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Suzuki Vitara Hybrid: Cool geblieben

Suzuki steht wie kaum ein anderer Hersteller für Verlässlichkeit. Egal ob mit dem Jimny durchs Gehölz oder dem Swift durch die City, seit Jahrzehnten schon weiß man nicht nur, was man bei den Japanern kriegt, sondern die Fahrzeuge überzeugen auch mit dem gewissen Charme. Auch der Vitara hat eine bewegt Geschichte hinter sich und ist trotzdem (oder gerade deshalb?) cool geblieben.

Cool, das bedeutet bei Suzuki nicht hunderttausend Touchscreens im Cockpit und mehr Assistenten als Schrauben im Auto. Sondern eine entspannte und kompetente Grundeinstellung, die sich nicht aus der Ruhe bringen lässt. Diese Zuverlässigkeit hat der Vitara noch aus seiner Zeit als Geländewagen. Weil ein Kompakt-SUV heutzutage aber nicht nur mit Robustheit überzeugen kann, ist der Japaner im Laufe der Jahre allerdings auch zunehmend smart geworden. Mittlerweile wirft er gar mit Begriffen wie 48 Volt-Mild-Hybrid-System um sich. Und dennoch kann er im Unterschied zu zahlreichen Konkurrenz-Kompakt-SUVs immer noch Allrad. Cool geblieben, eben.

Konkret handelt es sich bei unserem Testwagen um den Suzuki Vitara 1.4 DITC Hybrid Allgrip, der bei 27.590 Euro beginnt. Anders als bei unseren deutschen Freunden kann man sich dann allerdings nicht das Dreifache des Basispreises noch an Sonderaustattung ins Vehikel klatschen. Sondern die Topausstattung Flash liegt bei 29.590 Euro und kann eigentlich nur mehr um eine Pearl- oder Metallic- und eine Dachlackierung erweitert werden. Da steht der Zeiger dann bei 30.440 Euro. Unterm Strich ein fast schon irrwitziger Preis, wenn man bedenkt, dass dann auch Extras wie Ledersitze, Einparkhilfen vorne und hinten und ein Infotainmentsystem mit Navi, DAB-Radio etc. mit an Bord sind. Ja, der Innenraum wird noch immer von Plastik dominiert. Aber was Suzuki hier an Leistung für dieses Preis bietet, lässt die Konkurrenz teilweise verdammt alt aussehen.

Natürlich saugt man sich den Tiefpreis auch in Japan nicht einfach aus den Fingern. Höherpreisige vergleichbare Fahrzeuge sind in der Regel entweder dynamischer oder komfortabler gefedert, haben mehr Schnickschnack drauf und sind aufwändiger gestylt. Doch Pragmatiker stellen fest: Entspannt von A nach B fahren und dabei nichts Essentielles missen, das geht definitiv auch im Vitara. Und apropos Dynamik: Allzu verhalten geht der 1,4 Liter-Vierzylinder mit seinen 129 PS und 235 Nm Drehmoment auch wieder nicht zur Sache. Denn gerade untenheraus kann man dem Suzuki einen frechen Sprint entlocken, wenn man den Bleifuß betätigt. Die ziemlich weiche Sechsgangschaltung versprüht zwar dabei kein sportliches Feeling, als lahme Ente kann man den Vitara aber auch nicht bezeichnen – eben auch dank seiner Elektro-Assistenz.

Die manifestiert sich in einem Mild-Hybrid-System, das sich aus einem 48 Volt-Startergenerator und einer kleinen Batterie zusammensetzt. Die unterstützen den Benziner mit zusätzlicher Energie und Drehmoment beim Angasen und verfügen außerdem über eine Segelfunktion, bei der der Elektromotor den Verbrenner ohne jegliche Benzineinspritzung im Leerlauf hält. Rein elektrisches Fahren ist hier nicht angedacht, daher ja wie beim Ignis die Bezeichnung Mild-Hybrid. Kraftstoff spart man trotzdem, daher macht diese Technologie definitiv Sinn. Es ist beim Vitara auch in dieser Hinsicht eben nicht gleich der ganz große technische Wurf, aber ein cleveres Tool, das dem SUV gut zu Gesicht steht. Anders als der Notbremsassistent, der in bester Suzuki-Tradition weiterhin viel zu sensibel reagiert und den Fahrer öfter mal mehr oder weniger grundlos ankreischt. Muss man halt abdrehen, sorry.

Mit der Emotion schlechthin oder dem Luxusüberfluss oder der technologischen Revolution wird ein Suzuki wohl nie überraschen. Doch die Japaner bleiben dennoch nicht dem Gestern verhaftet und sind sehr wohl dazu bereit, ihr Rezept um sinnvolle Zutaten zu erweitern. Das Infotainment besteht weiterhin aus einem Touchscreen mit vier Menüpunkten – aber das reicht aus und funktioniert bestens. Das Interieur besticht nicht mit Glanz und Glorie – aber man sitzt ordentlich und kann alles bequem bedienen. Und mit seinem Design reißt der Vitara keine Bäume aus – aber es ist gefällig und macht nicht mit Ausrutschern auf sich aufmerksam. Insgesamt macht der Suzuki Vitara auch als Hybrid Allgrip den Eindruck eines Autos, das man wohl auch zwanzig Jahre ohne große Probleme und Sperenzchen bewegen kann. Das mag jetzt nicht super aufregend sein, ist aber auch heute noch eine coole Sache.

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Jakob Stantejsky

Freut sich immer, wenn ein Auto ein bisserl anders ist. Lieber zu viel Pfeffer als geschmacklos.

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