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Porsche Panamera Facelift: Der vierte Beatle

Er ist sportlich, wo die anderen vor allem seriös sind und würzt den Luxus seiner Liga mit einer großen Portion Leidenschaft: Neben Audi A8, BMW Siebener und Mercedes S-Klasse fällt der Porsche Panamera ein wenig aus der Reihe wie Ringo Starr neben Paul McCartney, John Lennon und George Harisson. Doch die Rolle des vierten Beatles steht dem großen Schwaben gut und in Zuffenhausen sind sie mit dem Absatz zufrieden. Damit das so bleibt, geht die zweite Generation von Gran Turismo, Sport Turismo und dem verlängerten Executive jetzt mit einem gründlichen Update in die zweite Halbzeit.

Von Thomas Geiger

Von außen sieht man das dem Porsche-Flaggschiff zwar kaum an, wenn der intern G2 genannte Luxusliner im Oktober zu Preisen ab 91.345 Euro (D) in den Handel kommt. Denn mehr als die Scheinwerfer und die Blende zwischen den Rückleuchten haben die Designer nicht geändert. Und auch innen auch innen gibt’s nicht viel mehr als das neue Lenkrad aus dem Elfer und ein Update für die Infotainment-Software samt besserer Auflösung für den Touchscreen und schnellerer Berechnungen für die Navigation. Denn für den Einsatz der neuen, nicht überall gelobten Infotainment-Architektur des VW-Konzerns hätte Baureihenleiter Thomas Friemuth zu tief in die Eingeweide des Panamera gemusst. Und die Bildschirmlandschaft des Taycan bleibt offensichtlich erst einmal den elektrischen Porsche-Modellen vorbehalten.


Doch dafür ändert sich umso mehr bei der Technik– vor allem unter der Haube: Während das Basis-Modell mit 330 PS unverändert bleibt und der GTS lediglich von 460 auf 480 PS klettert, macht der Turbo so einen Sprung, dass ihm Friemuth ein S spendiert: 630 statt 550 PS stehen jetzt im Datenblatt und entsprechend Dampf entwickelt das Dickschiff. Seine guten zwei Tonnen jedenfalls sind wie weggeblasen, wenn der Kraftmeier bei einer ersten Ausfahrt über die einsamen Nebenstraßen stürmt und selbst bergauf ein paar verirrte Touristen in weniger als einem Wimpernschlag überholt. Die 315 km/h Spitze muss man den Entwicklern unbesehen glauben, weil das die Autobahn heute beim besten Willen nicht hergibt. Doch dass der Turbo S mit seinen maximal 820 Nm in 3,1 Sekunden auf Tempo 100 kommt, das beweist er ebenso bereitwillig wie beeindruckend – und zwar immer wieder aufs Neue.

Natürlich hat der Panamera auf der Rennstrecke so wenig verloren wie Ringo Starr bei den Rolling Stones. Doch er wäre kein Porsche, wenn er sich nicht auch dort tapfer schlagen würde. Sehr tapfer sogar. Nicht umsonst hat der Gran Turismo im Sommer eine Rekordrunde auf dem Nürburgring absolviert und sich mit einer Zeit von 7:29,81 Minuten als bis dato schnellste Oberklasse-Limousine auf der legendären Nordschleife erweisen. Damit haben die Schwaben nicht nur Konkurrenten wie die AMG-Version der Mercedes S-Klasse oder die potenten Viertürer von Maserati hinter sich gelassen, sondern vor allem haben sie eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie gründlich ihre Modellpflege war. Schließlich hat der neue Panamera seinem Vorgänger in der Grünen Hölle die Ewigkeit von von 13 Sekunden abgenommen.  

Aber Porsche dreht nicht nur an der Leistungsschraube, sondern auch am Benzinhahn – nur in der entgegen gesetzten Richtung. Denn elektrisiert vom Erfolg des Taycan und bestätigt von den vielen Vergünstigungen für die Teilzeitstromer erweitern die Schwaben mit der Modellpflege auch das Angebot an Plug-In-Hybriden. Schließlich fahren nach dem von vielen Kunden und einigen Ingenieuren noch immer bedauerten Aus für den Diesel mittlerweile über die Hälfte aller Panamera mit Stecker vom Hof. „Deshalb weiten wir das Angebot aus und schließen die Lücke zwischen dem 4 E-Hybrid und Turbo S E-Hybrid mit einem dritten Modell“, sagt der Baureihenleiter und lenkt den Blick auf den neuen Panamera 4S Hybrid, der mit einer Systemleistung von 560 PS und einem Spitzentempo von 294 km/h an den Start geht.

Allen drei Plug-Ins gemein ist die neue Batterie. Dank eines optimierten Packages steigt die Kapazität von 14,1 auf 17,9 kWh und mit der optimierten Betriebsstrategie wächst die Reichweite sogar noch mehr: „Künftig kommt man mit einer Akkuladung etwa 30 Prozent weiter“, sagt Friemuth und freut sich über eine elektrische Reichweite von bis zu 54 Kilometern.

Während die neuen Motoren die sportliche Seite des Panamera herausstreichen, hat Friemuth beim Fahrwerk in zwei Richtungen gearbeitet. „Wir wollten den Spagat noch weiter spreizen und die großen Stärken des Panamera betonen. Deshalb haben wir das Auto sportlicher und zugleich komfortabler gemacht.“ Während Rekordfahrer Lars Kern von einer neuen Handlichkeit schwärmt, mehr Stabilität und einer größeren Ruhe im Aufbau, soll der Panamera auf der Autobahn noch gelassener über die linke Spur fliegen. „Wir haben den Fahrkomfort und die Kurvenstabilität durch die Optimierung aller Fahrwerksysteme spürbar erhöht“, sagt Friemuth und nennt dafür vor allem ein neues Set-Up für die adaptiven Dämpfer, die elektromechanische Wankstabilisierung und die Lenkung sowie die überarbeiteten Lager für Motoren und Achsen.

Zwar wissen sie auch in Zuffenhausen, dass der Panamera selbst nach dem Update nie die Stückzahlen von Audi A8 oder Siebener erreichen wird und erst recht nicht an die gerade neu vorgestellte S-Klasse herankommt. Doch muss man nur noch einmal nach den Beatles und dem Ruhm von Ringo Starr schauen, um zu erkennen, dass man auch als vierter im Bunde gut über die Runden kommen kann.

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Jakob Stantejsky

Freut sich immer, wenn ein Auto ein bisserl anders ist. Lieber zu viel Pfeffer als geschmacklos.

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