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Renault Captur PHEV: So gemütlich kann Motorsport

2013, als der erste Renault Captur eingeführt wurde, boomten die SUVs noch eher in den größeren Fahrzeugklassen. Mittlerweile ist alles anders. Oder fast alles. Den ein Vorreiter bleibt der Captur auch in Generation 2 noch.

Zumindest als Plug-in-Hybrid: Kein anderer Hersteller hat bis dato einen dualen Antriebsstrang ins B-Segment gequetscht, zumindest nicht in ein SUV der Kleinstwagenklasse, Stichwort BMW i3. Wobei: War es beim Captur überhaupt so eine Quetscherei?

Immerhin ist der Bestseller von Renault im Zuge des Generationenwechsels ordentlich gewachsen: Fast elf Zentimeter in der Länge, knapp über drei beim Radstand und auch die Breite legt um rund zwei Zentimeter zu. Das ist spürbar: Die Platzverhältnisse sind im Vergleich zum Vorgänger deutlich opulenter. Es ist aber auch sehbar: So einen kindlichen Eindruck macht der neue Captur nicht mehr. Aus der Sammlung „Ausgelutschte Phrasen eines Motorredakteurs“, Band 2, Seite 15: „Er ist erwachsen geworden“. Wobei sich daran natürlich auch das Design mit den schärfer gezeichneten Leuchten beteiligt.

Die Leuchten an Heck und Front sind deutlich aggressiver designt.

Trotz des Wachstumsschubs, der die Zugehörigkeit zum B-Segment diskutabel macht: Ein bisserl Platz schaffen für E-Maschinen und Akku mussten die Franzosen schon. Weshalb der Kofferraum und der Tank schrumpfen. Abschrecken lassen darf man sich von den unter 300 Litern Gepäckraumvolumen nicht, denn die Rückbank lässt sich verschieben – praktisch! Haben die Passagiere auf der Rückbank dann so wenig Beinfreiheit wie möglich, fasst der Kofferraum dann knapp 380 Liter.

Unter 300 Liter Kofferraumvolumen hört sich schlimmer an, als es ist.

Außerdem gibt’s ja was im Gegenzug. Nämlich eine fast 10 kWh (netto) große Batterie. Die soll für etwas über 50 Kilometer elektrische Reichweite sorgen, was – wie immer – illusorisch ist. Allerdings wichtig fürs Börserl: Die 2.500 Euro Umweltförderung für PHEVs lässt der Staat nämlich nur dann springen, wenn diese offiziell 50 Kilometer oder weiter rein elektrisch fahren können.

Und das natürlich ohne den Akku nachzuladen. Weil wir allerdings überwiegend im städtischen Bereich unterwegs waren und uns häufig an die Ladestationen der Wien Energie gehängt haben, um die Umwelt zu schonen (und vielleicht auch ein bisserl um keine Parkgebühren zahlen zu müssen), kamen wir den offiziellen Angaben von 1,4 bis 1,7 Liter Benzin auf 100 Kilometer gefährlich nahe.

Klar, die Sache sieht schnell anders aus, wenn man mal 300, 400 Kilometer Autobahn am Stück abspult. Dann muss der Vierzylinder mit 1,6 Liter Hubraum und ohne Aufladung zusätzlich rund 300 Kilogramm mitschleppen, die die elektrische Komponente des dualen Antriebsstrang auf das Gewicht draufpackt.

Aber so, mit regelmäßigem Laden und Geschwindigkeiten, die noch die E-Maschine bewältigen können, geht sich eine drei vor dem Komma aus. Spitzentempo im rein elektrischen Betrieb sind übrigens 135 km/h. (Da fällt uns gerade auf, dass die E-Maschine hier in Österreich selbstverständlich ALLE Geschwindigkeitsbereiche abdeckt … )

Weil der Renault Captur PHEV elektrisch anfahren muss, verbraucht er nie den vollen Akku.

Außerdem marschiert der Captur PHEV, der eigentlich E-TECH Plug-in 160 heißt, auch spritzig nach vorne. Die eben im Namen angesprochenen 160 PS (exakt sind es eigentlich 159 PS) und das System-Drehmoment von 300 Nm sorgen für einen Paradesprint von 10,1 Sekunden. In der Theorie schon nicht schlecht, in der Praxis fühlt sich der Vortrieb sogar noch elastischer an.

Unter dem Label „E-TECH“ vermarktet Renault seine Hybride.

Schwer begeistert sind wir vom Interieur. Das ist zwar jetzt kein Exklusiv-Attribut des Plug-in-Hybriden, allerdings ist dieser ohnehin nur in höheren Ausstattungslinien orderbar. Renault geht mit dem Captur einen ähnlichen Weg, wie manch deutscher Hersteller: Das City-SUV kann recht günstig sein, der Einstieg beginnt bei knapp unter 20.000 Euro. Wer allerdings das Geld hat und es auch ausgeben will, der kann den grundsätzlich nicht billig wirkenden Innenraum in eine Oase des Wohlfühlens verwandeln, mit vielen hübschen Stoffen und wenig Hartplastik.

Der E-TECH Plug-in 160 ist immer eine solche Oase, die niedrigste Ausstattungslinie, mit der der Antriebsstrang kombiniert werden kann, ist „Intens“, dann kostet er 33.790 Euro. Womit der PHEV immer kommt und was eigentlich keine Merkmale der Intens-Linie sind: Die schwebende Mittelkonsole, die Rückfahrkamera oder auch der 9,3 Zoll große Touchscreen.

Die schwebende Mittelkonsole ist beim PHEV immer mit an Bord.

Fahrwerk und Lenkung befinden sich klar auf der komfortablen Seite des Lebens. Das passt gut zum Gesamtpaket, inklusive Getriebe. In das wurde besonders viel Hirnschmalz hineingesteckt, es handelt sich um eine Dog-Box (ja, das aus dem Rennsport). Dementsprechend kommt es ohne Synchronring aus. Und auch ohne Kupplung! Die wird beim Dog-Box-Getriebe nämlich nur für’s Anfahren gebraucht. Und Anfahren tut der Renault Captur PHEV immer elektrisch. Von all dem merkt man im Fahrbetrieb aber nix. Und das ist als Kompliment zu verstehen.

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Maximilian Barcelli

Bei 7.000 Touren beginnt der Spaß für den mehr begeisterten denn begnadeten Autofahrer.

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