Schneller Streber

Der SQ5 bringt Farbe rein

Perfektion bis ins letzte Schräubchen, mehr Infotainment und Assistenz als in einer Luxuslimousine und schon auf dem ersten Kilometer vertraut wie ein alter Freund – so viel Lob Audi Ende letzten Jahres für die zweite Auflage des Q5 einsammeln konnte, so viel Kritik mussten die Bayern auch einstecken. Denn im Ringen um maximale Qualität sind Lust und Leidenschaft irgendwo auf der Strecke geblieben und der erfolgreichste Geländewagen in seinem Segment wurde plötzlich als gefühlsarmer Streber abgestempelt. Doch jetzt bringt Audi ein bisschen Leben in die Bude und macht den SQ5 zum Pulsbeschleuniger – und wenn es nur der Aufpreis von mehr als 13.000 Euro ist, der das Blut der Schnellfahrer in Wallung bringt.

Von Thomas Geiger

Zu Preisen ab 64.900 Euro gibt es den Gegner von BMW X3 und Mercedes GLC dafür nach dem Ende der Sommerferien endlich auch wieder mit einem Sechszylinder: Wo bislang bei vier Töpfen mit zwei Litern Hubraum Schluss war, lockt künftig ein V6 mit soliden drei Litern, mit dem die Leistung von 252 auf 354 PS steigt. Gleichzeitig klettert das maximale Drehmoment auf 500 Nm und kann – den neuen, besonders spontanen Twinscroll-Turbos sei dank – bereits bei 1.370 Touren abgerufen werden und bleibt konstant bis 4.000 Umdrehungen. Wann immer man aufs Pedal steigt, quittiert der Q5 das deshalb mit einem gewaltigen Punch.

Mit entsprechend viel Verve geht der SQ5 zur Sache. Für einen Streber fast schon vorlaut, grollt der Sechszylinder beim Anlassen und erfüllt den ganzen Innenraum mit einem feinen, verheißungsvollen Zittern. Und wenn sich der Fuß aufs Fahrpedal senkt, reicht das merklich geschrumpfte Turboloch gerade noch zum Einatmen, bevor es einen etwas tiefer in den weich gepolsteren Sitz mit den hohen Wangen drückt und sich der Q5 mit aller Macht nach vorne wirft: von 0 auf 100 beschleunigt er in 5,4 Sekunden und wo den Vierzylindern bei 200 Sachen so langsam die Luft ausgeht, zieht der SQ5 so temperamentvoll durch, dass die 250 km/h Top-Speed gefährlich nach Willkür klingen.

Aber der Sportler unter den Strebern ist nicht nur auf der Geraden schneller, sondern geht auch besser ums Eck. Die in fünf Stufen einstellbare Luftfederung bringt ihn im Dynamic-Modus drei Zentimeter tiefer an den Asphalt und vermittelt einem ein besseres Gefühl für die Fahrbahn. Die progressive Sportlenkung wird mit zunehmendem Kurvenradius direkter und das Sportdifferential an der vom Quattroantrieb bevorzugten Hinterachse verteilt die Kraft zugunsten des kurvenäußeren Rades. So fährt der SQ5 eine scharfe Linie, nimmt die Kurven spürbar enger als das Serienmodell und lässt einen leicht vergessen, dass man in einem Hochsitz fährt und solide 1,9 Tonnen bewegt.

Doch auch als S-Modell kann der Q5 nicht aus seiner Haut und wahrt deshalb noch immer eine vornehme Zurückhaltung. Das gilt für den Antrieb, dem die Bayern im nächsten Jahr auch noch einen V6-Diesel mit S-Logo folgen lassen. Und das gilt für den Auftritt. Von außen sind es deshalb nur die doppelten Lamellen im sattsam bekannten Single-Frame-Grill, neue Schweller und Schürzen sowie die funkelnden Alu-Kappen auf den Spiegeln, die den Unterschied machen. Und auch innen muss man schon ein paar Extras wie die Rautennähte auf den Sportsitzen ordern, wenn man mit dem Power-Modell posen möchte.

Doch mit diesem eher dezenten Ansatz folgt Audi einem Rezept, das sich beim Vorgänger bestens bewährt hat – nicht umsonst kam der SQ5 dort auf einen Verkaufsanteil vom stolzen zehn Prozent.