Bloß das Markenlogo und das Typenkürzel SS für die Sportmodelle bleiben gleich. In völlig neuer Ausformung will der Chevrolet Camaro 2016 seinen Thron-Platz unter den Ami-Musclecars behalten.

Text: Thomas Geiger.

Das war ein Wochenende, wie es Detroit schon lange nicht mehr erlebt hat: In der ganzen Stadt riecht es nach Benzin und verbranntem Gummi, die Luft vibriert vom Grollen der Achtzylinder und ein schier endloser Konvoi von Muscle Cars staut sich hinaus auf die legendäre Insel Belle Ilse, um einem ganz besonderen Auto bei seiner Jungfernfahrt Geleit zu geben: Dem neuen Chevrolet Camaro. Schließlich ist das Muscle Car neben der Corvette nicht nur der wichtigste Imageträger von General Motors und 49 Jahren und bislang fünf Generationen längst selbst zur Legende gereift. Sondern der Camaro ist auch der wichtigste Breitensportler auf dem US-Markt, den selbst der neue Ford Mustang oder der Dodge Challenger in den letzten fünf Jahren nicht vom Thron stoßen konnten.

Generationenwechsel

Damit das auch in Zukunft so bleibt, hat Chevrolet den vielleicht gründlichsten Generationswechsel in den letzten fünf Jahrzehnten hingelegt. Denn obwohl das Coupé mit seiner langen Haube, dem bösen Blick und dem breiten Heck natürlich sofort als Camaro zu erkennen ist, haben die Entwickler nicht mehr als das Markenlogo auf dem Heckdeckel und das Typenkürzel des Sportmodells SS für die neue Auflage übernommen. In jeder Dimension ein paar Millimeter knapper und im Windkanal geformt, steht der Camaro deshalb schnittiger und sportlicher da als je zuvor.

Dabei wechselt der später natürlich auch wieder als Cabrio lieferbare Sportwagen auf die Plattform des Cadillac ATS, die ihm nicht nur Goodies wie eine neue Vorderachse, eine Achtgangautomatik und die Option auf das Magnetic Ride Fahrwerk mit bis zu 1 000 Feder-Anpassungen pro Sekunde bringt. Sondern vor allem wird der Sportwagen damit steifer und leichter, schwärmen die Amerikaner und sprechen von fast 100 Kilo Diäterfolg, die man in jeder Kurve spüren kann. „Noch nie war dieses Auto so handlich und so agil zu fahren“, sagt Projektleiter Aaron Link: „Er bremst besser, taucht tiefer in die Kurven ein und beschleunigt besser wieder heraus.“

Mit seinem 270 PS und 393 Nm starken Vierzylinder-Turbo und einem erwarteten US-Normverbrauchswert von 9,4 Litern für den Highway wird er zum sparsamsten Camaro in der Geschichte. Und als Camaro SS mit dem 440 PS und 610 Nm starken 6,2-Liter-V8 aus der Corvette geht er als bislang stärkstes Serienmodell in die Annalen ein.

Chevrolet Camaro: Vier Töpfe für ein Halleluja

Weil es dazu auch noch neue Motoren gibt, bedient der Camaro gleich zwei weitere Superlative: Mit seinem 270 PS und 393 Nm starken Vierzylinder-Turbo und einem erwarteten US-Normverbrauchswert von 9,4 Litern für den Highway wird er zum sparsamsten Camaro in der Geschichte. Und als Camaro SS mit dem 440 PS und 610 Nm starken 6,2-Liter-V8 aus der Corvette geht er als bislang stärkstes Serienmodell in die Annalen ein. Dazwischen gibt es noch einen 3,6 Liter großen V6-Motor, der ebenfalls neu in der Baureihe ist, auf 330 PS und 386 Nm kommt und dank Zylinderabschaltung ebenfalls mit der Zeit gehen will.

Apropos mit der Zeit gehen: Wie sehr sich die Macher in Motown an der Mode orientieren, merkt man beim Camaro vor allem im Innenraum: Denn außen und unter der Haube in Muscle Car nach alter Väter Sitte, erinnert der Wagen in dem stärker auf den Fahrer zugeschnittenen Cockpit eher an die Playstation. Nicht umsonst gibt es digitale Instrumente, man kann die Innenbeleuchtung in 24 Farben wählen und eine kabellose Handyladung ist der ganze Stolz der Entwickler.

Europa? Import!

Ob das reicht, um den nicht minder modernen Mustang in den USA weiter im Zaum zu halten, wird man abwarten müssen. Doch in Europa hat Ford diesmal gleich aus zweierlei Gründen die besseren Karten. Denn nachdem es den Mustang hier früher nur bei den Grauimporteuren gab, steht er jetzt ganz offiziell bei den Ford-Händlern, während Chevrolet seinen Sportwagen nach dem Rückzug der Marke aus Europa nur noch über ganz ausgewählte Vertriebspunkte anbietet. Und wo sich Chevrolet mit dem Verkaufsstart des Camaro bei uns noch bis Anfang 2016 Zeit lässt, galoppiert der Mustang noch in diesem Sommer über die europäischen Straßen.

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