Für Schöngeister

Besser gut abgekupfert als schlecht selbst entwickelt. So könnten böse Zungen angesichts des neu vorgestellten SUV-Coupés von Mercedes-Benz flüstern. Motorblock fährt das neue GLC Coupé.

von Thomas Geiger

Man kann nicht immer Erster sein – selbst wenn man für sich die Erfindung des Autos reklamiert. Das hat mittlerweile auch Mercedes gelernt und ist sich nicht zu fein, gute Ideen bei der Konkurrenz zu kopieren. Nachdem die Schwaben mit dem GLE Coupé ihr Pendant zum BMW X6 auf den Markt gebracht haben, bringen sie jetzt ein SUV-Coupé auf Basis des GLC gegen den X4 in Stellung.

Anders als beim großen Bruder haben die Mercedes-Designer mit dem GLC einen großen Wurf gelandet: Die Proportionen stimmiger, die Linien schneller und die Silhouette sportlicher, hält er gekonnt die Balance zwischen Protz und Pretiose und lässt den Vorreiter aus München ganz schön alt aussehen.

Für die schöne Form hat Mercedes-Benz allerdings ein wenig Funktion geopfert: Zwar sitzt man hinten trotz der vier Zentimeter tieferen Dachlinie noch ganz ordentlich, wenn man erst einmal unter den tiefen Türholmen durchgetaucht ist. Doch der Blick zurück verliert sich in einer Scheibe von der gefühlten Höhe eines Briefkastenschlitzes. Und das Einladen der Koffer wird zum Kraftakt. Denn was nutzen einem rund 500 Liter Ladevolumen, wenn man das Gepäck über eine hohe Kante wuchten und in eine durch die acht Zentimeter längere Karosserie noch tiefere Höhle bugsieren muss?

Das Coupé unterscheidet sich vom normalen GLC aber nicht nur im Design und in Details wie dem serienmäßigen Diamant-Grill, den 18-Zöllern in den bis zu zwei Zentimeter breiteren Radhäusern oder dem erweiterten Aluminium-Zierrat. Sondern neben der Optik hat Baureihenchef Michael Kelz auch bei der Technik ein paar grundlegende Änderungen vorgenommen: So fährt das Coupé grundsätzlich mit Sportlenkung und Sportfahrwerk. Dazu noch die tiefer ausgeschnittenen Sitze mit dem besseren Seitenhalt, fertig ist der Kurvenwetzer.

Dynamisch gegen X4 und Macan

Im Vergleich zum normalen GLC fühlt sich das Coupé mit dem neuen Set-up tatsächlich leichter und handlicher an, schneidet enger durch die Kurven, hält besser die Spur und lässt sich so an einer kürzeren Leine führen. Doch insgesamt kommt das GLC Coupé trotz der neuen adaptiven Stahlfederung, die sich sekundenschnell dem Fahrstil und den Gegebenheiten anpasst, nicht an die fahrdynamischen Qualitäten eines X4 oder eines Porsche Macan heran.

Dafür allerdings bietet Mercedes von allen Herstellern die breiteste Motorpalette und rüstet das GLC Coupé mit je vier Dieseln und vier Benzinern aus. Sie decken eine Leistungsspanne von 136 bis 367 PS ab und werden anders als im aufrechten GLC bis auf den Einstiegsdiesel allesamt als Allrad ausgeliefert. Darunter stechen vor allem drei Triebwerke heraus: Der 200er Diesel, weil er im Zyklus weniger als fünf Liter braucht, der 320 PS starke 350e, weil er als Plug-In-Hybrid das Paradoxon von 5,9 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h und einen Normverbrauch von 2,5 Litern verspricht, und der 350d, weil mit ihm endlich wieder ein V6-Diesel in der Baureihe Einzug hält.

Sechszylinder-Diesel im 350d

Er leistet 258 PS, kommt auf bis zu 620 Nm und überzeugt vor allem durch seinen seidig-sämigen Kraftaufbau, der eine wunderbar souveräne Fahrweise ermöglicht und mit Eckwerten wie den 6,2 Sekunden von 0 auf 100 und 238 km/h Spitze auftrumpft. Das macht er viel besser als der Spitzenbenziner mit 245 PS und 370 Nm, der selbst im Sportprogramm nicht so richtig emotional klingt und seine Power so verhalten entsetzt, dass er nur die Sehnsucht nach dem GLC 43 mit 367 PS von AMG schürt.