrwerk. Das hat im Spektrum klar auf der Komfort-Seite zu stehen – und das tut es beim LS500h durch die Luftfederung. Und trotzdem lässt sich das rund 5,2 Meter lange Schiff recht sportiv durch die Kurven jagen. Vielleicht erweckt dieser Eindruck aber auch nur, weil wir mittlerweile lediglich SUVs mit hohem Aufbau fahren.

Spaß bei Seite. Beim Kurvenjagen schnellt natürlich der Verbrauch flott nach oben, gute zwei Liter ist man aber auch bei gemäßigter Fahrt vom Normverbrauch (sieben Liter) entfernt. Der heckgetrieben LS500h genehmigt sich offiziell fast einen Liter weniger und sprintet mit 5,4 Sekunden ein Zehntel schneller auf Landstraßentempo. Wir wollen den Allrad trotzdem nicht missen, denn nicht nur einmal hatten die Reifen Schnee anstelle von Asphalt unter sich. Und da gibt der Vierradantrieb halt enorme Sicherheit, den Fahrgenuss schränkt er trotzdem nicht ein.

Preislich startet der Lexus LS500h AWD President bei saftigen 152.000 Euro. Klingt viel, ist es auch. Rüstet man eine S-Klasse auf das Niveau der President-Ausstattung, düst man zwar eher schon gen 160-, 170er Marke. Nachgeworfen wird einem die Luxuslimousine aus Japan dennoch nicht.